Von Farnaz Fassihi und dapd
BEIRUT—In Syrien ist am Donnerstag im ganzen Land das Internet ausgefallen. Außerdem wurde wegen der sich ausweitenden Gefechte in der Hauptstadt Damaskus der internationale Flugverkehr teilweise eingestellt.
Die Lage in dem Bürgerkriegsland, in dem seit 20 Monaten Rebellen gegen Regierungstruppen kämpfen und nach Menschenrechtsorganisationen rund 40.000 Menschen getötet wurden, ist so gespannt wie nie. Aktivisten der Opposition fürchten, dass die Regierung hinter dem Internetausfall und örtlich gekappten Mobilfunk- und Festnetzverbindungen steckt und eine groß angelegte Offensive plant.
Um 12.26 Uhr Ortszeit sei Syrien aus dem Internet verschwunden, meldete das auf Netzwerkstörungen spezialisierte US-Unternehmen Renesys. Die Angaben wurden von der Firma Akamai Technologies und syrischen Oppositionellen bestätigt, die über Satellitentelefone erreicht werden konnten. Wegen der Ausfälle sickerten am Donnerstag kaum Nachrichten über den blutigen Konflikt nach außen. Bisher waren Videos und Augenzeugenberichte über Internet, Telefon und den Kommunikationsdienst Skype über die Grenze an die Weltöffentlichkeit gelangt.
Heftige Kämpfe in Flughafennähe
Syrische Aktivisten und Rebellen bestätigten aber am Donnerstag über Satellitentelefon Berichte, nach denen es heftige Kämpfe mit den Regierungstruppen in Orten wie Akraba gab, die nur wenige hundert Meter vom Rollfeld des internationalen Flughafens Damaskus entfernt liegen. Die Straße zum Flughafen sei gesperrt.
Bisher war der Flughafen in Damaskus in Betrieb geblieben, obwohl es schon in der Vergangenheit immer wieder zu Gefechten in der Nähe der wichtigsten Zubringerstraße von Damaskus gegeben hatte. Am Donnerstag aber wurden drei von sechs Starts und Landungen gestrichen, zeigen Webseiten zum dortigen Flugverkehr. Die Fluggesellschaften Emirates Air Line und Egyptair stoppten ihre Verbindungen nach Damaskus aus Sicherheitsgründen. Das gaben die Unternehmen auf ihren Webseiten bekannt.
Eines der größten Reisebüros im Libanon berichtet, dass ein Vertreter der nationalen syrischen Fluglinie Syrian Air, gewarnt habe, dass der Flughafen aus Sicherheitsgründen auch am Donnerstag und Freitag noch geschlossen bleibe. Aktivisten sagen, dass die Einstellung des Flugverkehrs darauf hindeuten könnte, dass es eine neue Regierungsoffensive geben könnte und man Passagiermaschinen aus der Gefahrenzone halten wolle.
Syrische Regierungsvertreter konnten weder per Telefon noch per Email für eine Stellungnahme erreicht werden. Informationsminister Omran al-Subi aber sagte im syrischen Fernsehen, dass Medienberichte „über eine Schließung des Flughafens Damaskus und eine Stilllegung von Internetverbindungen in Syrien nicht stimmen". Er sagte, Terroristen hätten die Kabel und Verbindungen gekappt.
In der vergangenen Woche hatten Rebellen mehrere Vorstöße gegen die Regierungstruppen gemeldet. Sie hatten unter anderem ein wichtiges Wasserkraftwerk und einen Staudamm erobert sowie ein halbes Dutzend Militärstützpunkte, einen davon in Flughafennähe sowie eine Luftwaffenbasis in der Nähe von Aleppo. Ihnen war es zudem gelungen, einige Kampfjets der Regierung mit Raketen abzuschießen.
Zwei österreichische Soldaten verletzt
Unterdessen kam es unweit des südlich von Damaskus gelegenen internationalen Flughafens nach Angaben von Aktivisten zu schweren Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Zwei österreichische Soldaten der auf den Golanhöhen stationierten UN-Friedenstruppe (UNDOF) seien auf dem Weg zum Flughafen verwundet worden, als ihr Konvoi unter Beschuss geraten sei, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Die Verletzungen der Soldaten seien offenbar nicht lebensgefährlich, hieß es unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.
Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman, erklärte, das Regime habe in der Gegend um den Flughafen eine groß angelegte Offensive gestartet. Die Gefechte vom Donnerstag hätten sich auf die in Flughafennähe gelegenen Dörfer Beit Saham und Akraba konzentriert. Kampfjets hätten zudem von Rebellen gehaltenen Damaszener Vororte angegriffen. Auch in der nördlichen Provinz Idlib sowie in Aleppo kam es den Angaben zufolge zu schweren Kämpfen, bei denen 15 Menschen ums Leben kamen.
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