• The Wall Street Journal

Arbeitsmarkt trotzt Winter besser als erwartet

Der deutsche Arbeitsmarkt vermittelt zu Beginn des neuen Jahres zwei Botschaften. Die schlechte: Die Zahl der Arbeitslosen ist um knapp 300.000 auf über 3 Millionen gestiegen. Die gute: Dieser Januar-Anstieg war so schwach wie zuletzt vor fünf Jahren. Bereinigt um saisonale Einflüsse sank die Arbeitslosenzahl sogar, wodurch die Arbeitslosenquote erneut auf ihr Langzeittief von 6,8 Prozent fiel.

Nimmt man die Zahlen zunächst so wie sie sind, hat die Arbeitslosigkeit in Deutschland im Januar stark zugenommen. Nach Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit (BA) stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Dezember um 298.000 auf 3,138 Millionen und lag damit erstmals seit März 2012 wieder über 3 Millionen. Die Arbeitslosenzahl lag damit um knapp 54.000 höher als im Januar 2012. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,7 im Dezember auf 7,4 Prozent im Januar.

Allerdings machte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise klar, dass das für ihn keine schlechte Nachricht ist: "Die ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben auf dem Arbeitsmarkt nur wenige Spuren hinterlassen. Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein saisonale Gründe", sagte er in Nürnberg.

Bei Herausrechnung saisonaler Faktoren ist die Lage am deutschen Arbeitsmarkt Ende 2012 und Anfang 2013 besser als erwartet. Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl ist bereits im Dezember leicht gesunken. Im Januar nahm sie unerwartet um 16.000 auf 2,916 Millionen ab, während Volkswirte einen Anstieg um 10.000 prognostiziert hatten. Nach Einschätzung von ING-Volkswirt Carsten Brzeski bedeutet das, dass der Arbeitsmarkt eine Stütze des Wirtschaftswachstums bleiben wird.

Aktuelle Daten zum privaten Konsum stützen diese These zwar nicht auf den ersten Blick - das Weihnachtsgeschäft im deutschen Einzelhandel enttäuschte deutlich -, doch werden diese Daten für gewöhnlich noch mehrfach revidiert. Außerdem bildet der Einzelhandelsumsatz immer weniger das tatsächliche Konsumverhalten der Deutschen ab.

Evelyn Hermann von BNP Paribas sagt: "Zwar sind Frühindikatoren wie der Ifo-Index und die Einkaufsmanagerindizes zuletzt stärker als erwartet gestiegen, doch haben wir so unmittelbare Auswirkungen für den Arbeitsmarkt nicht erwartet, zumal die Einstellungsabsichten der Unternehmen das nicht signalisiert haben." Ihrer Ansicht nach zeigt die Januar-Entwicklung, wie "eng" der deutsche Arbeitsmarkt immer noch ist. "Für Konsumenten und Gewerkschafter ist das eine willkommene Entwicklung", sagte sie.

Auch andere Messgrößen zeigen, wie robust der Arbeitsmarkt ist. So belief sich die Unterbeschäftigung, die auch Personen erfasst, die an Fortbildungen und Schulungen teilnehmen, auf 4,026 Millionen Personen. Das waren 78.000 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt gingen im Dezember 41,708 Millionen Menschen einer Arbeit nach und damit rund 200.000 mehr als im Dezember 2011.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

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