• The Wall Street Journal

Südafrika setzt auf den Yuan

JOHANNESBURG/LONDON – China will dem Yuan eine wichtigere Rolle im internationalen Handel verleihen, und Südafrika soll dem Land jetzt helfen, dieses Ziel zu erreichen. Einen wachsenden Anteil an ihrem Handel schließen die beiden Länder direkt in Rand und Yuan ab. Bis vor zwei Jahren nutzten sie dafür noch den US-Dollar. Laut der Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift) finden jetzt schon zehn Prozent der Zahlungen in den eigenen Währungen der beiden Länder statt.

China versucht auch beim Handel mit anderen Ländern den Yuan zu stärken, doch südafrikanische Unternehmen haben bisher am schnellsten reagiert. Örtliche Banken machen es zunehmend einfacher, und oft auch billiger, Rand in Yuan zu tauschen. Da China nach der EU der zweitgrößte Handelspartner Südafrikas ist, ist diese Entwicklung auch für die heimischen Unternehmen attraktiv.

Patrick McGroarty/The Wall Street Journal

Das Unternehmen Wholesale Motor Glass aus Johannesburg kauft chinesische Windschutzscheiben in Yuan.

„Da China seine Regulierung etwas gelockert hat, macht es für uns Sinn, direkt in Yuan zu handeln", sagt Stephen Baverstock, Chef des südafrikanischen Preisschilddruckers Traderplus. Das Unternehmen betreibt auch eine Druckerfabrik im chinesischen Suzhou.

Seit Oktober 2011 tauscht Traderplus monatlich die Summe von 120.000 Dollar an Rand in Yuan um. Die Johannesburger Bank Absa Group, an der Barclays einen Mehrheitsanteil hält, wickelt den Tausch ab, sagt Baverstock.

Dollar und Yen bleiben dominant

Baverstocks Kunden, darunter südafrikanische Bekleidungs- und Haushaltsartikelhersteller in China, bezahlen ihn in Rand. Doch Baverstock braucht auch Yuan, um seine chinesischen Zulieferer und Angestellten zu bezahlen. Heute spart er Wechselgebühren, da er nicht mehr den Zwischenschritt gehen muss, bei dem er Rand in Dollar wechselte und die Dollar dann in Yuan.

Die Menge der Güter, die Südafrika aus China importiert, ist 2011 auf 11,1 Milliarden US-Dollar gestiegen. 2001 waren es noch 1,1 Milliarden Dollar, berichtet das südafrikanische Handelsministerium. Exporte nach China haben sich in diesem Zeitraum auf 1,1 Milliarden Dollar verdreifacht. Südafrika liefert vor allem Mineralien wie Eisenerz und Chrom an China.

Weniger Erfolg hat China dabei, dem Yuan in größeren Märkten wie Japan mehr Bedeutung zu verleihen. Dollar und Yen sind zwei der am meisten gehandelten Währungen der Welt, und es ist für japanische Firmen billiger, Yen in Dollar und Dollar in Yuan zu wechseln, als den kaum genutzten Yen-Yuan-Markt zu nutzen.

Das Handelsvolumen zwischen Rand und Yuan ist weiterhin niedrig. Dadurch kann es zeitweise immer noch teurer sein, Rand in Yuan zu wechseln als Rand in Dollar, sagt James Scott, Leiter für Devisenhandel bei Absa.

Chinesische Firmen geben Rabatte

Außerdem wird es Zeit brauchen, den Rand-Yuan-Handel aufzubauen, sagen Händler, da nicht alle chinesischen Zulieferer Konten in Hongkong haben, mit denen sie die Devisengeschäfte abwickeln können. Doch einige Banken erkennen die Nachfrage von südafrikanischen Unternehmen nach vereinfachten Devisentransaktionen,

Südafrikanische Händler und Importeure berichten, dass chinesische Unternehmen oft Rabatte von bis zu sieben Prozent an Firmen vergeben, die den Handel ausschließlich in Rand und Yuan abwickeln. Chinesische Firmen genießen Steuervergünstigungen, wenn sie den internationalen Handel in der eigenen Landeswährung durchführen.

„Durch die Steuerrabatte, die chinesische Firmen erhalten, können wir besser mit ihnen verhandeln, und so bleiben die Kosten auf beiden Seiten niedrig", sagt Brian Twiss, Chef von Wholesale Motor Glass. Seit Oktober 2011 hat sein Unternehmen monatlich etwa 145.000 Dollar an Rand in Yuan gewechselt, um Windschutzscheiben und anderes Autoglas aus China zu importieren und in seinen Läden in Durban und Johannesburg anzubieten.

Laut Peter Christoforakis, Finanzchef bei Intershu Distributors, einem Schuhimporteur in Johannesburg, schrumpft das Wechselkursrisiko, wenn Unternehmen nur noch mit zwei anstatt mit drei Währungen jonglieren müssen.

Seit der Wert des Yuan mehr vom Markt bestimmt wird, schwanken Dollar und Yuan im Verhältnis zu anderen Währungen stärker. Ein Währungswechsel in zwei Schritten wird dadurch riskanter. Seit Anfang September ist der Rand zum Dollar um 6,3 Prozent gefallen und zum Yuan um 8,3 Prozent, berichtet die südafrikanische Zentralbank.

Auch Deutsche Bank handelt Rand in Yuan

„Es ist schwer, die Schwankung zwischen den drei Währungen auszubalancieren", sagt Christoforakis. Die meisten seiner Zulieferer sind chinesisch, und er erwägt derzeit, alle zwei Monate zehn Millionen Rand (1,1 Millionen Dollar) in Yuan zu wechseln.

Das Volumen der internationalen Handelszahlungen, die in Yuan gemacht wurden, hat sich zwischen Januar und September auf 0,5 Prozent verdoppelt. Südafrika war dabei eines der wenigen Länder außerhalb Asiens, wo der Anteil an Zahlungen in Yuan deutlich gewachsen ist, berichtet Swift.

Direkte Rand-Yuan-Umwandlungen machten im Juli 8,7 Prozent der Zahlungen zwischen Südafrika, China und Hongkong aus. Im Januar waren es noch 5,2 Prozent, Mitte 2011 ging diese Zahl noch gegen Null. Nur etwa 0,3 Prozent des Handels zwischen den USA und China werden in Yuan abgewickelt.

Bidvest, ein Devisenspezialist in Johannesburg, war eines der ersten Unternehmen, die Geschäftskunden im September 2011 einen direkten Rand-Yuan-Handel anboten. Seitdem sind einige globale Banken diesem Beispiel gefolgt, darunter auch die Deutsche Bank, die weltweit den meisten Devisenhandel betreibt.

Ion De Vleeschauwer, leitender Devisenhändler bei Bidvest, sagt, er wechsle jeden Tag fünf Prozent der gehandelten 20 Millionen Dollar direkt von Rand in Yuan. Er hofft, diesen Anteil innerhalb des nächsten Jahres auf die Hälfte der Geschäfte zwischen Südafrika und China zu erhöhen. „Wir rechnen fest damit, dass dieses Geschäft bald durchstartet", sagt er.

Kontakt zu den Autoren: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen