• The Wall Street Journal

Das Knirschen der gestressten Großbanken

Jede Kette ist nur so stark wie ihre schwächsten Glieder, vor allem, wenn diese gleichzeitig die größten sind. Anleger sollten das im Hinterkopf behalten, wenn sie sich die neuesten Ergebnisse des jährlichen „Stresstests" für die größten US-Banken ansehen, welche die Notenbank Federal Reserve am Donnerstag veröffentlicht hat. Diese geben Banken noch kein grünes Licht für Kapitalausschüttungen an Anleger; diese Entscheidung wird erst nächste Woche veröffentlicht. Aber sie liefern zumindest einen Einblick in die Stärke der größten Banken des Landes.

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Die Citigroup schnitt bei der großen Kapitalprüfung der US-Notenbank überraschend gut ab.

In vielerlei Hinsicht sind die Tests beruhigend. Sie zeigen, dass die größten Firmen in einem hypothetischen und hochgradig widrigen Szenario – dieses beinhaltet einen Crash am Aktienmarkt, eine wiederholte Immobilienkrise und eine globale Wachstumsdelle – den Sturm weitaus besser aushalten würden, als sie es während der Finanzkrise getan haben.

In einer derart negativen Utopie würden die 18 untersuchten Banken nach Angaben der Fed zwar in neun Monaten bis Ende 2014 zusammen 462 Milliarden US-Dollar Verlust machen. Ihre aggregierte Kapitalquote „Tier-1" aber würde nur auf 7,7 Prozent sinken. Das wäre weniger als die aggregierte Kapitalquote von 11,1 Prozent, die Ende des dritten Quartals 2012 beobachtet wurde, aber immer noch weit mehr als die rund 5 Prozent, die während der Finanzkrise tatsächlich vorherrschten. Und die Tests beinhalten einen wichtigen Aspekt aus dem Jahr 2008, nämlich die Tatsache, dass ein Finanzkonzern versagt.

Dass sich die Bankenlage verbessert hat, zeugt von vergangenen Vorstößen zu Verbesserung ihrer Bilanzen und einer strengeren Aufsicht über ihre Verflechtungen und Praktiken.

Aber auch in der jüngsten Untersuchung gab es bei einigen Firmen deutliche Anzeichen von Stress. Einige der Banken, denen in dem Szenario die niedrigsten „Tier-1-Kapitalquoten" vorausgesagt wurden, zählen gleichzeitig zu den größeren Unternehmen: Morgan Stanley mit 5,7 Prozent, Goldman Sachs mit 5,8 Prozent und J.P. Morgan Chase mit 6,3 Prozent. Ihre Kapitalraten liegen zwar über der geforderten Mindestmarke von 5 Prozent, aber immer noch unter denen kleinerer Branchenkollegen. Die Kapitalquote der U.S. Bancorp etwa lag bei 8,3 Prozent.

Überraschenderweise lag auch die der Citigroup, deren Kapitalplan im vergangenen Jahr abgelehnt wurde, bei 8,3 Prozent. In den Ergebnissen steht auch, dass deren Antrag auf Kapitalausschüttung keinerlei Erhöhung der Dividende von einem Cent je Aktie vorsieht. Stattdessen bittet die Citigroup darum, Aktien im Wert von 1,2 Milliarden Dollar zurückkaufen zu dürfen.

Einige der größten Banken sahen mit Blick auf ihre vermutlichen Verschuldungsquoten auch schwächer aus. Diese lassen keine Risikogewichtung von Vermögenswerten zu, was die Kapitalquoten besser dastehen lassen könnte. Je niedriger die Verschuldungsquote, desto wackeliger die Bank. Die vorgeschriebene Untergrenze liegt bei 3 Prozent, und Goldman lag mit 3,9 Prozent nur wenig darüber. Morgan Stanley schaffte 4,5 Prozent und J.P. Morgan 4,7 Prozent. Dass ausgerechnet die größten Banken am stärksten belastet sind, liegt an ihren enormen Handelsgeschäften. Das an sich könnte zu einem Problem werden. Wenn Anleger diese für anfällig halten, könnte sich das zu einem Marktschock auswachsen.

Insgesamt dürften viele Aspekte des Stresstests jene Anleger beruhigen, die sich nach wie vor Sorgen über die Stärke der Banken machen. Aber sie liefern keinen Grund für Selbstgefälligkeit gegenüber der Notwendigkeit, das Finanzsystem noch stabiler zu machen.

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