• The Wall Street Journal

Zehn Dinge, die für Anleger 2013 wichtig werden

Die höchsten Renditen lassen sich 2013 mit Aktien erzielen und hier wiederum mit solchen aus Schwellenländern. Das zumindest glauben die Analysten von Goldman Sachs, die ihre Prognosen auf zehn Thesen stützen. Am besten dürften die Märkte in den Schwellenländern abschneiden, doch sehen die Experten auch in den USA und Europa noch interessante Gelegenheiten.

Den breiten europäischen Aktienindex Stoxx-600 erwartet Goldman Sachs Ende kommenden Jahres bei 310 Punkten. Das Ziel für den Euro-Stoxx-50 veranschlagt Goldman Sachs auf 3.000 Punkte. Ausgehend von den aktuellen Indexständen von etwa 275 bzw. 2.570 Punkten entspricht das einem reinen Kurspotenzial von gut 12 bzw. knapp 17 Prozent. Die Analysten begründen ihre positiven Erwartungen mit der attraktiven Bewertung der Aktien und den Ertragsaussichten der Unternehmen.

Agence France-Presse/Getty Images

Touristen in Schanghai: Die Analysten von Goldman Sachs rechnen auch für 2013 mit einem stabilen Wachstum in China.

Die im Stoxx-600 gelisteten Unternehmen dürften ihre Gewinne 2013 im Schnitt um 9 Prozent - ohne die Finanzbranche um 7 Prozent - steigern können. Den S&P-500-Index sieht Goldman bis Ende kommenden Jahres auf 1.575 Punkte steigen. Am Mittwoch schloss der Index bei 1.410 Punkten. Das Kurspotenzial beträgt damit knapp 12 Prozent.

Die Prognosen des Hauses beruhen auf diesen makroökonomischen Thesen:

1. Die Weltwirtschaft wird Anfang kommenden Jahres noch eine Schwächephase erleben. Danach ist der Weg für Wachstum frei.

2. Die Notenbanken der G4-Länder (USA, Japan, Deutschland und Großbritannien) dürften weitere unkonventionelle geldpolitische Lockerungen vornehmen.

3. Die Fundamente für die „Suche nach Renditen" brechen weg.

4. In den USA wird sich der Markt für Wohnimmobilien stabilisieren, und die US-Privatwirtschaft wird gesunden.

5. Von der Eurozone wird zwar eine geringere Gefahr ausgehen, doch bestehen nach wie vor Risiken.

6. Innerhalb der Eurozone wird die Kluft zwischen den Kernländern und der Peripherie bestehen bleiben.

7. In den Schwellenländern wird das Wachstum wieder an Kapazitätsgrenzen stoßen.

8. Unterschiede zwischen den Schwellenländern bestehen fort.

9. Die Gefahr, dass Versorgungsengpässe bei Öl das Wachstum bremsen, dürfte geringer sein.

10. China wird ein stabiles Wachstum erleben, aber nicht an die alten Zeiten anknüpfen.

Auf den ersten Blick ähnelten ihre Schätzungen für 2013 denen für 2012, erläutern die Analysten. Sie sehen die Weltwirtschaft in diesem Jahr real um 3,0 Prozent wachsen. Für 2013 prognostizieren sie ein reales Plus von 3,3 Prozent und sehen sogar Potenzial bis 4,2 Prozent. Hohe Überschusskapazitäten in den Industrieländern dürften die Inflation eindämmen und zu einer fortgesetzt akkomodierenden Geldpolitik beitragen.

Im Unterschied zum vergangenen Jahr habe sich die Krise der Eurozone dadurch entspannt, dass die EZB sich klar dafür ausgesprochen habe, die Zinsen für die Länder am Rand des gemeinsamen Währungsgebiets zu drücken. Damit sei die Gefahr, dass die Krise auf andere Teile der Welt übergreife, geringer geworden. Hilfreich sei ferner, dass der Wirtschaft mehr Öl zur Verfügung stehe. In der Vergangenheit habe ein zu knappes Ölangebot die Preise für das Schwarze Gold nach oben getrieben und das Wachstum gebremst.

In Europa dürfte die Wirtschaft noch bis 2015 nur langsam wachsen und die Kluft zwischen Deutschland und den Ländern am Rande der Eurozone bestehen bleiben, prognostiziert Goldman Sachs. In den USA werde innenpolitisch wieder Ruhe einkehren, was unternehmerische Entscheidungen erleichtere und speziell die Bereitschaft fördere, Risiken einzugehen.

Die Fiskalklippe mit ihren automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen werden die USA nach Meinung von Goldman zwar umschiffen, dennoch rechne man mit steigenden Steuern und sinkenden Ausgaben. Die fundamentale Lage der US-Unternehmen sei gut. Die US-Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 1,9 Prozent und 2014 um 2,9 Prozent wachsen.

Diese Männer führten die USA an den finanziellen Abgrund

Aktien dürften dabei besser abschneiden als US-Staatsanleihen. Innerhalb des Aktienmarkts rechnen die Experten mit einem besseren Abschneiden zyklischer gegenüber defensiven Werten. Aktien von Unternehmen, die einen hohen Umsatzanteil in den sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Indien, Russland und China) erzielen, böten zugleich größere Chancen als Aktien binnenmarktorientierter Unternehmen.

Besser noch als die Aktienmärkte der Industrieländer werden nach Überzeugung von Goldman Sachs jene aus Schwellenmärkten laufen. Die sich entwickelnden Länder dürften das Weltwirtschaftswachstum anführen. Allerdings gebe es innerhalb dieser Gruppe deutliche Unterschiede. In einzelnen Fällen bremsten Inflation, Wechselkurseinflüsse oder Politik die ansonsten überdurchschnittliche Entwicklung. Anleger sollten sich vor diesem Hintergrund auf die Türkei, Korea, China und Indien konzentrieren. Mexiko und Indonesien hätten ebenfalls gute wirtschaftliche Aussichten, doch seien ihre Märkte schon recht hoch bewertet.

Kontakt zum Autor: claudia.nehrbass@dowjones.com

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