• The Wall Street Journal

Streik bei Eon vorerst abgewendet

In die festgefahrenen Gespräche zwischen dem Energiekonzern Eon und den Gewerkschaften über mehr Lohn ist am Wochenende überraschend noch einmal Bewegung gekommen. Nachdem beide Seiten am späten Freitag noch einmal Verhandlungen aufgenommen haben, verschoben die Gewerkschaften Verdi und IG BCE ihren für Montag geplanten unbefristeten Streik, um das neue Verhandlungsangebot zu prüfen. Bis zum 10. Februar ist ein unbefristeter Streik, der erste seit der Liberalisierung des Energiemarktes, damit vom Tisch.

In einer kurzen Mitteilung der Gewerkschaft Verdi hieß es am Samstag, die hohe Zustimmung der Eon-Beschäftigten für einen Streik habe noch am Freitagabend für Bewegung im Tarifkonflikt gesorgt. In der kommenden Woche wolle die Große Tarifkommission nun entscheiden, ob auf Basis der neuen Vorschläge weiter verhandelt werden könne. Über die Inhalte der neuen Vorschläge wurde Stillschweigen vereinbart.

Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus gab sich optimistisch. "Ich sehe uns auf einem guten Weg und halte eine kurzfristige Einigung nunmehr für möglich. Außerdem begrüße ich ausdrücklich, dass ein Streik zumindest vorerst verhindert werden konnte."

In einer Urabstimmung über den Arbeitskampf hatten die Gewerkschaften Verdi und IG BCE am Freitag jeweils Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent erzielt. Nach Verdi-Angaben von Freitag stimmten 91,4 Prozent der eigenen Mitglieder für den Streik. Die IG BCE bezifferte die Zustimmung unter ihren Mitgliedern auf 96,9 Prozent. Schon am Montag wollten daher die Arbeitnehmer an einzelnen Eon-Standorten die Arbeit niederlegen, wobei die Aktionen sowohl die Energieerzeugung als auch Service- und Abrechnungsabteilungen betreffen sollten.

Mit dem Arbeitskampf wollen ver.di und IG BCE den Eon-Konzern zu Zugeständnissen im laufenden Tarifkonflikt zwingen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, die Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss für ein Jahr und die unbefristete Übernahme von mindestens 250 Auszubildenden im Jahr 2015. Nach Vorstellung der Arbeitnehmervertreter soll sich Eon zudem auch in Zukunft verpflichten, bei Unternehmensausgründungen die Tarifbindung zu wahren.

Die Eon SE hatte in der dritten Verhandlungsrunde 1,7 Prozent mehr Lohn angeboten. Die Arbeitnehmervertreter erklärten die Gespräche daraufhin Mitte Januar für gescheitert.

Eon hatte zuvor angesichts der Streikpläne vor einem Risiko für die Versorgungssicherheit gewarnt. Jedes Kraftwerk, das am Netz sei, sei wichtig, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Streiks belasten Eon in einer ohnehin schwierigen Zeit. Das Unternehmen leidet unter der Energiewende in Deutschland und der sinkenden Stromnachfrage in Südeuropa. Unter anderem deshalb rechnet der Konzern für das angefangene Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Eon prüft die Schließung konventioneller Kraftwerke und reduziert die Investitionen. Weltweit will der Konzern rund 11.000 Stellen abbauen.

Ein Streik droht auch beim Energiekonzern RWE . Die Gewerkschaften hatten die Verhandlungen mit dem Eon-Konkurrenten am Montagabend einstweilen abgebrochen. Sie wollen am Dienstag nächster Woche über weitere Schritte beraten. Auch RWE ist von sinkenden Margen betroffen. Bei dem Unternehmen sollen rund 10.000 Stellen wegfallen.

Kontakt zum Autor: klaus.brune@dowjones.com

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