• The Wall Street Journal

J.P. Morgan muss die Macht des Chefs begrenzen

Associated Press

James Dimon ist bei J.P. Morgan CEO und Chairman zugleich.

James Dimon ist ein Schwergewicht. Und das dürfte zunächst auch so bleiben. Nach dem Handelsskandal um den „Wal von London" und dem damit verbundenen Verlust von 6 Milliarden US-Dollar, wollen zwar mehr Investoren die Macht des CEO und Chairman von J.P. Morgan Chase beschneiden, indem diese beiden Funktionen getrennt werden. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sie damit Erfolg haben werden. Denn Dimon, der die Doppelfunktion seit 2006 inne hat, wird weiterhin zugutegehalten, die Bank erfolgreich durch die Finanzkrise gesteuert zu haben.

Dabei ist eine solche Ämterhäufung aus deutscher Sicht – und nach deutschem Recht unmöglich. Das wäre so, als würde ein deutscher Vorstandsvorsitzender sich als Aufsichtsratsvorsitzender selbst beaufsichtigen.

Am Mittwoch hat eine Gruppe von Pensionsfonds erklärt, dass sie einen Aktionärsvorschlag für die Hauptversammlung eingebracht hat: J.P. Morgan solle einen unabhängigen Aufseher benennen. Im vergangenen Jahr war ein derartiger Vorschlag mit einer Zustimmung von lediglich 40 Prozent gescheitert.

Aber selbst ohne das Handelsdesaster wäre es fragwürdig, dass ein und derselbe Manager gleichzeitig Chef und Oberaufseher eines Unternehmens ist. Der Chief Executive Officer ist dafür da, das Unternehmen operativ zu führen. Der Chairman dagegen hat die Aufgabe, jenseits der Hauptversammlung die Interessen der Aktionäre zu vertreten. Meist ergänzen sich die Funktionen. Aber gelegentlich kommt es zu Konflikten, zumal der CEO dem Aufsichtsrat Bericht erstatten muss.

Bei Banken ist diese Rollentrennung besonders wichtig. Einen großen Teil der Bilanz machen dort Kredite aus. Wie viel die wert sind, liegt in den Augen des Betrachters. Es ist leichtsinnig, sich bei der Beurteilung ihres Werts nur auf das Management zu verlassen. Erst recht nicht, da die Banken für das Finanzsystem ein massives systemisches Risiko darstellen.

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