Von DIRK ELSNER
Anfang des Jahrtausends war man in Europa nach der Einführung des Euros der Meinung, mit der einheitlichen Währung müsse nun auch der fragmentierte europäische Zahlungsverkehr standardisiert und günstiger werden. Eine richtige Idee, zu deren freiwilliger Umsetzung das europäische Finanzsystem aus Geschäfts- und Zentralbanken jedoch nicht die Priorität sah. Der europäische Gesetzgeber griff ein und schreibt den Banken nun die Standards für die nationalen Zahlungsverkehrssteme vor. Entstanden ist daraus ein umfangreiches Regelwerk, genannt Single Euro Payments Area, kurz SEPA. Spätestens zum 1.2.2014 müssen dies Banken und Unternehmen mit ein paar Ausnahmen wie vorgeschrieben nutzen.
Vielen Verbrauchern ist SEPA dadurch bekannt, dass ihre Kontonummern durch eine IBAN (=International Bank Account Number) und die Bankleitzahl durch einen BIC (= Business Identifier Code) ersetzt werden. SEPA wird gern auf die „Monsternummern" verkürzt, weil die neuen Ziffern lang und sperrig sind. Viele Unternehmen entdecken in diesen Wochen mit der Analyse der Feinheiten (SEPA-Übersicht: Informationssammlung und Dokumente), dass die Umstellung kein rein technisches oder gar nur ein Thema ihrer Hausbank ist. Die Änderungen haben erheblichen Einfluss auf viele Prozesse und IT-Systeme (siehe z.B. SEPA-Leitfaden des BITCOM). Gerade größere Unternehmen haben daher umfangreiche Projekte aufgesetzt.
In unserer Beratungspraxis spüren wir insbesondere die Verunsicherung beim neuen Lastschriftverfahren für Privat- und Firmenkunden. Das bisher eingesetzte Verfahren hatte laut Bundesbank 2011 einen Anteil von knapp 49 Prozent an allen unbaren Transaktionen und war damit das wichtigste und erfolgreichste unbare Zahlungsinstrument in Deutschland. Das steht nun auf der Kippe.
Die in Deutschland beliebten Lastschrifteinzugs- und Abbuchungsverfahren werden ersetzt durch einen vergleichsweise umständlichen Prozess, der dafür immerhin im gesamten 32 Staaten umfassenden SEPA-Raum genutzt werden kann. Viele Unternehmen sehen dies dennoch als Rückschritt. Dies liegt insbesondere an längeren Vorlauf- und zusätzlichen Informationspflichten und daran, dass künftig eine handschriftlich unterzeichnete Einzugsermächtigung Pflicht ist. In Zeiten, in denen wir nicht mehr über das Ob, sondern das Wie elektronischer und mobiler Bezahlverfahren sprechen, ist dies ein Anachronismus.
Die Lastschrift steht online vor dem Aus
Wenn Unternehmen sich nicht einem erhöhten Rückgaberisiko ihrer Lastschriften und damit möglicherweise eigenen Zahlungsproblemen aussetzen wollen, dann haben sie nur zwei Möglichkeiten: den bürokratischen Vorgaben zu folgen oder auf Alternativen auszuweichen.
Laut Handelsverband Deutschland (HDE) bieten im Onlinehandel 46 Prozent der Händler die Bezahlung per Lastschrift an. 15,6 Prozent der online getätigten Umsätze werden mittels Internet-Lastschrift bezahlt. Es gehört keine prognostische Fähigkeit dazu, dem Onlinehandel den Untergang der Lastschrift zu prophezeien. Das künftige Verfahren passt nicht in das digitale Zeitalter. Besonders drastisch sind die Auswirkungen übrigens für auf regelmäßige Spenden angewiesene Organisationen (siehe dazu „White Paper Online-Fundraising und SEPA").
Banken, ihre Verbände und internationale Organisationen arbeiten zwar an einem sicheren elektronischen SEPA-Verfahren, bisher gibt es aber keine konkreten Umsetzungstermine. Im Onlinehandel haben sich daher längst Alternativen etabliert, die nun weiteren Aufwind erhalten. Dazu gehören Kreditkartenzahlungen über Dienstleister wie Paypal oder Clickandbuy. Die Bedeutung klassischer Onlineüberweisungen und Lastschriften via Webformular nimmt ohnehin ab und dürfte ab 2014 gegen Null tendieren.
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Insgesamt ist der Markt für die sogenannten eCommerce Payment Dienstleister in Deutschland in den letzten Jahren groß und unübersichtlich geworden (eine Übersicht dazu gibt es im Blog von André M. Bajorat). Die Verfahren unterscheiden sich in den Kosten, der Kundenakzeptanz und bei den Mechanismen für den Schutz gegen einen Zahlungsausfall.
Beschränkt sind derzeit aber die Angebote für wiederkehrende Zahlungen (im Fachjargon Recurring Billing), die gerade für Spenden, Abos oder Mitgliedsbeiträge erforderlich sind. Über Kreditkarten waren diese bisher nicht möglich. Auch die Ebay-Tochter Paypal bietet wiederkehrende Zahlungen bisher nicht in Deutschland an. Soweit ersichtlich hat derzeit nur Clickandbuy eine Abonnement-Funktion.
Die etablierten Platzhirsche halten sich mit Angeboten noch zurück, was viel mit den Besonderheiten der fragmentierten Deutschen Payment-Landschaft zu tun hat. Hoffnung macht einmal mehr ein Start-up. Die Münchner Paymill GmbH, eine Beteiligung des Fließband-Gründers Rocket Internet, will sogenannte Abonnements-Zahlungen für Onlinetransaktionen anbieten. Allerdings sind die laufenden Transaktionskosten trotz der einfachen Integration im Vergleich zum bisherigen Lastschriftverfahren sehr hoch.
Chancen für Google, Amazon und Telekom-Konzerne
In Europa tätige Dienstleister sind dabei, mit ihren Kunden weitere Lösungen zu entwickeln, um auch künftig wiederholende Zahlungen anbieten zu können. Vorbild könnten hier Handelsanbieter wie Amazon sein, erläuterte Frank Schütt vom norddeutschen Anbieter adcanced financial clearing (afc). Hier hinterlegt man einmal seine Kreditkarteninformationen, die dann für verschiedenste Zahlungen verwendet werden können. Aber auch darüber hinaus, sagte Schütt in einem Telefongespräch, arbeite man an für Geschäftskunden bequemen Lösungen. So werden derzeit etwa SEPA-konforme Outsourcing-Angebote entwickelt, bei denen externe Dienstleister die Prozesse des künftigen neuen Lastschriftverfahrens vereinfachen.
Ich erwartet, dass daneben Internet-Intermediäre wie Amazon, Google oder Telekommunikationsunternehmen für onlinegerechte Angebote für wiederholte Zahlungen sorgen werden. Selten zuvor gab es für neue Dienstleister die Gelegenheit, sich ein weiteres großes Stück vom europäischen Zahlungsverkehrskuchen abzuschneiden.
Und die Banken? Es ist wohl bezeichnend, dass sich selbst die Bundesbank in diesen Tagen sorgt, weil die Umstellung auf SEPA nur sehr schleppend erfolgt. Europäische Institutionen und Finanzwirtschaft haben hier ein Regelwerk auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners und nicht des Kundenbedarfs entwickelt.
So wird es jedenfalls außerhalb der Finanzwirtschaft gesehen.
Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und mittelständische Unternehmen. 2008 hat er den Blick Log gegründet, der 2012 zum Finanzblog des Jahres gekürt worden ist. Ein Schwerpunkt des Blogs sind Themen aus der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und Neuerungen im Banking.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de





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