• The Wall Street Journal

Mervyn Kings letztes Gefecht

Es war Mervyn Kings letztes Gefecht. Der Chef der Bank of England war im Streit um die Bereitstellung von Liquidität für Großbritanniens Bankensystem im Juni zu einer 180-Grad-Wende gedrängt worden. Danach hoffte er darauf, in einer letzten Amtshandlung vor seinem Ruhestand im kommenden Jahr die britischen Banken zu einer neuen Rekapitalisierungsrunde zwingen zu können. Aber das hat nicht geklappt.

Wie einige andere britische Politiker ist King überzeugt, dass sich die britische Wirtschaft nur deshalb nicht so rasch wie erwartet erholt hat, weil die Banken in den Jahren 2008 und 2009 unzureichend rekapitalisiert wurden. Er glaubt, dass nur eine neue Kapitalbeschaffungsrunde verhindern kann, dass es der britischen Wirtschaft wie der japanischen ergeht, die unter der mangelnden Fähigkeit klammer Banken zur Kreditvergabe leidet. Am gestrigen Donnerstag, an dem die britische Notenbank ihren Finanzstabilitätsbericht vorlegte, sollte der historische Tag kommen, an dem dieser Fehler korrigiert würde. Doch er kam nicht.

dapd

Tritt im Februar ab, ohne die Banken zur Rekapitalisierung gezwungen zu haben: Mervyn King, Noch-Chef der Bank of England.

Statt dessen mussten King und die geldpolitischen Falken in der Bank of England gegenüber dem Schatzamt und der Finanzaufsicht FSA klein beigeben, die die Argumente der BoE mit Skepsis sehen. Die FSA pochte darauf, dass der BoE-Ausschuss klar macht: Jede Forderung nach mehr Eigenkapital muss von Stresstests gegen spezifische Risiken begleitet werden. Denn der Ausschuss darf nur Empfehlungen für das gesamte Bankensystem aussprechen.

Das Schatzamt hat jedoch klar gemacht, dass es keine weiteren Stresstests will. Denn sollte sich bei einem solchen Test ein höherer Kapitalbedarf ergeben, müsste die Regierung die staatlich kontrollierten Institute Royal Bank of Scotland und Llyods Banking Group mit frischem Geld versorgen. Und dazu, das machte das Schatzamt klar, ist es nicht bereit.

Mervyn King und seine Kollegen hielt das nicht davon ab, trotzdem weitere Bilanzprüfungen und höhere Eigenkapitalpuffer zu verlangen. Aber mit solchen allgemeinen Appellen leben die britischen Banken schon seit Jahren. Für Investoren ist entscheidend, dass die BoE weder Eigenkapitalziele noch Kapitallücken genauer bezifferte.

Das wird nun erneut die Bankenaufsicht FSA versuchen. Zweifelsohne wird sie, um ihr Gesicht gegenüber der Stabilitätswächtern der BoE zu wahren, einige neue Belastungen durch ausfallgefährdete Forderungen aufdecken. Das dürfte zu symbolischen Opfern führen, die zwar Geld kosten, aber an den zugrundeliegenden Geschäftsmodellen nichts ändern.

Und wenn der BoE-Ausschuss damit nicht zufrieden ist bei seinem nächsten Treffen im Februar - ab Juni hat die Bank of England einen neuen Chef.

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