Von HANS BENZIEN
Das erste Quartal hat für die deutsche Wirtschaft weniger gut begonnen, als das angesichts gestiegener Frühindikatoren zu erwarten war. Trotz eines Rückgangs der Auftragseingänge um 1,9 Prozent und einer stagnierenden Produktion erwarten Ökonomen aber weiterhin eine Rückkehr des Wirtschaftswachstums noch im ersten Quartal. Im vierten Quartal 2012 war die Wirtschaft um 0,6 Prozent geschrumpft.
Nach Mitteilung des Bundeswirtschaftsministeriums hat die Produktion im produzierenden Sektor im Januar nur auf dem Vormonatsniveau stagniert, während die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte einen Anstieg um 0,4 Prozent erwartet hatten.
Während es in der Bauindustrie mit plus 3,0 Prozent deutlich besser lief als im Dezember, ging es in der Industrie um 0,2 Prozent und in der Energieerzeugung um 2,3 Prozent nach unten. Allerdings war die Produktion im Dezember etwas höher als von den Statistikern zunächst berechnet: Sie wuchs um 0,6 statt der zuvor gemeldeten 0,3 Prozent.
Innerhalb der Industrie weiteten die Hersteller von Vorleistungsgütern und von Konsumgütern ihre Erzeugung um 0,6 Prozent und 1,6 Prozent aus. Bei den Investitionsgütern wurde die Produktion um 1,5 Prozent eingeschränkt.
Nach Einschätzung von Volkswirten bedeuten aber weder die schwache Produktion noch der Rückgang der Bestellungen, dass die für das erste Quartal erwartete Konjunkturerholung abgeblasen ist.
So wies Commerzbank -Volkswirt Ralph Solveen darauf hin, dass die Zahlen für Dezember und Januar sehr stark von der Lage der Weihnachtsfeiertage beeinflusst seien, was durch die Saisonbereinigung häufig nicht vollständig erfasst werde. "Zudem - und dies ist der wichtigere Punkt - lag die Produktion im Januar sowohl im produzierenden Gewerbe insgesamt als auch in der Industrie über dem Durchschnitt des vierten Quartals. Folglich stehen die Zahlen im Einklang mit unserer Erwartung, dass die deutsche Wirtschaft bereits im ersten Quartal wieder wächst", sagte er.
Nach Berechnung von UniCredit -Ökonom Alexander Koch lag die Produktion trotz Stagnation auf Monatssicht um 0,4 Prozent über dem Durchschnitt des vierten Quartals 2012. Auch Koch will die schwachen Januar-Daten wegen des ermutigenden Trends bei den Frühindikatoren nicht überbewertet wissen. "Die Stimmungsindikatoren sind nicht nur wegen der Erwartungen der Unternehmen gestiegen, die ja übertrieben optimistisch sein könnten - auch die Einschätzung von aktueller Nachfrage und Produktion sind in den ersten beiden Monaten des Jahres bei ifo- und Einkaufsmanagerumfrage wieder über die Wachstumsschwelle gestiegen", erläuterte er.
Evelyn Herrmann von BNP Paribas ist der Ansicht, dass auch der deutliche Rückgang der Auftragseingänge kein wirklicher Beinbruch ist. Zwar seien minus 1,9 Prozent nicht wirklich ermutigend, doch rate sie wegen der bekannten Schwankungsanfälligkeit des Auftragsindex zur einer vorsichtigen Interpretation. "Bis Dezember deutet der Trend auf eine Besserung hin", sagte sie.
—Mitarbeit: Andreas PleckoKontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com







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