• The Wall Street Journal

Dax knackt die 8.000 - der Druck wächst

Am Freitagmorgen um 9.19 Uhr war es soweit: Erstmals seit mehr als fünf Jahren stieg der Dax wieder über 8.000 Punkte. Zwar fiel der deutsche Leitindex rasch wieder zurück. Händler rechnen jedoch damit, dass über kurz oder lang auch das Allzeithoch von 8.152 Punkten fällt. Das datiert übrigens von einem Freitag, den 13., im Juli 2007. Vorgeprescht war jüngst bereits das wohl bekannteste Börsenbarometer der Welt, der Dow Jones Index. Er stieg am Dienstag auf den höchsten Stand seiner 129-jährigen Geschichte und hat seitdem weiter zugelegt.

„Die Sorgen nehmen zu. Aber nicht etwa die Sorgen vor einem kräftigen Rücksetzer, sondern die Sorge, bei der Kurs-Rally nicht mit dabei zu sein", sagt ein Frankfurter Händler. Wie so oft in Hochphasen an den Börsen fürchten Anleger den Zug zu verpassen und kaufen in einen steigenden Markt. Der Bull/Bear-Index von Cognitrend, ein Gradmesser für die Stimmung institutioneller Anleger, ist jüngst auf 69,4 Punkte gestiegen und signalisiert damit einen hohen Grad an Optimismus.

Reuters

Die Bullen haben an der Börse das Sagen: Der Dax kletterte erstmals seit 2008 über 5.000 Punkte

Angetrieben werden die Börsen nach wie vor von einer extrem lockeren Geldpolitik rund um den Globus. In der vergangenen Woche machte Fed-Präsident Ben Bernanke klar, dass die Notenbank die Märkte weiterhin mit Liquidität versorgen wird. Am Donnerstag sagte EZB-Präsident Mario Draghi, man habe im EZB-Rat eine erneute Zinssenkung diskutiert. Und in Japan dürfte Haruhiko Kuroda, der neue Chef der Bank of Japan, die Geldschleusen weit öffnen.

Überraschen kann der Sprung des Dax über 8.000 Punkte nicht, hinkt der Index doch seit einiger Zeit hinterher – nicht nur den US-Indizes, sondern auch den kleineren Messlatten in Deutschland. Der MDax der 50 mittelgroßen deutschen Börsenwerte steigt auf immer neue Rekordstände und liegt aktuell bereits über 13.400 Punkten. In dem Index sind viele konjunktursensible Papiere enthalten. Diese stehen aus Risikogesichtspunkten bei den Anlegern hoch im Kurs.

Im Dax haben die Investoren dagegen zuletzt die Pferde gewechselt. Sorgten im vergangenen Jahr vor allem die Automobilaktien für Kurseuphorie, so stehen seit Jahresbeginn mit Adidas, Merck, Beiersdorf und Henkel konsumnahe Papiere auf den Kauflisten ganz oben. Gemeinsam haben diese Unternehmen stark steigende Barmittelbestände. "Was Kunden seit Wochen suchen, sind Aktien von Unternehmen mit einem langfristig starken Cashflow aus dem operativen Geschäft", sagt ein Händler.

Unternehmen mit hohem Cash-Flow geben Tempo vor

Beiersdorf beispielsweise hat diese Kennziffer im vergangenen Jahr um 17 Prozent auf 520 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 11 Prozent zugelegt. Adidas konnte den Cashflow sogar verfünffachen, was die Aktie im neuen Jahr um mehr als 15 Prozent nach oben getrieben hat. "Genau diese Steigerungsraten suchen Investoren wie Stiftungen, Pensionskassen und zunehmend auch die Publikumsfonds", sagt der Händler. Sie setzten darauf, dass die Unternehmen einen Teil der hohen Barmittel über Dividenden oder Aktienrückkäufe an die Investoren weiterreichen.

"Wir befinden uns in einem Stock-Picker-Markt", sagt Markus Wallner, Aktienstratege der Commerzbank . Investoren favorisierten Aktien von Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Erträge außerhalb des konjunkturschwachen Europa erzielen. Dazu zählt Wallner zum Beispiel Heidelberg Cement. Die Aktie des in Nordamerika und Asien engagierten Zementherstellers liegt mit einem Kursplus von mehr als 17 Prozent seit Jahresbeginn im Dax an der Spitze.

Nach den überraschend gut ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten für Februar geht es am Nachmittag mit dem Dax erneut über die 8.000er-Marke, die er über die Mittagszeit wieder unterschritten hatte. Der Stellenzuwachs außerhalb der Landwirtschaft belief sich auf 236.000. Einige hatten befürchtet, dass zu guten Zahlen den Börsen einen Dämpfer verpassen könnten. Die Befürchtung war, dass die Notenbanker um Ben Bernanke einen robusten Arbeitsmarkt zum Anlass nehmen könnten, bei der Geldpolitik etwas auf die Bremse zu treten. Aber offenbar sorgt die deutliche Abwärtsrevision der Daten vom Januar für eine Ausgleich.

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