Von JOHN JURGENSEN
Die Youtube-Gemeinschaft hat ein neues Klubhaus. Der zu Google gehörende Videogigant hat in dieser Woche ein Geschäft in einem umgebauten Flugzeughangar in einem Vorort von Los Angeles eröffnet. In dem 3.800 Quadratmeter großen Youtube Space LA gibt es Soundstudios, Anlagen zur Bearbeitung von Filmen und Videos, ein Aufnahmestudio und Räume mit grünem Hintergrund für die Spezialeffekte.
In einer Stadt, in der eigentlich kein Mangel an Studios herrscht, ist Youtube Space eine neue Mischform – eine schicke Produktionsumgebung, die als Talent-Labor eingesetzt werden soll. Ausgewählte Youtube-Produzenten sollen kostenlosen Zugang erhalten, um Projekte fertigzustellen, ihre Fähigkeiten auszuweiten und mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Das alles in einer Umgebung, die ein wenig an einen Campus erinnert.
In der digitalen Welt zieht Youtube zwar immer mehr Inhalte von professionellen Filmemachern an. Doch bislang definiert sich das Ökosystem vor allem durch seine vielen Amateure. Weil Youtube sich immer stärker als eine Alternative zum herkömmlichen Fernsehen positionieren will und um seine Werbeeinnahmen zu steigern, muss das Unternehmen die Qualität seiner Inhalte insgesamt verbessern. Ein Teil der Strategie sieht vor, Produzenten von bestimmten Kanälen mit Millionen US-Dollar zu unterstützen. Youtube befindet sich laut eigenen Angaben derzeit in Verhandlungen über eine Fortsetzung. Es heißt, weniger als die Hälfte dieser Kanäle darf sich über eine zweite Finanzierungsrunde freuen.
Youtube Space wird kleinere Ableger in London, New York und bald auch in Asien haben. Von den mehr als einer Million „Partnern", die Teile ihrer Werbeeinnahmen durch die Kanäle mit dem Videonetzwerk teilen, wird darin jedoch nur ein Bruchteil Platz finden. „Wir wollen die Welt nicht von ihren Ressourcenproblemen bei Produktionsabläufen befreien", sagt Tom Pickett, der weltweit für die Inhalte bei Youtube zuständig ist. Stattdessen will Youtube einigen Newcomern, die sich schon bewiesen haben, eine Starthilfe geben.
Youtube will die Vorschläge beurteilen, die online eingereicht wurden und sich dabei im Verlauf ansehen, wie schnell es dem Nutzer gelungen ist, Abonnenten für seinen Kanal zu gewinnen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Youtube-Produzenten soll eine Rolle spielen. Sollten sie zugelassen werden, dürfen die Macher Youtube Space für einen Zeitraum von drei Monaten nutzen. Ein zwanzigköpfiges Team wird bei Fragen zur Seite stehen – doch der Einfluss soll so gering wie nur möglich sein. 25 Kanäle sollen zunächst online gehen, im Januar geht es los.
Innerhalb der Flughafenhalle sieht es aus wie in einer Berufsschule im Silicon Valley. Es gibt einen Innenhof, zum Treffen und Unterhalten kann und einen Sprungschacht mit Stange, wie man ihn von der Feuerwehr kennt, um schnell ins Erdgeschoss zu gelangen. Dieses Feature wurde vom Chef des Youtube Space Lab, Liam Collins, vorgeschlagen. Der hatte zuvor bei Next News Networks gearbeitet, das von Youtube wegen seiner Erfahrungen bei der Förderung von Videoproduzenten übernommen worden war.
Die Ausrüstung bei Youtube Space musste modern aber auch intuitiv sein, damit auch Neulinge mit ihr zurechtkommen können. In einem Motion-Capture-Studio, in dem auch 3D-Kulissen zum Einsatz kommen, sagte Collins vor kurzem: „Man muss nicht wirklich verstehen, wie es funktioniert, um es einsetzen zu können."
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