• The Wall Street Journal

Banken zahlen unerwartet wenig EZB-Kredit zurück

Die Banken des Euroraums setzen auf Sicherheit. Aus dem zweiten Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen sie weniger Mittel zurückzahlen als erwartet. Mit den langfristigen Krediten hatte die EZB in der Finanzkrise die Märkte beruhigt.

Jetzt können die Banken die aufgenommenen Milliardensummen vorzeitig zurückzahlen. Nach Mitteilung der EZB haben 356 Institute signalisiert, dass sie nächste Woche 61,1 Milliarden Euro aus dem zweiten Tender zurückzahlen wollen. Unter Finanzanalysten hatten Schätzungen von um die 130 Milliarden kursiert. Die EZB hatte dagegen eine nicht besonders hohe Rückzahlung prognostiziert.

Der relativ niedrige Rückzahlungsbetrag lässt unterschiedliche Interpretationen zu. Einerseits könnte er als Hinweis darauf interpretiert werden, dass die Situation der Banken nicht so gut ist wie bisher angenommen. In diese Richtung deutet die Reaktion des Euro, der nach Veröffentlichung der Daten gegenüber dem US-Dollar einen Viertel Cent einbüßte.

Das erklärt allerdings nicht, warum es nach der EZB-Veröffentlichung um kurz nach 12.00 Uhr zu deutlichen Gewinnen am Aktienmarkt kam. Möglich ist auch, dass die Banken im Vorfeld der Wahlen in Italien auf Nummer Sicher gehen wollten.

Wahlsieg Berlusconis könnte Zinsen treiben

Ein Wahlsieg der reformfeindlichen Kräfte um den ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, so die Befürchtung, könnte die Zinsen der Peripherieanleihen wieder in die Höhe treiben und die Refinanzierungsbedingungen für die Banken dieser Länder verschlechtern. Warum gleich zurückzahlen, wenn man es genauso gut nächste Wochen machen kann, mögen die Geldmarktexperten gedacht haben.

Allerdings zeigen die Rückzahlungen aus dem ersten der beiden Dreijahrestender, dass die Banken vielleicht nicht große Mengen, aber anhaltend Liquidität an die EZB zurückgeben. So meldeten neun Institute per 27. Februar die Rückzahlung weiterer gut 1,7 Milliarden Euro an. Der Rückzahlungsbetrag des ersten Tenders beläuft sich damit auf insgesamt 146,2 Milliarden Euro.

Insgesamt hatten sich die Banken im Dezember 2011 und Januar 2012 auf drei Jahre netto zusätzlich rund 500 Milliarden Euro geliehen. Davon haben sie bisher bereits 144,5 Milliarden zurückgezahlt. In der nächsten Woche kommen 62,8 Milliarden hinzu. Damit werden die Banken rund 40 Prozent der von der EZB zur Verfügung gestellten Zusatzliquidität zurückgegeben haben.

—Mitarbeit: Manuel Priego-Thimmel

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 20. Mai

    In China explodiert eine Straßenüberführung, in Indien wütet eine Hitzewelle und in Israel kommt eine Geisel frei. Das und mehr sehen Sie in unseren aktuellen Fotos des Tages.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.

  • [image]

    Otto – ein deutsches Einkaufsimperium

    Die Otto Gruppe besteht nicht nur aus dem gleichnamigen Versand. Gegründet 1946, ist Otto heute in mehr als 20 Ländern aktiv - mit 123 Konzerngesellschaften wie SportScheck, Manufactum, Mirapodo oder Hermes. Überrascht? Wir zeigen, was noch alles zum Imperium gehört.

  • [image]

    Die SPD und ihre Gesichter

    In diesem Jahr feiert die SPD ihr 150 jähriges Bestehen. In der Geschichte der Bundesrepublik und des vereinigten Deutschlands hat sie die Politik entscheidend mitgeprägt. Wir zeigen einige der wichtigsten Politiker der altehrwürdigen Partei.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.