Von ELIOT BROWN
Einige neu errichtete Wolkenkratzer sehen aus, als hätte man sie auf Diät gesetzt. In New York, Tel Aviv, Vancouver und anderen Metropolen auf der ganzen Welt entstehen immer mehr besonders schmale Hochhäuser auf kleinen Grundstücken.
In überfüllten Städten wie Hongkong sind die dünnen Hochhäuser schon an vielen Stellen zu sehen. In anderen Städten, wo noch mehr Platz für neue Gebäude ist, zogen Bauherren lange Zeit breitere, stabilere Bauweisen vor, mit einer Grundfläche von mindestens 900 Quadratmetern.
Doch das ändert sich in letzter Zeit. In New York hat der Bau eines Hochhauses des Architekten Rafael Viñoly an der Park Avenue begonnen. Es soll nur eine Grundfläche von 766 Quadratmetern haben und dabei etwa 44 Meter höher werden als das Empire State Building.
Eine Straße weiter südlich vom Central Park entsteht das 306 Meter hohe One57, wo der Supersturm Sandy den Baukran zertrümmert hat. Die Grundfläche soll nur 580 Quadratmeter groß sein. Das One Madison Park, ein 180 Meter hohes Gebäude, hat eine Grundfläche von gut 300 Quadratmetern und ist bald fertig gebaut.
Die finanzstärkste Schicht der Wohnungssuchenden ist bereit, für eine solche Aussicht eine Stange Geld zu zahlen. Fortschritte bei Baukonstruktion und Materialien haben zudem diese dünnen Bauwerke möglich gemacht. Dadurch kann auf kleinen Grundstücken gebaut werden, die früher für Wolkenkratzer untauglich waren.
„Wenn man schmaler und höher bauen kann, gibt es mehr Wohneinheiten mit guter Aussicht, und auch die Höhe wird geschätzt", sagt Jon Stovell, der letztes Jahr in Vancouver einen 106 Meter hohen Turm mit einer Grundfläche von 450 Quadratmetern baute. Preise von über 1.000 US-Dollar pro Quadratmeter machten die höheren Baukosten mehr als wett.
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In Tel Aviv errichtet das Bauunternehmen Berggruen Residential einen 180 Meter hohen Wohnturm, den der Architekt Richard Meier entworfen hat. Die Stockwerke haben eine Grundfläche von 785 Quadratmetern, das Penthouse 1250 Quadratmeter. Dort soll eine Wohnung untergebracht werden, die für 50 Millionen Dollar auf den Markt kommen. In New York stürzen sich Käufer auf die Wohnungen im One57 und sind bereit, rekordverdächtige Preise zu zahlen. Der Bauträger Extell Development sagt, zwei Käufer hätten einem Preis von über 90 Millionen Dollar für zwei Penthäuser zugestimmt. Das wären damit die teuersten Apartments, die je in der Stadt verkauft wurden.
Für die gut 120 Wohneinheiten im neuen Wolkenkratzer an der Park Avenue hat der Bauträger CIM Group einen durchschnittlichen Preis von 40.500 Euro pro Quadratmeter vorgesehen. Ein Penthouse mit sechs Schlafzimmern soll für 85 Millionen Dollar auf den Markt kommen.
Bilder: Hochhäuser werden immer dünner
Mit jedem Höhenmeter wird der Bau teurer. Es dauert länger, bis der Stahl nach oben gehievt wurde, und das Gebäude muss gegen zu starke Schwankungen abgesichert werden. Sonst könnten die Bewohner seekrank werden. „Es ist definitiv nicht leicht oder billig", sagt Michael Stern, Managing Partner bei der JDS Development Group, die bald einen gut 200 Meter hohen Wohnturm auf einem Grundstück bauen will, dass nur 13 Meter breit ist. Solche Projekte seien nur durch die steigenden Wohnungspreise möglich.
Technologische Fortschritte haben ebenfalls geholfen. Zum Beispiel ist das beliebteste Baumaterial, Stahlbeton, heute doppelt so stabil wie noch eine Generation zuvor. Ingenieurssoftware kann besser vorhersagen, welche Probleme es geben könnte und wie sehr ein Wolkenkratzer schwanken wird.
„Vor zehn Jahren hatten wir viel schlechtere Werkzeuge", sagt Ahmad Rahimian, Chef von WSP Cantor Seinuk, einer Hochbaufirma, die derzeit an mindestens einem halben Dutzend schmaler, hoher Wohngebäude arbeitet.
Die Bauträger hoffen, dass die kleinen Stockwerke den Bewohnern ein Gefühl von Exklusivität geben, da sie sich keine Flure mit mehreren Wohnungen teilen müssen. „Es wird dadurch exklusiver und die Aussicht wird besser", sagt Pamela Liebman, Präsidentin der Corcoran Group, eine Immobilienfirma, die beratend am Bau des One57 tätig ist. „Es hat noch nie jemand zu mir gesagt, ‚Können Sie mir eine Wohnung mit einem langen Flur zeigen?'"
—Mitarbeit: Josh BarbanelKontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de
Leben in luftiger Höhe: Apartments auf dem Markt
50 Millionen Dollar
Meier on Rothschild | Tel Aviv, Israel
1.250 Quadratmeter, Doppelpenthouse, Stockwerke 38 und 39
Das 180 Meter hohe Gebäude des Architekten Richard Meier wird gerade gebaut. Das Penthouse nennt der Bauträger Berggruen Residential „Palace in the Sky". Wenn es für den geforderten Preis verkauft wird, wäre es das teuerste Apartment, das je in Israel verkauft wurde.
2,78 Millionen Dollar
West Pender Place | Vancouver, British Columbia, Kanada
182-Quadratmeter-Apartment, 25. Stockwerk
Das Apartment mit zwei Schlafzimmern und drei marmornen Bädern hat außerdem eine italienische Küche, knapp drei Meter hohe Decken und einen großen Balkon. Die Wohnung bietet einen Ausblick auf drei Seiten des Gebäudes. Pro Stockwerk gibt es zwei Wohnungen.
16,74 Millionen Dollar
One57 | New York
322-Quadratmeter-Wohnung, 43. Stockwerk
Das Gebäude, das sich derzeit noch im Bau befindet, wurde von Christian de Portzamparc entworfen. Mit einer Höhe von 306 Metern werde es eines der höchsten in New York werden, sagt der Bauträger Extell. Das Apartment mit vier Zimmern und vier Bädern bietet eine 270-Grad-Aussicht.



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