• The Wall Street Journal

Daily Deal-Gründer kaufen Schnäppchenportal von Google zurück

Paukenschlag in der deutschen Gründerszene: Die Daily Deal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann haben ihr ehemaliges Start-up von Google zurückgekauft – gerade einmal 17 Monate, nachdem sie es an den Suchmaschinenriesen verkauft hatten.

Auf der Website des Schnäppchenportals preisen die Heilemann-Brüder den Rückkauf: „Wir freuen uns, Ihnen heute mitzuteilen, dass wir als Gründer und Geschäftsführer das Unternehmen Daily Deal von Google zurückgekauft haben und ab sofort in Eigenregie weiterführen werden. Daily Deal wird Ihnen selbstverständlich auch weiterhin den gewohnten Dienst und spannende Angebote anbieten - genauso, wie wir es in der Vergangenheit getan haben. Darüber hinaus werden wir in den nächsten Monaten auch in neue Geschäftsfelder expandieren."

Daily Deal

Die Daily Deal-Gründer Ferry und Fabian Heilemann (von links)

Welche Geschäftsfelder das genau sind, verraten die Heilemann-Brüder nicht. Das Start-up-Portal Gründerszene.de spekuliert jedoch, dass sich mit den bestehenden Kontakten und der technischen Plattform neben Deals sicherlich noch mehr vermitteln ließe. Explizit werden Dienstleistungen als mögliches Beispiel genannt. Ein Sprecher von Daily Deal verwies in diesem Zusammenhang gegenüber dem Wall Street Journal auf die bestehenden Geschäftsbeziehungen zu rund 20.000 Unternehmen. Genaueres soll jedoch erst in den kommenden Wochen bekannt gegeben werden.

Google hatte Daily Deal Ende 2011 von den Heilemann-Brüdern übernommen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete damals, der Suchmaschinenbetreiber habe 114 Millionen US-Dollar für das Schnäppchenportal bezahlt. Nach der gescheiterten Übernahme des Daily-Deal-Konkurrenten Groupon hatte Google mit dem Kauf des deutschen Start-ups eine Chance gesehen, doch noch auf dem Markt für Schnäppchenportale mitspielen zu können. Google-Deutschland-Sprecher Kay Oberbeck hatte sich kurz nach der Übernahme noch euphorisch gezeigt: „Das Team von Daily Deal hat in kurzer Zeit eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt." Mit dem Know-how der Berliner könne Google seinen Kunden künftig noch bessere auf sie zugeschnittene Angebote machen.

Doch schnell wurde klar, dass der Internetkonzern mit dem Zukauf nicht wirklich glücklich werden sollte. Wie die Branchenseite Deutsche Startups berichtet, soll Daily Deal 2011 einen Umsatz von zehn Millionen Euro erwirtschaftet haben. Dem stand jedoch ein Ergebnis vor Steuern von minus 15,1 Millionen Euro gegenüber. Zwar liegen noch keine Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Doch wirklich gebessert scheint sich die Lage trotz Stellenabbau und Herumschrauben am Geschäftsmodell nicht zu haben. Sonst hätte man bei Google vermutlich nicht über einen Verkauf nachgedacht.

Das Geschäft mit Gutscheinen hat sich in den vergangenen Jahren mehr schlecht als recht entwickelt. Der größte Player am Markt, Groupon, steht seit dem Börsengang im Jahr 2011 zunehmend unter Druck. Denn das Kernmodell, der Vertrieb von Rabattgutscheinen im Internet, hat inzwischen einige Nachahmer gefunden. Und Rivalen wie die Seite Livingsocial drängen mit Macht in den Markt für tägliche Angebote. Groupons neue Restposten-Sparte läuft zwar gut, ist aber weniger ertragreich. Im September 2012 führte das Unternehmen einen eigenen Zahlungsdienst ein, um sich von seinem Kernmodell zu diversifizieren.

Diversifikation ist auch das Stichwort, wenn es um die Zukunft von Daily Deal geht. Fabian und Ferry Heilemann, die alten und neuen Geschäftsführer der Schnäppchenplattform, wollen sich zwar zunächst wieder verstärkt auf das Geschäft mit Coupons konzentrieren. Daneben soll in den kommenden Wochen aber über ein weiteres Geschäftsmodell nachgedacht werden. „Wir wollen weiter wachsen", sagte ein Sprecher des Unternehmens dem Wall Street Journal. An einen weiteren Stellenabbau würde man momentan keine Gedanken verschwenden.

Wie es zu dem Rückkauf kam und wie viel Geld die Heilemann-Brüder gezahlt haben, darüber schweigen sich die beiden Unternehmen bisher aus. Die genaue Summe wird man vermutlich erst erfahren, wenn der Internetkonzern in ein paar Wochen der US-Finanzaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) seinen Bericht vorlegt. Von Daily Deal war lediglich zu erfahren, dass beide Seiten die Entscheidung gemeinsam getragen hätten.

Google antwortete auf eine Anfrage zunächst nicht.

Kontakt zum Autor: joergen.camrath@wsj.com

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