• The Wall Street Journal

RWE gelingt Einigung im Tarifstreit

Der Energiekonzern RWE hat sich mit den Verhandlungsführern der Gewerkschaften Ver.di und IG BCE auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Das sagten ein Sprecher des Versorgers und eine Sprecherin von Ver.di. Weder das Unternehmen noch die Gewerkschaften äußerten sich aber zu den Details der Einigung. Es sei Stillschweigen bis Montag vereinbart worden, teilten beide Seiten mit. Über den Abschluss berät an dem Tag noch die Große Tarifkommission von Ver.di und IG BCE. Die Einigung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Gremium.

In den Verhandlungen zwischen RWE und den Arbeitnehmervertretern galt die Beschäftigungssicherung als entscheidender Punkt. Der Energiekonzern hatte sich Änderungen an der bislang gültigen Vereinbarung gewünscht. In einer E-Mail an Führungskräfte hatte der Unternehmensvorstand von der Notwendigkeit zu mehr Flexibilität gesprochen. RWE stehe "angesichts der teilweise dramatischen Veränderungen auf unseren Märkten" vor "enormen Herausforderungen", hieß es in dem Memo, in das das Wall Street Journal Deutschland Einsicht hatte. Es seien deshalb "flexible Modelle, die auch einen Wechsel der Mitarbeiter in andere Konzernbereiche zulassen", nötig. Die Gewerkschaften aber lehnten zunächst Änderungen an der Beschäftigungssicherung ab.

RWE und die Gewerkschaften stritten in den Tarifverhandlungen auch über Lohnerhöhungen. Die Arbeitnehmervertreter forderten zunächst ein Plus von 6 Prozent. Der Arbeitgeber bot nach drei Verhandlungsrunden eine Erhöhung um 1,5 Prozent und zwei Einmalzahlungen von jeweils 500 Euro an.

RWE leidet wie andere Energieversorger unter den paradoxen Folgen der Energiewende: Während Strom für Verbraucher immer teurer wird, sinken die Großhandelspreise. Gründe dafür sind das zeitweise bestehende Überangebot an Strom aus Erneuerbaren Energien und die derzeit verhaltene Nachfrage in Deutschland sowie den Nachbarländern. Weil Elektrizität etwa aus Windkraft und Sonnenenergie Vorrang bei der Einspeisung hat, sind konventionelle Kraftwerke immer seltener am Netz.

Der Energiekonzern reagiert mit Kostensenkungen und Desinvestitionen auf die Entwicklung. RWE will nach Plänen aus dem Jahr 2011 unter anderem durch den Verkauf von Konzernteilen weltweit 8.000 Arbeitsplätze abbauen. Rund 2.400 Stellenstreichungen könnten hinzukommen, wenn RWE konzernweit Abteilungen zusammenlegt, die die Unternehmenssparten bislang getrennt unterhalten. Von betriebsbedingten Kündigungen ist bei RWE aber keine Rede. "Den resultierenden Anpassungsbedarf wollen wir weiterhin fair und vor allem sozialverträglich gestalten", hieß es in der E-Mail an Führungskräfte.

Auch den Tarifstreit beim größten deutschen Energiekonzern Eon haben Ver.di und IG BCE in den vergangenen Monaten mit für die Energiebranche ungewohnter Härte ausgetragen. Die Arbeitnehmervertreter einigten sich mit dem RWE-Konkurrenten schließlich unter anderem auf Lohnerhöhungen um 2,8 Prozent. Auch Eon ist von den Folgen der Energiewende betroffen.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

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