Von SPENCER E. ANTE
Einige Social-Media-Start-ups stoßen nach Facebooks misslungenem Börsenstart bei Investoren plötzlich auf wenig Gegenliebe. Beispiel Foursquare: Noch wenige Monate vor Facebooks großem Börsengang im Mai landete das ortsbezogene soziale Netzwerk einen Volltreffer. Wagniskapitalgeber von Spark Capital Partners LLC kauften den Mitarbeitern des Start-Ups Aktien im Wert von 30 Millionen US-Dollar ab. Sie bewerteten das vier Jahre alte Unternehmen damals mit 769 Millionen Dollar, sagen Eingeweihte.
Heute aber kann Foursquare Investoren kaum noch überzeugen, dass es derart viel wert ist, sagen die Insider. Das Start-up versuche gerade 50 Millionen Dollar einzusammeln. Potenzielle Investoren aber seien nicht davon überzeugt, dass sich das Unternehmen schnell genug wandle, um Geld zu machen. Sie glaubten zudem, dass der kostenlose Dienst lahme, mit dem Nutzer Freunde in Bars und anderen Szenetreffs aufspüren können.
Mit dem Verkauf von personalisierten Gutscheinen dürfte Foursquare in diesem Jahr rund 2 Millionen Dollar einnehmen, sagen Leute, die sich mit der Sache auskennen. Damit würde das Netzwerk aber klar hinter Facebook herhinken, das im vierten Jahr seines Bestehens schon 153 Millionen Dollar mit Werbung umgesetzt hat. Und die Werbeeinnahmen des Kurznachrichtendienstes Twitter lagen nach vier Jahren bei 45 Millionen Dollar, belegen Daten des Marktforschungsunternehmens E-Marketer.
Foursquare hat nach eigenen Angaben mehr als 25 Millionen Nutzer. Doch nur 8 Millionen davon klicken mindestens einmal im Monat auf die App. Vize-Konzernchef Jon Steinback räumt ein, dass sich das Wachstum des Unternehmens verlangsamt habe. Allerdings sagt er auch, dass sich dieses Jahr mehr Nutzer für den Dienst angemeldet hätten als je zuvor. Auch sei das Experiment mit den zielgerichteten Gutscheinen zunehmend erfolgreich.
Die Stimmung in der Branche aber ist angespannt. Viele Anleger blicken skeptisch auf junge Technologiefirmen, nachdem die Aktien vieler anderer Börsenneulinge aus dem Internetbereich heftig verloren haben.
Social-Media-Start-up verlieren an Wert
Vergangenes Jahr wurden Internetkonzerne – darunter Foursquare und der Microblog-Dienst Tumblr – mit bis zu einer Milliarde Dollar bewertet, was ihnen half, Dutzende Milliarden frisches Kapital einzusammeln. Dann aber kam die große Branchenernüchterung: Die Facebook-Aktie rutschte seit ihrem Börsenstart um rund 30 Prozent ab, nachdem sich die Aktie zuletzt erholt hat. Andere Internetkonzerne wie Groupon verloren seit ihrem Marktdebut sogar 75 Prozent an Wert. Und jetzt glauben einige Investoren, dass auch solche Unternehmen an Wert verlieren werden, deren Anteile nur im Besitz von wenigen sind.
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Im dritten Quartal dieses Jahres wurden 39 Prozent der Unternehmen, die Wagniskapital einsammelten, geringer bewertet als in vorherigen Finanzierungsrunden. Im zweiten Quartal waren es nur 26 Prozent, zeigt eine Erhebung der Silicon-Valley-Rechtsfirma Fenwick & West LLP.
Der leichte Knick in der Kurve markiert noch keinen Trend, schließlich sind diese Werte in den vergangenen zwei Jahren immer schon stark geschwankt. Doch einige Investoren glauben, dass es noch weitere „down rounds" geben wird – Finanzierungsrunden, bei denen Unternehmen niedriger bewertet werden als zuvor.
„Wir verlassen die Phase des Hypes"
„Wir verlassen die Phase des Hypes und rutschen in eine Talsohle", sagt Todd Chaffee, Partner beim Twitter-Investor Institutional Venture Partners. Unternehmen würden sich von den hohen Bewertungen aus der Boomzeit der sozialen Medien verabschieden müssen, glaubt Chaffee.
Foursquare war eines der ersten Start-ups, das Social Media mit Smartphones verbunden hat. Nutzer des Dienstes können Freunden anzeigen, in welcher Bar oder welchem Restaurant sie sich gerade aufhalten und natürlich auch damit angeben, wo sie gerade Stammkunden sind. Foursquare sammelt dabei riesige Datenmengen über das Bewegungsverhalten und die Interessen des Nutzers. Das Unternehmen hofft, die Daten für den Verkauf von Werbung nutzen zu können.
Foursquare braucht das neue Geld nicht sofort und wird möglicherweise auf eine weitere Finanzierung zum jetzigen Zeitpunkt verzichten, falls es keine zufriedenstellende Bewertung erhalte, sagte eine Person, die mit dem Überlegungen des Unternehmens vertraut ist.
Früher war es einfacher für Foursquar
Früher hatte Foursquare keine Probleme, neue Investoren von einem immer höheren Unternehmenswert zu überzeugen. Im Juni vergangenen Jahres etwa sammelte das Start-up noch spielend 50 Millionen Dollar von Investoren wie Spark Capital ein. Und die Bewertung stieg dabei auch: Sie lag damals bei 600 Millionen Dollar – mehr als fünf Mal so viel wie ein Jahr zuvor.
Die Wagniskapitalgeber pumpten mit dem Kauf der Mitarbeiteraktien zwar kein neues Geld in die Firma, steigerten jedoch mit der Aktion Foursquares Unternehmenswert. In den vergangenen Wochen sprach Foursquare-Chef Dennies Crowley bei Präsentationen vor potenziellen Investoren von einem Unternehmenswert von 760 Millionen Dollar, sagen Eingeweihte.
Spark-Partner Bjan Sabet sagt, er fühle sich wohl mit dem Investment. Die Konkurrenz nehme zu, aber er schätze an der Firma, dass sie seit dem ersten Geschäft mit Spark ihre Nutzerzahl verdoppelt habe. Zudem habe er von Händlern positive Rückmeldungen bezüglich des Marketing-Dienstes von Foursquare bekommen.
Andere Investoren bezweifeln, dass Foursquare genug Einnahmen erzielen kann, um noch höhere Bewertungen zu rechtfertigen. Rund eine Million Händler sind auf dem Dienst registriert. Zwei Dutzend davon testen seit Sommer dieses Jahres den Verkauf personalisierter Gutscheine.
Frage nach dem Geschäftsmodell
Joffrey Zurofksy, Mitbegründer der New Yorker Sandwich-Kette Wichcraft, sagt, dass ihm Foursquares Sonderangebote neue Kunden in seine Restaurants gelockt hätten. Er müsse die Ergebnisse noch auswerten, würde aber wahrscheinlich weiter mit Foursquare zusammenarbeiten, sagt Zurofksy.
Potenzielle Investoren aber werden sich trotzdem fragen, wie viele der auf Foursquare registrierten Händler zu Stammkunden werden. Einige Foursquare-Investoren sagen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die in New York beheimatete Firma größere Einnahmen erwirtschaften werde. Das Pilotprogramm der personalisierten Gutscheine will Foursquare kommendes Jahr ausweiten. Im Gespräch ist auch, die Werbe-Plattform zu einem Selbstbedienungsservice auszubauen. Das Unternehmen hofft dadurch, die wachsende Nutzerzahl besser zu bewältigen.
Fred Wilson, Partner beim Foursquare-Investor Union Square Ventures, vergleicht das Unternehmen mit der Lage bei Twitter vor zwei Jahren. Damals konzentrierte sich der Kurznachrichtendienst zunächst darauf, möglichst viele neue Nutzer zu gewinnen. Später baute er dann aus dem Dienst ein Geschäftsmodell. Twitters Plan sei „aufgegangen, nachdem Twitter die Zeit hatte, sowohl die Organisation als auch die Einnahmen des Geschäfts auszubauen", sagt Wilson in einer schriftlichen Stellungnahme.
Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de







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