Von MIRIAM JORDAN
In den USA trifft die Rezession die Einwanderer besonders hart. Legale wie illegale Immigrantinnen bekommen darum immer weniger Kinder. Das treibt die Geburtsrate auf ein neues Rekordtief.
Die jährliche Geburtenzahl pro tausend Frauen ist in den USA zwischen 2007 und 2010 auf 64 gefallen – ein Minus von 8 Prozent. Das geht aus einem Bericht der US-Denkfabrik Pew Research Center hervor.
Die Einwanderinnen – legale wie illegale – haben immer noch eine höhere Geburtenrate als die US-Bevölkerung insgesamt. Aber bei ihnen ist die Zahl besonders drastisch gesunken – um 14 Prozent zwischen 2007 und 2010, auf knapp 88 Geburten pro 1.000 Frauen im Alter von 15 bis 44. Bei Frauen aus Lateinamerika ist die Geburtenrate um 19 Prozent gepurzelt – bei Mexikanerinnen sogar um 23 Prozent. Bei in den USA geborenen Frauen dagegen ging es nur um 6 Prozent bergab.
„Die Latinos wurden besonders hart von der Rezession getroffen", und das spiegele sich in den Geburtsraten wider, sagt D'Vera Cohn, die zu den Autoren der Studie gehört. Neben der Wirtschaft spielt auch mit herein, dass weniger Einwanderer ins Land kommen. So hielten sich im Jahr 2010 etwa bei den Mexikanern Ein- und Auswanderer die Waage.
Vorabdaten zeigen, dass die Geburtenrate im Jahr 2011 weiter gefallen ist – auf 63,2 Geburten pro 1.000 Frauen. Es gibt noch keine Zahlen, die nach Immigrantinnen und in den USA geborenen Müttern unterscheiden. Die Forscher von Pew prognostizieren aber bereits jetzt, dass sich das Muster wiederholen wird.
Schon in der Vergangenheit ist die Geburtenrate der USA bei Wirtschaftskrisen eingebrochen – etwa bei der großen Depression in den 1930er-Jahren und dem Ölschock der 1970er. Wenn sich die Wirtschaftslage wieder gefangen hat, kam bisher auch die Geburtenrate zurück.
Langfristig aber ist es genau anders herum: In Ländern, deren Wohlstand steigt, gibt es proportional weniger Kinder – und das setzt den Wohlstand aufs Spiel. In Deutschland, anderen europäischen Ländern und etwa Japan führt die niedrige Geburtenrate zusammen mit einer hohen Lebenserwartung dazu, dass die Bevölkerung altert. So gibt es zu wenige arbeitende Menschen, um die Renten zu zahlen. Dieses Problem haben die USA bisher umschifft – und zwar durch die vielen Immigranten, die überproportional viele Kinder zur Welt bringen.
USA immer noch weit vor Deutschland
Für das laufende Jahr rechnet der US-Nachrichtendienst CIA dort immerhin noch mit einer Geburtsrate von 2,06 Kindern pro Frau - aufs ganze Leben hochgerechnet. Deutschland sieht mit durchschnittlich 1,41 Kindern dagegen ziemlich blass aus.
Da die Immigranten so eine wichtige Rolle dabei spielen, die Demographie der USA in der Balance zu halten, könnte die Trendwende bei den Einwanderern das Durchschnittsalter im Land in den kommenden Jahren heben, wenn sie anhält. Im Jahr 2007 wurde mit 4.300.000 Amerikanern eine Rekordmenge geboren. Aber seit der Rezession nimmt die Zahl ab.
Zwar sind nur 13 Prozent der Amerikaner Immigranten. Dass sie trotzdem für so viele Geburten verantwortlich sind, liegt daran, dass die Einwanderinnen, wenn sie ins Land kommen, besonders häufig im besten Alter für Kinder sind.
Carmen Ozorio, eine 41-jährige Einwanderin aus Guatemala, hat nur ein Kind bekommen, seit sie vor mehr als einem Jahrzehnt in die USA eingewandert ist. Die Haushaltshelferin aus Los Angeles wollte noch einmal schwanger werden – aber dann wurden die Arbeitsstunden ihres Partners zusammengestrichen, als die Wirtschaft zu schwächeln begann. „Die Situation ist zu schwierig, um mehr Kinder zu haben", sagt Ozirio, deren Sohn neun Jahre alt ist.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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