Von HEIDE OBERHAUSER-ASLAN
Schwache Zahlen und viele ungelöste Probleme. Knapp ein halbes Jahr, nachdem der Gesundheitskonzern Fresenius den Versuch zur Übernahme des Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum abgebrochen hat, zeigt auch die Bilanz, dass das einstige Aushängeschild der privaten deutschen Klinikkonzerne gegen den Abwärtstrend kämpft.
Der gescheiterte Übernahmeversuch hat nicht nur einen Berg Kosten verursacht, etwa für Berater und ausscheidende Manager. Auch zeigt sich im operativen Geschäft, dass das Management anderweitig gebunden war. Zudem kommt Rhön mit der Restrukturierung der konzerneigenen Uniklinik Gießen-Marburg nur sehr langsam voran.
Die Jahresbilanz spiegelt die Probleme wider. Zwar erlöste der Konzern 9 Prozent mehr als im Vorjahr, weil die Patientenzahlen deutlich anzogen. Doch der Konzerngewinn schmolz kräftig, um 43 Prozent auf 92 Millionen Euro. Obwohl Analysten nach zwei Gewinnwarnungen eigentlich vorgewarnt waren, fielen die Zahlen am Ende noch etwas schwächer aus, als sie es erwartet hatten.
Eine schwierige Ausgangslage für den neuen Rhön-Chef Martin Siebert, um das Vertrauen des Kapitalmarktes zurückzugewinnen. Angesichts der Probleme wagte er nur eine vorsichtige Prognose. Zwar will er 2013 Umsatz und Ergebnis steigern. Doch mit einem angepeilten Konzerngewinn von 110 Millionen Euro mit bis 5 Prozent Spielraum nach oben oder unten, wäre das auch im günstigsten Fall deutlich weniger als die 161 Millionen Euro des Jahres 2011.
Zwei große Felder muss die Rhön-Führung beackern
Um Rhön Klinikum zu alter Stärke zurückzuführen, muss der Vorstand gleich auf mehreren Feldern ackern. Da muss zum einen das operative Geschäft wieder auf Vordermann gebracht und zum anderen für die schwierige Aktionärsstruktur eine Lösung gefunden werden, die den Konzern derzeit noch lähmt.
Operativ größter Risikofaktor ist nach wie vor das defizitäre Uniklinikum Gießen-Marburg, das Rhön 2006 übernommen hat und dass dem Unternehmen wie ein Klotz am Bein hängt. Hohe Personalkosten und frühere Investitionen belasten hier. Zumindest der langwierige Streit mit dem Land Hessen als Anteilseigner über die künftige Klinikausrichtung konnte mittlerweile beigelegt werden.
Eine schnelle Lösung für die Personalkosten wird es allerdings kaum geben. Bis Ende 2014 hat Rhön sich verpflichtet, in der Uniklinik auf weiteren Stellenabbau zu verzichten. Zudem machten dort weniger Beschäftigte als erwartet von ihrem Recht Gebrauch, zum öffentlichen Arbeitgeber zurückzukehren. Das erschwert die Senkung der Kosten.
Personal steht in Kliniken generell für den größten Kostenblock. Der Rhön-Konzern muss etwa 60 Prozent seines Umsatzes für Löhne und Gehälter aufwenden. Bis Gießen-Marburg schwarze Zahlen schreibt, bleibt für Rhön also noch viel zu tun. Chancen sieht das Management etwa in der Zentralisierung der Verwaltung des Doppelklinikums.
Doch auch die Gewinnentwicklung einiger anderer Kliniken lässt zu wünschen übrig. „Wir sind mit Hochdruck dabei, intern effizientere Controlling- und Führungsinstrumente in allen Standorten einzuführen", sagte Konzernchef Siebert. So will er das operative Geschäft präziser steuern und im Ergebnis auch den Gewinn erhöhen.
Eventuell werden auch Kliniken geschlossen
Nicht ausgeschlossen ist, wie das Management schon im Januar bei einem Pressegespräch sagte, dass Häuser zusammengelegt und wenig rentable Kliniken ganz aufgegeben werden. Die Gewinnmarge ist im vergangenen Jahr auf 10,2 Prozent gefallen (auf Ebitda-Basis). Den Rang als profitabelster Klinikkonzern hat Rhön damit an die Fresenius-Tochter Helios verloren, mit der die Fusion geplant war. Helios kam nach neun Monaten auf eine Marge von 13,3 Prozent, die Jahreszahlen liegen noch nicht vor.
Eine Großbaustelle hat die gescheiterte Fusion hinterlassen. Die Konzernführung wird heftig zu kämpfen haben, die unterschiedlichen Interessen in seinem Eigentümerkreis zusammenzubringen. Denn dort sitzen sich Konkurrenten wie Helios und Asklepios gegenüber, eine Blockade ist nicht ausgeschlossen. Erste Sondierungsgespräche mit allen wichtigen strategischen Aktionären hat der Rhön-Vorstand für Februar angekündigt.
An eine schnelle Lösung glauben Beobachter aber nicht, auch wenn Gespräche in Gang gekommen sind und sogar Kooperations- und Partnerschaftsmodelle diskutiert werden. Seit der missglückten Übernahme ist auch der Medizintechnikkonzern B. Braun Melsungen an Bord.
Derzeit gibt es kein Rezept, wie die komplizierte Beteiligungsstruktur aufgelöst werden kann. Weil die Satzung von Rhön-Klinikum für alle wichtigen Hauptversammlungsbeschlüsse mindestens 90 Prozent Zustimmung vorschreibt, könnten sich die Konkurrenten wechselseitig ausbremsen. Ohne den Firmengründer und Aufsichtsratschef Eugen Münch, der noch 12,5 Prozent hält, geht zwar nach wie vor nichts, er selbst ist allein aber nun ebenfalls nicht mehr handlungsfähig. Münch hatte seinerzeit den Stein ins Rollen gebracht und wollte sein Lebenswerk mit einem starken Partner wie Fresenius in eine sicherere Zukunft führen.
Am 8. März entscheidet sich Aktionärsstruktur
Wie der Gordische Knoten der komplizierten Aktionärsstruktur durchschlagen werden kann, steht derzeit noch in den Sternen. Einen wichtiger Hinweis zu den künftigen Spielregeln wird die Entscheidung des Bundeskartellamts am 8. März liefern. Der Hamburger Klinikkonzern Asklepios, der die Fresenius-Pläne mit seinem Einstieg zu Fall brachte, hat bei den Wettbewerbshütern nämlich beantragt, seine Rhön-Beteiligung bis auf gut 10 Prozent aufstocken zu dürfen. Damit käme er bei Rhön satzungsbedingt schon auf eine Sperrminorität.
Analysten wie Theresa Dick von Bankhaus Lampe bezweifeln, dass das Kartellamt einem unmittelbaren Wettbewerber erlauben wird, über wichtige Themen wie Dividenden oder Kapitalerhöhungen unmittelbar mit zu entscheiden. „Wettbewerbstechnisch wird das relativ schwierig sein so etwas durchzusetzen, auch weil es ein Präzedenzfall wäre", sagte sie.
Sollte das Kartellamt das Vorhaben aber doch durchwinken, und die Auflagen wären für Asklepios verschmerzbar, dann käme dem Wettbewerber eine Schlüsselposition bei einer künftigen Neuordnung zu. Doch auch für diesen Fall sehen Beobachter nicht schwarz. Für Ausgleich sorgen könnte der neue Rhön-Chef Martin Siebert, der selbst lange Jahre in leitender Funktion für den Asklepios-Konzern arbeitete und dem bei allen Differenzen ein guter Draht zum Eigentümer Bernard Broermann nachgesagt wird.
Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com







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