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Für Investoren bleibt Myanmar ein Wagnis

[image] Christopher Davy / The Wall Street Journal

Westliche Konzerne wie Pepsi setzen alles daran, um in Myanmar Fuß zu fassen. Einige Wagniskapitalgeber sind da noch zurückhaltender.

RANGUN – Gibt es in Myanmar bereits Schätze zu heben, oder läuft man doch noch Gefahr, eine Menge Geld zu versenken? Über diese Frage streiten sich gerade Anleger aus der Wagniskapitalbranche. Mehrere Private-Equity-Firmen kratzen schon jetzt Geld zusammen, um in das südostasiatische Land zu investieren. Myanmar ist erst seit 2011 für ausländische Investitionen geöffnet, als sich die verschlossene Militärdiktatur der Welt öffnete.

Einige Investoren sehen Chancen im Gesundheits- und Immobilienbereich sowie in anderen Branchen, die nach fünf Jahrzehnten der Militärherrschaft unterentwickelt blieben, während andere asiatische Länder der Zukunft entgegenrasten. Doch große Investmentfirmen wie KKR und Blackstone halten sich bisher noch zurück.

Diese Meinungsverschiedenheit unter Investoren kann für Myanmar wichtige Konsequenzen haben. Selbst nach über einem Jahr der Reformen sind die Möglichkeiten für das Land, an den internationalen Finanzmärkten teilzunehmen, noch begrenzt. Westliche Regierungen haben zumindest die meisten der Sanktionen aufgehoben, die sie wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen unter der Militärjunta in Kraft gesetzt hatten.

Internationale Firmen wie General Electric und Pepsico suchen in Myanmar nach Chancen. Doch während viele Firmen dort ihre Produkte verkaufen wollen, gibt es nur wenige, die auch investieren und Fabriken bauen wollen. Außerdem sind die örtlichen Banken noch nicht in der Lage, ausreichende Kredite zu vergeben, um große Unternehmensexpansionen zu finanzieren.

Die Investmentfirma Silk Road Finance hat kürzlich ein Büro in Rangun eröffne. Sie hat bereits 25 Millionen US-Dollar von privaten Investoren eingesammelt. Cube Capital, eine Investmentfirma mit Büros in London und Hongkong und 1,3 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen, hat vor kurzem in zwei Immobilien in Myanmar investiert, die über 20 Millionen Dollar wert sind.

Leopard Capital, dessen Vorsitzender der erfahrene Schwellenland-Fondsmanager Marc Faber ist, will 150 Millionen Dollar aufbringen und in zwei Fonds mit Schwerpunkt Myanmar investieren. Bagan Capital hat Büros in Hongkong und Myanmar und will 75 Millionen Dollar in Myanmar investieren.

Die letzte Grenze: Konzerne erobern Myanmar

Christopher Davy

Einige Investoren sorgen sich jedoch, dass die politischen und wirtschaftlichen Risiken in Myanmar noch zu groß sind. Andere glauben, dass die verfügbaren Investitionsmöglichkeiten einfach zu klein sind.

Außerdem bleibt offen, wie der Rechtsschutz für ausländische Investoren geregelt ist und wie Fonds ihre Gelder wieder aus dem Land herausbekommen. Myanmar hat keinen erwähnenswerten Aktienmarkt oder Markt für Unternehmensanleihen und nur ein unterentwickeltes Bankensystem. Dadurch sind die Möglichkeiten für Anleger begrenzt, auf dem örtlichen Markt ihre Investitionen zu Geld zu machen.

„Ich kann mit Sicherheit sagen, dass alle derzeitigen Projekte in Myanmar scheitern werden", sagt John Van Oost, Gründer und Managing Partner von Yishan Capital Partners, einer Investmentfirma mit Büros in Singapur und Indonesien, die sich auf Immobilien spezialisiert. Grundstückspreise seien dort schon jetzt überteuert, sagt er, und es sei noch unklar, welche örtlichen Partner verlässlich sind. „Viele Anleger stürzen sich auf Myanmar. Wir glauben, dass der Markt noch nicht bereit ist", sagt Ming Lu, Leiter der Region Südostasien für KKR.

Führungskräfte aus Myanmar und anderen Ländern glauben, dass das Land zu einer der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens werden könnte, wenn weiterhin Reformen durchgeführt werden. Doch wenn Unternehmen kein Geld von ausländischen Investoren finden, könnte sich dieser Wachstumsschub verzögern.

Die Skeptiker unter den Private-Equity-Investoren sagen, dass sie von früheren Marktöffnungen gelernt haben, vor allem von Vietnam in den Neunzigern. Die Pioniere unter den Investoren verdienen nicht immer Geld, vor allem, da Reformen oft länger auf sich warten lassen als erhofft.

Schon während einer kurzen wirtschaftlichen Öffnung des Landes in den Neunzigerjahren haben Investoren viel Geld verloren. Doch abenteuerlustige Anleger hoffen jetzt, dass sie Beziehungen zu den achtbarsten Unternehmern des Landes aufbauen und so die besten Investitionschancen für sich gewinnen können.

Alisher Ali, der in der Vergangenheit eine Investmentbank in der Mongolei aufgebaut hat und jetzt Silk Road Finance in Rangun leitet, ist seit dem 1. April vom Reformwillen in Myanmar überzeugt. Der bekannte Dissident Aung San Suu Kyi wurde an dem Tag ins Parlament gewählt, nachdem er 15 Jahre lang unter Hausarrest gestanden hatte. Einige Wochen nach seiner ersten Reise in das Land zog Ali mit seiner Familie von der Mongolei nach Myanmar.

Im September habe er von reichen Anlegern in Russland, Kasachstan und der Mongolei 25 Millionen Dollar eingesammelt, sagt er. Das Geld will er in Medienunternehmen, Telekomfirmen, Gesundheitsdienstleister und andere Unternehmen investieren. Obwohl es „massive Risiken" gibt, sagt er, seien die Chancen zu groß, um sie sich entgehen zu lassen.

—Mitarbeit: Shibani Mahtani und Sam Holmes

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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