Von FLORIAN FAUST
FRANKFURT - Der Goldpreis gibt nach - am Mittwoch zwischenzeitlich um rund 30 US-Dollar je Feinunze. Das Edelmetall ist nicht mehr gefragt, zumindest momentan nicht. Die Gründe sind vielfältig, aber eines kristallisiert sich dennoch recht deutlich heraus: Die Sorge vor Inflation lässt deutlich nach. Da Gold als klassische Fluchtwährung bei drohender Inflation gilt, sinkt die Attraktivität des Edelmetalls signifikant.
An der Londoner Metall- und Rohstoffbörse wurde die Feinunze Gold am Mittwoch Nachmittag mit 1708,00 US-Dollar gefixt - nach 1746,25 US-Dollar am Vortag.
Die 20 größten Goldreserven der Welt
Goldhändler in den USA begründen die Verkaufstendenz mit der näher rückenden Fiskalklippe. Sollten sich Regierung und Opposition in den USA nicht bald im Haushaltsstreit einigen, treten zum Jahreswechsel automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in der Größenordnung von 600 Milliarden US-Dollar in Kraft. Volkswirte sind sich einig, dass dies die USA in die erneute Rezession stürzen wird. Befindet sich eine Wirtschaft im Sinkflug, löst dies in der Regel keine Inflation aus - also auch keinen Antrieb für den Kauf des Edelmetalls.
Die drohende Fiskalklippe und die damit einhergehende Unsicherheit bremse den Goldpreis schon seit geraumer Zeit, sagt HSBC-Analyst James Steel.
Aber auch in Europa lässt die Furcht vor inflationären Tendenzen merklich nach. Laut einem Gold- und Rohstoffhändler von Heraeus steigt am europäischen Goldmarkt die Gewissheit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Geldpolitik bis zum Jahresende stillhält und nicht weiter an der Zinsschraube dreht. Sinkende Zinsen und damit billiges Geld erhöht die Ausgabefreudigkeit und damit letztlich die Geldentwertung. "Damit verliert die Angst vor Inflation ihren Schrecken", sagt der Händler.
Verkaufsargumente: Abwertung des Euro und näherrückendes Jahresende
Druck auf das Edelmetall kommt aber auch von der Währungsseite. Der Euro hat zur US-Devise deutlich abgewertet. Wurde die Gemeinschaftswährung mit den Schlagzeilen zur abermaligen Griechenlandrettung noch mit 1,30 US-Dollar gehandelt, ließ die Euphorie schnell nach und der Euro fiel in der Folge unter die Marke von 1,29 Dollar. Ein steigender Dollar macht Gold für Anleger außerhalb des Dollarraums kostspieliger.
Darüber hinaus rückt auch der Jahresultimo näher. "Einige Händler könnten daher ihre Bücher bereits schließen und Kasse machen", sagt ein Marktstratege und verweist auf die Auflösung von Goldpositionen. Denn letztlich sei Gold im aktuellen Jahr gut gelaufen.
Commerzbank: Preisrückgang nur vorübergehend
Die Analysten der Commerzbank bringen einen weiteren Aspekt ins Spiel: Sie machen Anzeichen einer aktuell schwächeren physischen Goldnachfrage in Indien aus. Denn Gold dient nicht nur als Spekulations- und Fluchtwährung, sondern es gibt darüber hinaus auch eine physische Nachfrage - vor allem aus der Schmuckindustrie. Die Experten erachten den Preisrückgang dennoch nur als vorübergehend, "da derzeit viele Faktoren eher für steigende Goldpreise sprechen."
So verzeichneten Gold-ETFs weiter kontinuierliche Zuflüsse, so die Analysten der Commerzbank. Zudem plane die Bank von Korea Zeitungsmeldungen zufolge offensichtlich weitere Goldkäufe noch in diesem Jahr.
Kontakt zum Autor: florian.faust@dowjones.com

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