• The Wall Street Journal

Rating-Abstufung vergrößert die Gefahren für Großbritannien

Die Axt ist endlich gefallen. Am späten Freitagabend hat Moody's das Spitzenrating für Großbritannien zurückgenommen und die Bonitätsnote um eine Stufe auf "Aa1" gesenkt. Die Nachricht ist nicht so schlimm, wie sie hätte sein können: Wichtig ist, dass Moody's das neue Rating mit einem stabilen Ausblick versehen hat. Für den britischen Schatzkanzler George Osborne ist es jedoch ein schwerer politischer Schlag. Außerdem bedeutet die Entscheidung vermutlich, dass sich der laufende Wertverlust des Pfund und der Anstieg der britischen Anleiherenditen fortsetzen werden.

Moody's Hauptsorge ist, dass das düstere Wachstumsbild in Großbritannien - das Bruttoinlandsprodukt ist seit 2010 im Wesentlichen unverändert - fortwähren wird und die Aufgabe, das Haushaltsdefizit zu senken und die Staatsverschuldung letztlich zu senken, dadurch noch schwerer wird.

Reuters

Der britische Schatzkanzler George Osborne hat es nach der Rating-Herabstufung noch schwerer.

Die jüngsten Daten zu den öffentlichen Finanzen untermauern, vor welcher Herausforderung die Politiker auf der Insel stehen: Nimmt man Einmalmaßnahmen aus, die die Zahlen beschönigen, liegt die Kreditaufnahme für das Fiskaljahr 2012/13 bisher bei 99,9 Milliarden Pfund (114,5 Milliarden Euro), 7,6 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor, stellen Analysten der Royal Bank of Scotland fest. Vor allem die Einnahmen erweisen sich als schwach. Für die Regierung sind diese jedoch schwerer zu beeinflussen als die Ausgaben.

Moodys hebt ein weiteres Risiko hervor, das Politiker in allen hochverschuldeten Volkswirtschaften sorgen sollte: dass die Bemühungen, um die Situation zu verbessern, womöglich keine Früchte tragen, ehe es zu einem weiteren ökonomischen Schock oder Abschwung kommt. Der stabile Ausblick allein gibt Großbritannien nur 12 bis 18 Monate Gnadenfrist in Sachen Rating.

Für die Märkte kam die Nachricht nicht unerwartet, wenn auch der Zeitpunkt weniger als einen Monat vor der Vorlage des britischen Haushaltsplans für 2013 durchaus eine Überraschung hätte sein können. Die Herabstufung folgte jedoch auf eine Woche, in der die Ausrichtung der britischen Politik, insbesondere die Bereitschaft der Bank of England, über die anhaltend hohe Inflation hinwegzusehen, große Fragezeichen aufgeworfen hatte.

Das britische Pfund verlor gegenüber dem US-Dollar einen weiteren Cent auf 1,5115 Dollar und die Renditekurve britischer Staatsanleihen scheint steiler zu werden. Zehnjährige Papiere rentieren aktuell mit 2,11 Prozent.

Schatzkanzler Osborne dürfte die Situation politisch gewaltige Kopfschmerzen verursachen. Er nutzte das "AAA"-Rating einst als zentrale Rechtfertigung der Regierungspolitik. Leichter dürfte die Lage für ihn nicht werden, da sich am Horizont bereits weitere Herabstufungen durch Standard & Poor's und Fitch abzeichnen. Die größte Gefahr ist, dass sich die politische Debatte in Großbritannien trotzdem weiter darum drehen wird, ob der Kampf gegen das Haushaltsdefizit abgeschwächt werden soll. Das würde bedeuten, dass die Rating-Axt schon bald noch tiefere Kerben hinterlassen könnte.

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