Von RICHARD BARLEY
Am Markt für europäische Staatsanleihen scheint die Gier die Angst zu besiegen. Nach einer Rally zehnjähriger italienischer Staatsanleihen liegt deren Rendite auf dem niedrigsten Stand seit Mitte 2011, die Renditen spanischer Papiere sind auf ein Achtmonatstief gefallen. Für Anleger, die mutig genug waren, an Bord zu bleiben, bedeutet das eine satte Belohnung: Italienische Anleihen haben seit Anfang des Jahres 19,5 Prozent an Wert gewonnen, ihre Pendants aus Portugal gar 48,8 Prozent, wie Barclays ermittelt hat. Es sieht so aus, als steuere der Markt einigermaßen geschmeidig in Richtung Jahresende.
Allein in der vergangenen Woche sind die die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen sind um rund 0,5 Prozentpunkte auf 5,35 Prozent gesunken, italienische um 0,4 Prozentpunkte auf 4,56 Prozent. Selbst als der breitere Markt zuletzt schwächelte, haben Anleihen aus Südeuropa ihre Erholung fortgesetzt. Am Mittwoch fielen die Renditen deutscher Bundesanleihen massiv, offenbar als Reaktion auf neue Sorgen über die Fiskalklippe in den USA, spanische und italienische Renditen jedoch fielen noch stärker. Ein derartiger Gleichlauf war zuletzt selten. An den 237 Handelstagen des bisherigen Jahres gab es das bei spanischen Anleihen nur 27 Mal, bei italienischen 38 Mal, hat die Royal Bank of Scotland ermittelt.
Womit lässt sich der Enthusiasmus erklären? Die Schuldenprobleme Griechenlands stehen nicht mehr unmittelbar auf der Agenda der Anleger und es gibt Hoffnung auf eine langfristig haltbare Lösung, was die Sorgen vor einem Zerfall des Euros verringert. Auch die Wirtschaftsdaten zeigen leichte Verbesserungen, wenn auch von sehr niedrigen Niveaus. Und im Hintergrund lauert die Europäische Zentralbank mit ihrem Anleihekaufprogramm – das womöglich sogar mächtiger ist, so lange es nicht aktiviert wurde. Denn die Drohung unbegrenzter Käufe dürfte besser wirken als ein realer Eingriff, bei dem sich die Anleger immer fragen werden, wie unlimitiert die Käufe wirklich sein können.
Die Anleger wollen Rendite
Hinzu kommt, dass alle Welt nach Rendite sucht. Alternativen wie Unternehmensanleihen oder Schulden aus Schwellenländern bieten sehr wenig, dadurch stechen die südeuropäischen Anleihemärkte heraus. Auch Bundesanleihen haben seit Jahresanfang nur 3,9 Prozent Ertrag gebracht, 2013 dürfte die Ernte ebenso mager ausfallen.
Im Dezember wird die Fiskalklippe in den USA der Haupttreiber für die Märkte sein. Die Risiken in der Eurozone bleiben für das nächste Jahr: Spaniens Banken sind ein Sorgenherd, ebenso die Finanzen der Regionen. Zudem muss Spanien den Anleihemarkt kräftig anzapfen. In Italien wird nächstes Jahr gewählt und natürlich sorgt Griechenland für Unruhen.
Aber das ist noch einen Monat entfernt. Kurzfristig sieht es so aus, als ob sich Anleger am europäischen Markt für Staatsanleihen auf ein halbwegs fröhliches Jahresende freuen können.
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