• The Wall Street Journal

Die Deutsche Bank fegt durch und beruhigt

Der Schock war nur kurz, dafür aber heftig: Noch vor Börsenbeginn meldeten Anshu Jain und Jürgen Fitschen am Donnerstag für die Deutsche Bank mehr als zwei Milliarden Euro Verlust für das vierte Quartal. Wertberichtigungen und Prozesskosten in Milliardenhöhe rissen im Schlussquartal ein tiefes Loch, das niemand vorhergesagt hatte. Auch für das Gesamtjahr blieb lediglich ein Gewinn von 700.000 Euro übrig.

Doch die Doppelführung hatte noch andere Nachrichten im Gepäck. Die Dividende soll unverändert bei 75 Cent je Aktie liegen. Viel wichtiger jedoch: Die Kapitalquote bei voller Umsetzung der strengen Vorschriften nach Basel III lag Ende 2012 bei satten 8 Prozent. Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet.

Es war ein Schock am Morgen, als die Deutsche Bank einen Milliardenverlust im 4. Quartal berichtete. Doch bald überlagerten die positiven Aspekte des Ergebnisses die Sorgen.

Für Jain und Fitschen ist das ein Erfolg, ist es doch ihr erklärtes Ziel, die Risiken zu senken und die Kapitaldecke zu stärken. Die Fortschritte bei der Kapitalquote entsprächen einer Kapitalerhöhung von "mindestens 8 Milliarden Euro für das Jahr 2012", erklärte das Institut. Bis Ende des ersten Quartals strebt die Deutsche Bank nun eine Quote von 8,5 Prozent an.

Die Beruhigungspillen, die Jain und Fitschen verteilten, wurden an den Aktienmärkten geschluckt. Zunächst aufgekommene Sorgen um die Kapitalausstattung der Bank verschwanden wieder und der Aktienkurs stieg. Doch es lohnt sich, etwas genauer hinzuhören. Der Plan A der Bank, erklärt Jain, sehe eine organische Stärkung der Kapitalbasis vor, mit der die "magischen 10 Prozent" Kernkapital erreicht werden sollen. "Aber wir kennen die Zukunft nicht", fügte er hinzu. Eine Kapitalerhöhung sei bei heftigen Entwicklungen nicht auszuschließen.

Möglich ist aber auch ein dritter Weg, und der könnte über so genannte CoCo-Bonds führen. Auf die Frage, ob die Deutsche Bank diese Papiere im Auge habe, sagte Finanzvorstand Stefan Krause: "Dies ist eine der Optionen, über die gesprochen wird".

Bad Bank baut Risiken schneller ab als gedacht

CoCo-Bonds (Contingent Convertible) sind bedingte Pflichtwandelanleihen. Es handelt sich dabei um nachrangige Schuldverschreibungen, die unter bestimmten Bedingungen in Eigenkapital - in der Regel in Aktien des Emittenten - gewandelt werden können. Bislang haben nur wenige Banken in Europa Coco-Bonds emittiert, um ihre Kapitalziele zu erreichen. Und auch die Deutsche Bank habe noch keine Entscheidung getroffen, da die neuen Vorschriften noch nicht fertig gestellt seien", erklärte Krause.

Die Baustellen der Deutschen Bank

Zunächst einmal soll die Kapitaldecke durch den weiteren Abbau von Risiken gestärkt werden. Denn je riskanter ein Geschäft ist, desto mehr Kapital muss die Bank dafür zur Seite legen.

Bei den riskanten Assets hatte das Geldinstitut im vergangenen Jahr einen neuen Weg eingeschlagen. Sie bildete hierfür eigens eine Einheit. Damit soll der Abbau der risikogewichteten Aktiva aus nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereichen beschleunigt werden. In der Abwicklungseinheit hat die Bank im zweiten Halbjahr bereits 80 Milliarden Euro abgebaut. Bis Ende März soll die Summe auf 100 Milliarden Euro steigen. Das wären sogar 10 Milliarden Euro mehr, als ursprünglich geplant waren.

Die Anleger sind mit diesen Aussagen erst einmal zufrieden. Die Aktie der Deutsche Bank war am Vormittag der stärkste Bankenwert in Europa, während Konkurrenten wie Credit Agricole und Banco Santander nach ihren Viertquartalszahlen deutlich nachgaben.

Büßen musste die Deutsche Bank im vierten Quartal insbesondere für die Sünden der Vergangenheit. Prozesskosten und Abschreibungen auf Geschäfts- und Firmenwerte drückten das Ergebnis tief in die roten Zahlen. Wie sich die Abschreibungen aufschlüsseln, wollte die Bank nicht sagen. Ob darin bereits die Rückstellungen für Strafzahlungen im Libor-Skandal und Kirch-Prozess enthalten sind, verriet sie ebenfalls nicht.

Klar macht Jain dagegen, dass die Bank die Turbulenzen noch lange begleiten werden und sie vor einem mühsamen Weg steht. Der Umbau der Bank, dem mindestens 2.000 Stellen zum Opfer fallen sollen, werde Jahre dauern, sagte Jain. Gefragt, ob mit dem vierten Quartal das Gröbste hinter der Bank liege, sagte der Co-Chef, er wünschte, er könne das sagen. Es gebe aber noch zu viele Unsicherheiten.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 21. Mai

    In Sri Lanka fertigt ein Schneider eine kunterbunte Buddha-Fahne, in China hat sich wieder ein riesiger Straßenkrater aufgetan und beim Radrennen Giro d'Italia kämpften sich die Teilnehmer durch die Alpen. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen