• The Wall Street Journal

Dutzende Staatschefs erweisen Chavez die letzte Ehre

Associated Press

Trauerzug für den verstorbenen Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, mit einem Porträt des von Chávez verehrten Unabhängigkeitskämpfers Simon Bolivar.

Mehr als zwei Dutzend Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erweisen dem verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez die letzte Ehre. Unter den Trauergästen befinden sich neben lateinamerikanischen Staatenlenkern wie Dilma Rousseff aus Brasilien, Christina Fernandez de Kirchner aus Argentinien und Evo Morales aus Bolivien auch die umstrittenen Verbündeten Venezuelas. Darunter sind der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko und Kubas Staatschef Raul Castro.

Auf den Straßen der Hauptstadt nehmen Hunderttausende Menschen Abschied von ihrem Präsidenten. Vor der Militärakademie, in deren Kapelle der Leichnam des Präsidenten aufgebahrt liegt, hat sich eine schier endlose Schlange gebildet. Überall verkaufen fliegende Händler T-Shirts, Baseballkappen und andere Devotionalien mit dem Konterfei oder bekannten Sprüchen des Commandante.

Viele profitierten von Chavez' Sozialprogrammen

Auch die treue Chavez-Anhängerin Liset Cira hat sich in die lange Schlange eingereiht. Seit fünf Stunden wartet sie geduldig. „Ich bin hier, um meinem Commandante Anerkennung zu zollen. Er hat mir mein Haus verschafft." Die Hausfrau aus der Provinz gehört zu den Millionen Armen, die von Chavez' Sozialprogrammen profitiert haben. Finanziert wurden die Wohltaten aus den sprudelnden Erdöleinnahmen aus der verstaatlichten Petro-Industrie.

Chavez hatte am Dienstag nach zwei Jahren seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Insgesamt stand er 14 Jahre an der Spitze Venezuelas, dass er sozialistisch regierte. Zur Behandlung seiner schweren Krankheit hielt er sich immer wieder im befreundeten Kuba auf und konnte die Staatsgeschäfte kaum noch führen. Dennoch war er im Oktober zur Wiederwahl angetreten und erzielte 54 Prozent der Stimmen. Als Übergangspräsident soll am Freitag der bisherige Vize Nicolas Maduro den Amtseid leisten.

Seine wichtigste Aufgabe wird die Organisation von Neuwahlen sein, die im April stattfinden sollen. Die Opposition hat bereits einen Boykott der Vereidigung angekündigt. Schärfster Herausforderer des Chavez-Zöglings ist Oppositionsführer Henrique Capriles, der bei der vorausgegangenen Wahl starke 45 Prozent erreicht hatte. Die Sozialarbeiterin Luisa Silva zeigte sich dennoch überzeugt, dass Maduro die Wahl gewinnen wird. „Wir sind traurig, den Commandante verloren zu haben. Aber er ist fest in unseren Herzen und er hätte gewollt, dass wir für Maduro stimmen. Und das werden wir tun."

Leichnam von Chavez soll wie Lenin ausgestellt werden

Bei seiner Ankunft in Caracas nannte der iranische Präsident Ahmadinedschad den Verstorbenen „ein Symbol für alle, die in der Welt nach Liebe, Frieden und Güte suchen". Chavez sei für ihn ein Bruder und wahrer Freund gewesen. Insgesamt schickten mehr als 50 Länder ihre Delegationen, um Chavez ihren Respekt zu erweisen. Aus Europa und den USA sind aber nur Vertreter aus der zweiten Reihe angereist.

Der Leichnam von Chavez soll jedoch nicht bestattet werden, wie Vizepräsident Maduro im Staatsfernsehen ankündigte. Stattdessen soll sein Leichnam ähnlich wie Lenin einbalsamiert und in einem Museum ausgestellt werden.

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