Von RUTH BENDER
Die Modedesignerin Cristina Valls hat in dieser Vorweihnachtszeit eine längere Einkaufsliste als sonst. Die 29-jährige Spanierin lebt in London und wird einen Großteil der Geschenke für ihre Familie in ihrer krisengeplagten Heimat einkaufen müssen.
Seit in Spanien die Schuldenkrise regiert, hat ihr Vater seine Stelle als Autoverkäufer bei Ford verloren. Ihre Schwester, die zwei Kinder hat, wurde entlassen, als das Reisebüro, wo sie arbeitete, Konkurs anmeldete. „Die Prioritäten ändern sich, wenn man nur mit Mühe Miete und Essen bezahlen kann", sagt sie. „Aber ich weiß, dass es für meine Schwester immer noch wichtig ist, ihren Kindern Geschenke zu geben, als kaufe ich einige für sie."
Die Familie Valls ist nicht die einzige in Europa, die diesen Dezember jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Die Schuldenkrise plagt den Kontinent schon seit drei Jahren. Einzelhändler müssen daher ihre Preise senken und aggressiver für ihre Produkte werben, um Kunden in die Läden zu locken.
Am meisten werden wohl Verbraucher in Ländern wie Griechenland und Portugal sparen müssen, doch auch anderswo in der Euro-Zone dürften weniger Weihnachtsgeschenke gekauft werden. „Dieses Jahr ist das Geld knapp, also haben wir uns entschieden, nur für die Kinder Geschenke zu kaufen", sagt Marie-Claude Bernard, eine 58-jährige Bankangestellte, während sie einen Buchladen in Paris durchstöbert.
Für Einzelhändler ist dieser Trend ein Problem. „Erst haben die Kunden Schwein statt Rindfleisch gekauft, dann nur noch Hühnchen, und jetzt sind es Würste", sagt Alexandre Soares dos Santos, Mehrheitseigner der portugiesischen Supermarktkette Pingo Doce.
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Die Wirtschaft der Eurozone schrumpfte im dritten Quartal um 0,2 Prozent, da die Sparpolitik vielen Verbrauchern die Kauflaune verdorben hat. Die Arbeitslosenquote in der Währungsunion ist mit 11,6 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen; in Spanien und Griechenland liegt sie sogar bei über 25 Prozent. Ökonomen warnen, dass sich die Rezession im vierten Quartal noch beschleunigen könnte – ausgerechnet in der Zeit, die für Einzelhändler sonst ein Lichtblick ist.
„Unsere Margen schrumpfen immer weiter", sagt Emmanuel Zeller, Manager einer Pariser Filiale der Supermarktkette Auchan. Die ersten Umsatzzahlen für die Weihnachtssaison zeigen, dass Erwachsene weniger Geschenke füreinander kaufen, sagt er, wodurch die Umsätze mit DVDs, Schmuck und Elektronik besonders litten. Die Umsätze mit Spielzeug seien bisher jedoch stabil.
Griechische Verbraucher wollen ihre Ausgaben für Essen und Geschenke diesen Dezember um 16 Prozent reduzieren, zeigt eine Studie von Deloitte. Verbraucher in Spanien und Italien wollen bis zu vier Prozent weniger ausgeben. Bücher, Kosmetik und Gutscheine sind währenddessen die drei beliebtesten Geschenke, die Europäer dieses Jahr kaufen wollen, heißt es in der Studie.
Französische Verbraucher geben dieses Jahr 0,7 Prozent mehr aus als im Jahr davor, doch sie achten auch mehr auf Sonderangebote. „Die Franzosen schauen mehr denn je auf die Preise, und neun von zehn werden für Weihnachten nach Rabatten Ausschau halten", sagt Stephane Rimbeuf von Deloitte.
Dieser Trend macht sich auch in Italien und Portugal bemerkbar. Zum ersten Mal konnte es sich der Einzelhandelsverband des beliebten Einkaufsbezirks von Mailand dieses Jahr nicht leisten, Weihnachtslichter über den Straßen aufzuhängen. Sowohl der italienische Verbraucherverband als auch der portugiesische Handels- und Dienstleistungsbund rechnen damit, dass die Weihnachtsumsätze im Vergleich zum Vorjahr um etwa 20 Prozent fallen.
Doch es gibt auch Orte, wo die Kauflust ungebrochen ist. In Deutschland rechnen die Einzelhändler für die letzten zwei Monate des Jahres mit einer Umsatzsteigerung von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf eine Rekordsumme von 80 Milliarden Euro, berichtet der Handelsverband HDE. Laut Deloitte wird die durchschnittliche Familie im grundsätzlich sparsamen Deutschland etwa 485 Euro für Weihnachten ausgeben, verglichen mit 639 Euro bei der durchschnittlichen französischen Familie.
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In Irland, wo die Verbraucher typischerweise deutlich mehr für Weihnachtsgeschenke und Festessen springen lassen, erwartet Deloitte Ausgaben von 966 Euro pro Familie. In keinem anderen Land der Euro-Zone geben Familien mehr für die Feiertage aus. Doch selbst diese Summe ist 1,7 Prozent niedriger als vor einem Jahr und stellt die dritte Abnahme der Feiertagsausgaben in Folge dar. Eine Studie der irischen Genossenschaftsbanken zeigt, dass die Ausgaben pro Haushalt sogar auf 527 Euro sinken werden, da auch Familien mit stabilem Einkommen sparen werden.
John McGarry, ein pensionierter Polizist aus Dublin, will dieses Jahr etwa 600 Euro für Geschenke und Essen ausgeben. „Vor 2008, als die Wirtschaft noch gut lief, habe ich ohne weiteres doppelt so viel ausgegeben", sagt er. Er schiebt auch den Kauf eines neuen Autos seit zwei Jahren auf. „Ich denke die ganze Zeit, dass ich das Geld bald für etwas Wichtigeres gebrauchen könnte", sagt er.
Doch nirgendwo ist die Adventszeit freudloser als in Griechenland. Anstatt Weihnachtsgeschenke einzukaufen, packen Nikos Sarris, ein 42-Jähriger Arbeitsloser aus Athen, und seine Familie ihre Koffer, um ins australische Brisbane zu ziehen.
„Weihnachten findet für uns dieses Jahr irgendwo über dem Indischen Ozean vor Australien statt, da wir das Land an Heiligabend verlassen werden. Hoffentlich können wir in Australien ein besseres Leben führen", sagt Sarris. „Wir wollen nicht weg, doch hier wird es noch lange Probleme geben."
—Mitarbeit: Deborah Ball, Patricia Kowsmann, Philip Pangalos und Inti LandauroKontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de









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