Von MATTHEW WALTER und ALEXANDRA FLETCHER
Banken leiden unter einem starken Rückgang der Gewinne aus dem Devisenhandel. Das einst lukrative Geschäft zerbröselt. Elektronischer Handel und neue Plattformen übernehmen die Vormachtstellung.
Die ganze Branche ist betroffen. Für das vergangene Quartal vermeldeten Kreditinstitute weltweit, dass ihre Ergebnisse im Devisenhandel erheblich geringer ausfielen als noch vor Jahresfrist. In vielen Fällen verschärfte sich eine Situation, die seit Anfang des Jahres zu beobachten ist. Selbst der größte Devisenhändler unter den Instituten, die Deutsche Bank, verbuchte im dritten Quartal Erträge, die „wesentlich niedriger als im Vergleichsquartal" ausfielen, obwohl das Handelsvolumen so hoch war wie nie.
Die Banken kämpfen an zwei Fronten. Nachdem es in den Vorjahren zu großen Kursausschlägen gekommen war, bleiben die Devisenmärkte in diesem Jahr ruhig, Das führte zu einem Rückgang der Handelsaktivität insgesamt. Zugleich explodierte der elektronische Handel und brachte Transparenz in einen Markt, in dem pro Tag etwa 4 Billionen US-Dollar umgesetzt werden. Käufer und Verkäufer verlassen sich im Handel zunehmend weniger auf große Banken, um die jeweilige Gegenpartei zu finden.
Banken rüsten technisch auf
Jetzt, da die leichten Profite bei der Abwicklung von Kundenaufträgen schwinden, sehen sich die Banken nach Angaben von Beobachtern zur Aufrüstung gezwungen. Es gilt, Kunden bessere Bedingungen anzubieten und viel Geld in die Hand zu nehmen, um eigenständig elektronische Handelsplattformen aufzubauen.
„Der Forex-Markt hat sich erheblich verändert, ist erheblich stärker automatisiert worden", sagte Fabian Eliasson, der Chef des Devisenhandels bei der Mizuho Bank in New York . „Ein ganz offensichtliches Ergebnis dieser Veränderung ist es, dass der Markt viel konkurrenzbetonter geworden ist." Es sei die gleiche Entwicklung wie im Aktienhandel vor 20 Jahren, als der Handel sich auf die elektronische Marktplätze verschob und den traditionellen Brokern ihr Geschäft abhanden kam.
Seit dem Ende der 1990er Jahre wird der Aktienhandel immer mehr elektronisch und überwiegend auch automatisiert abgewickelt. Zwar stieg das Handelsvolumen massiv, doch zugleich sank der Ertrag pro Handel. Banken reagierten und verkleinerten die Abteilungen mit den Aktienhändlern und Vertriebsleuten, die ihre Kunden mit Sportveranstaltungen und teuren Abendessen bei Laune hielten. Zugleich bauten sie ihr Geschäft um und konzentrierten sich auf Dienstleistungen, etwa die Beratung der Kunden bei Handelsstrategien.
Der Wandel im Devisenhandel wird möglicherweise länger dauern, weil der Markt weniger stark reguliert ist und dezentraler funktioniert. Doch insgesamt sei Veränderung unumgänglich, sagte Richard Repetto, einer der Chefs des Investmentbanking-Dienstleisters Sandler O'Neill + Partners. „Es wird schwierig, den Devisenhandel wie in den 1930er Jahren zu führen, während sich ansonsten in allen Handelsgeschäften die Transparenz ausbreitet", urteilt Repetto.
Aktuell sinken die Volumina im Devisenhandel
Der Siegeszug des elektronischen Devisenhandels fällt zusammen mit einer Abschwächung der Volumina. Zentralbanken intervenieren, um Kursausschläge zu begrenzen und treffen in der Folge auch die Händler und ihre Möglichkeiten, Gewinn zu machen. Überdies halten die Geldpolitiker in den Zentralbanken weltweit die Zinssätze auf dem niedrigstmöglichen Niveau, so dass auch die sogenannten Carry Trades weitgehend wirkungslos werden, bei denen Anleger Kredit in einer Währung mit niedrigem Zinsniveau aufnimmt, um darauf Zinspapiere einer Währung zu kaufen, die ein höheres Niveau hat.
Barclays führte den zuletzt fast 20-prozentigen Rückgang der Einnahmen im Geschäftsbereich für festverzinsliche Wertpapiere, Rohstoffe und Währungen auf den Einbruch im Devisenhandel zurück. Banken mit kleineren Abteilungen schlossen deutlich schlechter ab. Die Commerzbank verbuchte nach neun Monaten einen 45-prozentigen Einbruch im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Devisen, bei der Royal Bank of Scotland fiel der Rückgang im Devisengeschäft nur einen Prozentpunkt geringer aus.
Am stärksten nagt am Ergebnis, dass der Abstand zwischen Geld- und Briefkurs im Devisenhandel immer enger wird. Banken nennen zwei Preise für Währungen - den Ankaufspreis und den Verkaufspreis. Letzterer ist üblicherweise höher. Weil sich der Wettbewerb verstärkt hat und weil Kunden über ihre Rechner auf immer mehr Wechselkurse Zugriff haben, sehen sich die Banken gezwungen, die Marge zwischen beiden zu verkleinern.
„Es scheint, als versuche die Branche im Devisenhandel, sich soviel Volumen wie möglich zu sichern, um den Nachteil der Margenverwässerung auszugleichen", sagte Jim Iorio, der von aus New York den weltweiten Devisenhandel von Barclays steuert.
Die großen unabhängigen Handelsplattformen, darunter auch EBS und Thomson Reuters, haben rückläufige Handelsvolumina für dieses Jahr gemeldet. Auch Zentralbanken berichten, dass der Handel leicht rückläufig ist, nachdem 2011 mit 3,8 Billionen Dollar täglich der Höchststand erreicht wurde, ein Plus von 2 Milliarden verglichen mit 2006.
Skaleneffekte oder gute Kundenkontakte
Trotzdem: Die meisten Banken machen mit ihrem Devisenhandel nach wie vor Gewinn. Internationale Großkonzerne nutzen nach wie vor ihre Hausbanken, um große Devisenbestände zu tauschen. Hedgefonds haben sich aus dem Devisenhandel zwar zuletzt zurückgezogen, sollten die Kurse aber wieder stärker schwanken, werden sie wahrscheinlich in den Markt zurückkehren.
Allerdings geht es für die Banken insgesamt bergab im Devisengeschäft, sowohl in der Größe als auch bei der Rentabilität; selbst bei jenen, denen es gelang ihre Handelsvolumina auszuweiten.
„Der elektronische Handel ist ein Geschäft, bei dem es auf Größenvorteile ankommt", sagte Simon Jones, der genau diesen Bereich weltweit für die Citigroup führt und in London ansässig ist. „Anfangs ist es sehr schwer, aber dann kommt mit der Masse ein Wendepunkt, und ab hier lässt sich Geld verdienen." Banken müssten deshalb auf „konstante Verbesserungen" setzen und massiv in Technik investieren.
Die Citigroup hat dafür die Online-Plattform Velocity gestartet, bei Barclays gibt es die Plattform Barx. Im Juli hat die Deutsche Bank ihr neues Devisenhandelssystem über ihr Autobahn-System ausgerollt.
Über derartige Investitionen konnten einige Finanzgruppen ihre Handelsvolumina zu Lasten kleinerer Anbieter ausweiten. Nach Angaben des auf Märkte spezialisierten Analysehauses Euromoney kontrollierten die großen drei der Branche – Deutsche Bank, Citigroup und Barclays – 39,5 Prozent des Devisenhandels im vergangenen Jahr kontrolliert. Erstmals seit 2007 konnten sie damit ihren Marktanteil erhöhen.
„Unterschiedliche Banken fahren unterschiedliche Ansätze", sagte Firas Askari, der Chef des Devisenhandels bei BMO Capital Markets in Toronto. „Die großen, mehr international ausgerichteten Institute spielen das Spiel der schieren Größe. Kleinere Banken so wie wir konzentrieren uns darauf, unsere strategischen Partnerschaften mit unseren Kunden auszubauen und dafür auf lange Sicht ein Berater zu werden, dem ein größeres Vertrauen entgegen gebracht wird."
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de






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