• The Wall Street Journal

Swiss Life schafft die Marke AWD ab

Der Finanzdienstleister AWD wird im kommenden Jahr vom Markt verschwinden. Der Mutterkonzern Swiss Life will AWD mit dem eigenen Geschäft zusammenlegen und ab 2013 unter der Marke "Swiss Life Select" führen. Der Schweizer Lebensversicherer will damit seine Bilanz stärken, Synergien ausschöpfen und Kosten sparen. Zunächst aber muss er im vierten Quartal massive Abschreibungen auf den Goodwill von AWD verbuchen.

Swiss Life zieht damit die Notbremse bei der schon seit längerem kriselnden AWD. Die Schweizer hatten den einstmals höchst erfolgreichen Hannoveraner Finanzdienstleister 2008 seinem Gründer und Vorstandschef Carsten Maschmeyer abgekauft, um in den Rängen der europäischen Versicherer aufzusteigen. Doch die milliardenschwere Übernahme rechnete sich für Swiss Life nicht. Das Wall Street Journal Deutschland hatte bereits vergangene Woche aus Kreisen erfahren, dass der Lebensversicherer den wegbrechenden Einnahmen bei AWD mit einer Komplettreform begegnen will, an deren Ende der Name AWD verschwunden sein soll.

Fortan werden alle Produktions- und Vertriebsorganisationen in Deutschland und der Schweiz aus einer Hand geführt, um Synergien zu heben, wie die Swiss Life Holding AG nun auf ihrer Webseite mitteilte. In der Schweiz will das Unternehmen sich zu einem Anbieter von umfassenden Vorsorge- und Finanzlösungen entwickeln und in Deutschland zu einem Finanzberatungs- und Versicherungsunternehmen. Das Vermögensverwaltungsgeschäft soll künftig unter der Marke "Swiss Life Asset Managers" geführt werden und den Gewinnbeitrag bis 2015 um mehr als 20 Prozent steigern.

dapd

Die Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. Die Marke hat ihrer Mutter Swiss Life gerade wieder neue Verluste eingebrockt - jetzt wird sie abgeschafft.

Im Zuge der Zusammenführung von Swiss Life und AWD könnten in den kommenden drei Jahren 300 bis 400 Stellen vor allem in der Verwaltung und im Stabsbereich wegfallen. Dabei wird der Rotstift vor allem in Deutschland angesetzt, hier dürfte der Löwenanteil von gut 300 Arbeitsplätzen gestrichen werden.

In den vergangenen Wochen und Monaten hätten Verwaltungsrat und Konzernleitung eine Lagebeurteilung der gesamten AWD-Gruppe vorgenommen, hieß es. Dabei zogen die Konzernlenker das Fazit, dass der Zukauf vor vier Jahren durchaus durchdacht gewesen sei: "Strategisch gesehen war und ist die Erweiterung der Swiss-Life-Gruppe um einen komplementären Finanzvertrieb wie AWD eine wichtige Weiterentwicklung", erklärte der Swiss-Life-CEO Bruno Pfister. Allerdings habe man die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt.

Die neue Marke Swiss Life Select werde sich darum auf die Märkte Deutschland, Schweiz und Österreich sowie Polen und Tschechien konzentrieren. Aus der Slowakei und Ungarn zieht sich das Unternehmen zurück.

Im Zuge Neueinschätzung des bisherigen AWD-Geschäftes muss Swiss Life zudem die immateriellen Vermögenswerte auf AWD im vierten Quartal um rund 576 Millionen Franken anpassen. Das werde sich zwar nicht auf den Cashflow auswirken, dürfte den Reingewinn von Swiss Life 2012 aber auf einen zweistelligen Millionenbetrag drücken. 2011 hatte der Konzern unter dem Strich über 600 Millionen Franken verdient.

Das neue Unternehmensprogramm "Swiss Life 2015" wird am heutigen Investorentag den Anlegern präsentiert. Swiss Life erhofft sich damit eine Steigerung der Eigenkapitalrendite und der Neugeschäftsmarge sowie Kosteneinsparungen von 130 bis 160 Millionen Franken.

Kontakt zum Autor: stefanie.haxel@dowjones.com

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