• The Wall Street Journal

Staatsanwaltschaft wirft Wulff jetzt Bestechlichkeit vor

dapd

Christian Wulff.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat laut einem Magazinbericht ihre Vorwürfe gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff und den Filmunternehmer David Groenewold verschärft. Sie lauten inzwischen auf Bestechung und Bestechlichkeit, nicht mehr auf Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung, wie das Nachrichtenmagazin Focus ohne Angabe von Quellen berichtet. Die Hannoveraner Staatsanwalt wollte sich dem Bericht am Samstag nicht äußern. "Wir kommentieren das nicht", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Lendeckel auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Wulff hatte dagegen die Einstellung des Verfahrens gefordert und alle Vorwürfe zurück.

Die Ermittler halten Wulff vor, sich im September 2008 von Groenewold einen Teil der Kosten im Münchner Hotel "Bayerischer Hof" bezahlt haben zu lassen. Im Gegenzug soll Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident versucht haben, den Siemens -Konzern für den Groenewold-Film "John Rabe" als Sponsor zu gewinnen.

Wulff will von der großzügigen Behandlung in München nichts gewusst haben. Der Preis für zwei Übernachtungen sei "im Üblichen Rahmen" gewesen. Groenewold hatte erklärt, er habe 400 Euro von der Wulff-Rechnung umgebucht, ohne es dem Politiker zu sagen. Wulff hält es für "ausgeschlossen", dass er mit Groenewold an der Rezeption darüber gesprochen hat.

Eine Schlüsselrolle im Verfahren nimmt laut Focus ein Brief ein, in dem Wulff im Dezember 2008 bei Siemens-Chef Peter Löscher für den Groenewold-Film warb. In neuen Zeugenaussagen belasten zwei Mitarbeiter aus der niedersächsischen Staatskanzlei ihren ehemaligen Chef: Ein Schreiben von Groenewold an Wulff soll als Vorlage für den Wulff-Brief an Löscher gedient haben, so das Magazin. Groenewold hätte Wulff in dem Schreiben gebeten, als Türöffner bei Siemens zu fungieren. Wulff erklärte jetzt, sein Einsatz für "John Rabe" habe nichts mit seinem Freund Groenewold zu tun gehabt.

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