• The Wall Street Journal

Präsident Obama, sein Rivale und der Hühnersalat

White House Flickr feed

US-Präsident Barack Obama und sein ehemaliger Wahlkampf-Rivale Mitt Romney beim Händeschütteln nach ihrem gemeinsamen Mittagessen im Weißen Haus. Am Ende wirkte das Treffen mehr wie eine Pro-Forma-Veranstaltung ohne substanzielle Ergebnisse.

WASHINGTON—US-Präsident Barack Obama und sein großer Wahlkampf-Rivale Mitt Romney haben sich am Donnerstag im Weißen Haus zum privaten Mittagessen und Ideenaustausch getroffen. Und Regierungsvertreter tönen bereits, die beiden Parteigegner könnten in Zukunft enger zusammenarbeiten.

Bei Truthahn-Chili und gegrilltem Hühnchensalat sollen die beiden ehemaligen Kontrahenten über Amerikas Status als Weltmacht diskutiert haben, meldete das Weiße Haus. Aber trotz der erheblichen Neugier, die das Treffen ausgelöst hatte, wirkte die Zusammenkunft am Ende mehr wie eine Pro-Forma-Veranstaltung ohne substanzielle Ergebnisse.

Für Romney war es der erste öffentliche Auftritt nach der Wahlkampfniederlage, und sein Besuch erfolgte zudem zu einem kritischen Zeitpunkt. Am Donnerstag redeten sich Vertreter der Regierung und des Abgeordnetenhauses in der Haupstadt Washington über die so genannte Fiskalklippe die Köpfe heiß, für die sie bis Ende des Jahres politische Lösungen finden müssen. Allerdings gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass das Thema beim Mittagessen eine Rolle gespielt haben könnte. Weder Obama, noch Romney wollten sich öffentlich zum Inhalt ihres Gesprächs äußern.

Anekdötchen vom Wahlkampf - wirklich?

Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Jay Carnay, spekulierte, die beiden würden sich sicher Anekdoten vom Wahlkampf erzählen. Er sagte, Obama habe in der Vergangenheit auch schon einmal Interesse an Romneys Erfahrung als Manager gezeigt. „Jemand mit der Erfahrung von Gouverneur Romney kann sicher Erkenntnisse liefern, wie man die Effizienz in [...] der Regierung maximieren kann", sagte Carney.

Dass sich ein Präsident mit seinem früheren Wahlkampfrivalen trifft, kommt selten vor, ist aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Nach der Wahl vor vier Jahren plauderte Obama schon mit seinem damaligen republikanischen Kontrahenten John McCain und posierte für gemeinsame Fotos.

Romney und Obama wirkten in den drei Fernsehduellen und während der andauernden Wahlkampfveranstaltungen allerdings nicht so, als könnten sie sich besonders gut leiden. Beide Seiten gaben Hunderte Millionen Dollar für Werbefilmchen aus, mit denen sie die Glaubwürdigkeit des jeweils anderen zu torpedieren versuchten.

Nach der Wahl bemühte sich Obama dann sichtlich, einen gefälligeren Ton anzuschlagen. Er lobte Romneys Fähigkeiten als Manager und seine Arbeit bei den Olympischen Spielen im Jahr 2002. In einer Stellungnahme nach dem Mittagessen gab das Weiße Haus bekannt, die beiden Männer hätten „versprochen, auch weiterhin in Kontakt zu bleiben, insbesondere wenn sich in Zukunft Gelegenheiten bieten sollten, bei gemeinsamen Interessen zusammenzuarbeiten".

Kleiner Plausch mit Paul Ryan

Am Morgen hatte Romney schon Paul Ryan getroffen, seinen wichtigsten Mann im Wahlkampf und Herausforderer auf das Amt des Vizepräsidenten. Die beiden unterhielten sich gut eine Stunde lang in einem Hotel in der Nähe des Weißen Hauses. Nach Angaben eines Mitarbeiters von Ryan sprachen die beiden über ihre Familien und tauschten Erinnerungen an den Wahlkampf aus. Außerdem hätten sie über die „fiskalischen und wirtschaftlichen Herausforderungen" gesprochen, vor denen die Nation stehe, sagte der Mitarbeiter.

Unklar ist weiterhin, wie es mit Romneys Karriere weitergehen wird. Der Republikaner hat sich selbst dazu noch nicht geäußert. Er gilt als bewährter Spendensammler, und einige Mitstreiter sähen ihn deshalb gern in der Rolle desjenigen, der die Finanzen der Partei etwas aufbessern könnte. Romney wäre „ganz offensichtlich eine erste Wahl" für die nationale Fundraising-Kampagne der Partei, sagt Mark Zaccaria, Vorsitzender der Rhode Island Republican Party.

Kevin Madden, ein ehemaliger Wahlkampfberater Romneys, glaubt, dass der Republikaner noch eine Weile brauchen werde, um seine künftige Rolle zu finden. „Das ist ein Prozess", sagt Madden. „Und wir stehen am Anfang dieses Prozesses."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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