• The Wall Street Journal

Intel setzt auf PC-Boom in Indonesien

JAKARTA – Während immer mehr Verbraucher in den Industrienationen anstatt Laptops lieber Tablets kaufen, hat Intel einen anderen Markt gefunden, um die verlorenen Umsätze wettzumachen: In Indonesien kaufen Millionen Menschen gerade ihre ersten PCs und Laptops.

Der Umsatz mit PCs und Laptops, die mit Prozessoren von Intel ausgestattet sind, steigt in der größten Volkswirtschaft Südostasiens rapide. Steigende Einkommen machen es für immer mehr Indonesier möglich, sich einen Computer zu kaufen. In Industrieländern hingegen hat Intel mit der steigenden Nachfrage nach Tablets und Smartphones zu kämpfen, in denen keine Intel-Prozessoren stecken. Die globalen Umsätze des amerikanischen Chipherstellers waren zuletzt so schlecht, dass Intel in diesem Quartal die Produktion zurückfahren musste.

Agence France-Presse/Getty Images

Intel erwartet in Indonesien dieses Jahr ein Wachstum von 20 Prozent.

Die globalen Umsätze von Intel sind im vergangenen Quartal im Vorjahresvergleich zwar um 5,5 Prozent gefallen. Doch die Umsätze speziell in Indonesien seien seit Jahresbeginn um über 20 Prozent gestiegen, sagt Uday Marty, Geschäftsführer für die Region Südostasien. Weniger als zehn Prozent der Indonesier besäßen derzeit einen Computer, wodurch das Wachstumspotential für Intel weiterhin groß sei, sagt Marty.

„Dort leben 240 Millionen Menschen, und über die Hälfte ist jünger als 30", sagt er. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass sie einen Computer kaufen werden, sobald sie es sich leisten können. „Während das wirtschaftliche Umfeld weltweit trüb aussieht, wächst Indonesien im zweistelligen Bereich."

Seit Apple 2007 das iPhone auf den Markt gebracht hat, verliert Intel in den westlichen Märkten zunehmend an Kunden. Smartphones und Tablet-Computer verdrängen zunehmend traditionelle PCs sowohl bei den Umsätzen als auch bei Innovationen für Hardware und Software.

Zwar stellt Intel 80 Prozent der Chips in PCs her, doch die Nachfrage nach diesem Produkt ist gesunken. Intel hat bisher nur wenig Erfolg dabei gehabt, seine Prozessoren an Smartphone- und Tablet-Hersteller zu verkaufen. Diese kaufen mehrheitlich die Technologie der britischen Firma ARM Holdings. Die reduzierte Chip-Produktion im vierten Quartal kostet Intel 500 Millionen Dollar für überschüssige Kapazitäten.

Intel hat auch eine Strategie für die Industrieländer. Der Halbleiterhersteller wirbt mit sogenannten Ultrabooks, die leichter und dünner sind als Laptops. Die Nachfrage ist bisher jedoch gering, nicht zuletzt da die Geräte oft über 1.000 Dollar kosten.

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Verzögerte staatliche Investitionen in Indonesien hätten den Umsätzen mit Computern dort zwar geschadet, sagen Analysten, doch die Nachfrage dürfe bald deutlich steigen. Der Technologiedatenverarbeiter IDC rechnet dieses Jahr zwar mit gleichbleibenden Umsätzen mit Computern, doch die Umfrage könne bald steigen, wenn für die Verbraucher ein Computer notwendig wird, sagt Sudev Bangah, Leiter für Indonesien bei IDC.

„Die indonesische Wirtschaft ist immer noch sehr traditionell", sagt er, also benutzen viele Unternehmen immer noch keine Computer. „Einen Wendepunkt könnte das Land aber im nächsten Jahr erreichen", sagt Bangah.

Die Marktdurchdringung von Computern läge in Indonesien noch bei sieben Prozent, verglichen mit 41 Prozent in Malaysia, 13 Prozent in den Philippinen, 22 Prozent in Thailand und 15 Prozent in Vietnam.

Intel-Chips dürften in Indonesien vor allem in besonders billigen Laptops und PCs Verwendung finden. Indonesische Verbraucher, die ihren ersten Computer kaufen, wollen dafür zwischen 200 und 300 Dollar ausgeben, berichten Branchenanalysten und Firmenvertreter.

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Um die Umsätze auf der gesamten Inselgruppe anzuheizen, spendiert Intel selbst an abgelegenen Orten Computermessen, wo Indonesier lernen sollen, wie sie mit Computern ihr Unternehmen und ihr Privatleben verbessern können.

Die Hersteller von Rattanmöbeln lernen auf den Messen, wie sie eine eigene Internetseite für ihre Firma aufbauen können, während Textilfirmen entdecken, wie sie Muster für ihre komplizierten Batikstoffe entwerfen können.

Um den Computerkauf zu erleichtern, hat Intel eine Firma, die sich auf die Finanzierung von Motorrädern spezialisiert, überzeugt, zusätzlich kleine Computerkredite anzubieten. Außerdem hat der Chiphersteller einige Laptophersteller überzeugt, Geräte mit kleineren Bildschirmen zu entwerfen. Diese sind billiger und leichter zu tragen.

Analysten glauben jedoch, dass billige Computer allein keinen Boom auslösen. Ein Problem ist, dass die Inselgruppe mit die langsamste und teuerste Breitbandinternetanbindung in ganz Südostasien hat. Intel versucht dieses Problem zu lösen, indem es mit Computerherstellern kooperiert, um Käufern gleichzeitig mit einem Gerät eine günstige Internetverbindung anzubieten.

Trotz all dieser Anstrengungen kann Intel auch mithilfe der Nachfrage in Indonesien seine Bilanz so schnell nicht aufbessern. Die billigen Computer, die dort nachgefragt werden, setzen vor allem billige Chips ein, die für Intel weniger Profit abwerfen, sagen Analysten.

Video auf WSJ.com

Facing declining demand for PCs in the developed world, Intel is banking on a revenue boost from sales of ultrabooks and cheap PCs in Indonesia. Eric Bellman has the story.

Langfristig ist das Potential jedoch groß. Die Indonesier gehören schon jetzt zu den aktivsten Nutzern von Facebook und Twitter, hauptsächlich durch günstige Smartphones. Und je weiter die Einkommen steigen, desto größer wird die Nachfrage nach besseren Computern und Internetverbindungen sein.

„Durch Smartphones kommen die Indonesier auf den Geschmack für neue Technologien, und sie werden in Zukunft noch mehr wollen", sagt Uday Marty von Intel. „Indonesien ist unser Kronjuwel."

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