• The Wall Street Journal

Daimler-Chef Zetsche bekommt nur Dreijahresvertrag

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat bei seiner Vertragsverlängerung einen Dämpfer erhalten. Der Vertrag des mittlerweile 59-jährigen Managers wurde nur um drei Jahre verlängert und nicht wie erwartet um weitere fünf Jahre. Was für Zetsche ein Rückschlag ist, könnte Produktionschef Wolfgang Bernhard in die Karten spielen. Er wurde vom Aufsichtsrat zum Chef für das schwierige Nutzfahrzeuggeschäft berufen. Analysten sehen ihn dadurch gestärkt, er könnte Zetsche als Chef folgen.

Bis Ende 2016 soll zunächst der seit sieben Jahren an der Spitze von Daimler stehende Zetsche den schwäbischen Fahrzeugbauer führen. Auch seinen Posten als Leiter des Autogeschäfts Mercedes-Benz verlängerte der Aufsichtsrat am Donnerstag einstimmig um den gleichen Zeitraum. Auch Thomas Weber, Forschungsvorstand bei Daimler, erhielt nur einen Vertrag über weitere drei Jahre.

Reuters

Daimler-Chef Dieter Zetsche wird den Automobilkonzern zunächst nur für weitere drei Jahre steuern. Der Aufsichtsrat hat den Vertrag des Vorstandschefs nur bis Ende 2016 verlängert. Beobachter hatten zuvor mit weiteren fünf Jahren gerechnet.

"Aus Gründen der guten Unternehmensführung hat sich der Aufsichtsrat entschlossen, Vorstandsverträge bei Wiederbestellungen nur noch um drei Jahre zu verlängern, wenn die Vorstände 60 Jahre alt sind oder dieses Alter während der Laufzeit des Vertrages erreichen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Branchenexperten sehen für die Begrenzung der Laufzeiten zwei Gründe: Zum einen warten auf die beiden Manager in der Autosparte in den kommenden zwei Jahren noch enorme Herausforderungen. So hinkt Daimler mit seiner Luxusauto-Sparte Mercedes-Benz hinter der Konkurrenz aus München und Ingolstadt hinterher. Während Audi und BMW im wichtigen Markt China im vergangenen Jahr zweistellig wuchsen, verkaufte die Marke mit dem Stern dort lediglich 1,5 Prozent, rund 197.000 Autos mehr.

"Man möchte sich im Aufsichtsrat noch einmal einen Termin zur Prüfung der Ausrichtung markieren", sagt Christoph Stürmer, Analyst bei IHS Automotive. Spätestens Anfang 2016 müsse der Aufsichtsrat dann entscheiden, wie gut die ergriffenen Maßnahmen gewirkt haben und ob beide eine weitere Vertragsverlängerung erhalten. Damit halte sich das Unternehmen die Option offen, nach drei Jahren die Entscheidung zu überprüfen, sagte auch Heino Ruland von Ruland Research.

Auch das Alter spiele eine Rolle, so Analyst Stürmer. Beide Vorstände sind nahezu 60 Jahre alt. Es könne sein, dass die Arbeitnehmerseite eine kürzere Vertragslaufzeit gewollt hat, um zu vermeiden, dass Zetsche und Weber eventuell ihre Verträge mit großen Restlaufzeiten beendeten. "Es kann also sein, dass sich beide Seiten im Aufsichtsrat mit ihren jeweiligen Interessen getroffen haben", resümiert Stürmer.

Rollentausch auf höchstem Niveau

Das Kontrollgremium des Dax-Konzerns sorgte aber noch mit einer weiteren Entscheidung für Aufsehen. Andreas Renschler, jetziger Vorstand der Lkw-Sparte, und Wolfgang Bernhard, bisheriger Produktionschef, vollziehen im April einen Rollentausch auf höchstem Niveau. Analysten sehen diese Umbesetzung im Hinblick auf die kommenden Jahre grundsätzlich als gut - wobei Bernhard der Rücken gestärkt werde.

Den Wechsel der beiden Vorstandsämter bewerten Analyst Jürgen Pieper beim Bankhaus Metzler und Christoph Stürmer von IHS Automotive als positiv. Während Renschler in früheren Positionen bewiesen habe, dass er Experte für Umstrukturierungen in der Produktion sei, sei Bernhard sehr gut darin, Ergebnisse zu optimieren, sagt Stürmer.

Neben dem wichtigen chinesischen Markt, wo Daimler Probleme hat, haben die Schwaben auch in der Lkw-Sparte mit Gegenwind zu kämpfen. Zwar wurde bereits im November vergangenen Jahres der Vorjahresabsatz geknackt, doch wegen hoher Investitionen in neue Produkte und wegen einer schwachen Entwicklung in einigen wichtigen Märkten fiel die Umsatzrendite von 6,5 auf lediglich 5,5 Prozent. Bernhard steht also vor großen Aufgaben in seinem neuen Job.

Bernhard als Zetsche-Nachfolger?

Bei den Hintergründen zu seiner Nominierung vermuten einige Analysten noch mehr. Schon häufiger wurde über Bernhard als Zetsche-Nachfolger spekuliert. Es erhöhe sich nun die Chance für ihn, Vorstandsvorsitzender zu werden, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Ähnlich sieht das Heino Ruland von Ruland Research. Die Rochade sei nur dahingehend zu interpretieren, dass Bernhard als neuer CEO zunächst für die Division Trucks die Verantwortung tragen soll, um später den Konzern zu lenken.

Zetsche ist seit Januar 2006 Vorstandsvorsitzender und übernahm den Konzern in einer chaotischen Phase. Sein Vorgänger Jürgen Schrempp hatte die Fusion mit dem US-Konzern Chrysler in die Wege geleitet, die dann 2007 endgültig scheiterte. Der studierte Elektrotechniker Zetsche begann seine Karriere bei Daimler bereits 1976 in der Forschungsabteilung.

In den vergangenen Jahren stand Zetsche in der Kritik. Denn obwohl auch Daimler das Krisen-Comeback im Jahr 2011 mit einem Rekordergebnis krönte, hinken die Stuttgarter in Sachen Absatz und Rendite vor allem im Pkw-Geschaft den größten Rivalen BMW und Audi hinterher. Der deutliche Ausbau der Produktpalette im Kompaktwagensegment, die Stärkung des so wichtigen China-Geschäfts und ein erneutes Sparprogramm sollen das bis 2020 ändern. Zetsche hat also viel vor in den nächsten drei Jahren. Wer ihm dann folgt, oder ob er selbst Daimler weiter steuert, bleibt abzuwarten.

Kontakt zum Autor: ilka.kopplin@dowjones.com

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