• The Wall Street Journal

Manchester United bekommt neuen Chef

Der englische Fußballverein Manchester United bekommt zur Jahresmitte einen neuen Chef. CEO David Gill, in dessen Ägide der Traditionsclub als Marke und finanziell ein beispielloses Wachstum erlebte, tritt am 30. Juni ab, wie Manchester United am Mittwoch mitteilte. Sein Nachfolger wird der Marketing- und Medien-Vorstand des Vereins, Ed Woodward.

Getty Images

Erfolgreiches Duo: David Gill (rechts) und Trainer Alex Ferguson.

Der 55-Jährige Gill, der auch als Vize-Chairman des englischen Fußballverbandes amtierte, bereitet sich derzeit auf seine Kandidatur für einen Sitz im Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbandes Uefa vor. Gill kam 1997 zunächst als Finanzdirektor zu Manchester United und wurde 2003 Vorstandschef. „Es war das größte Privileg, Manchester United 16 wundervolle Jahre zu dienen", sagte Gill, in dessen Amtszeit der Klub sechs Titel gewann. „Ich habe mit den feinsten Trainern in der Geschichte dieses Spiels gearbeitet und war Teil des meiner Meinung nach besten klubs im besten Sport der Welt", fügte er hinzu.

Gills Nachfolger wird Ed Woodward antreten, bislang für Marketing und Medien zuständig. Gill wird auch nach seinem Abschied von der Spitzenposition Mitglied des Boards von Manchester United blieben.

Unter Gill hat Manchester United seine Position als einer der Umsatzspitzenreiter im Sport gefestigt. Nach Daten von Deloitte erzielte der Verein in der Saison 2011/12 Einnahmen von 395 Millionen Euro und lag damit in der Liste der reichsten Fußballclubs auf Rang 3 hinter den spanischen Ikonen Real Madrid und FC Barcelona. Ein großer Umsatztreiber war dabei der Trikotwerbevertrag mit General Motors über 70 Millionen US-Dollar.

Das ist Europas Fußball-Elite

In die Amtszeit von Gill fiel auch der umstrittene Kauf des Klubs durch die Familie des US-Geschäftsmanns Malcom Glazer, dem auch die Tampa Bay Buccaneers aus der amerikanischen Football-Liga NFL gehören. Viele Fans fürchteten damals, dass die von den Glazers für die Übernahme aufgenommenen Kredite dem Klub das Geld entziehen würden, um hochklassige Spieler zu verpflichten.

Diese Sorge erwies sich jedoch als unbegründet – United sicherte sich weiterhin hochkarätige Talente und Spieler. Um den hohen Schuldenberg zu reduzieren, ging der Traditionsklub im vergangenen August in New York an die Börse. „Ich hoffe, dass seine Entscheidung dem Wohl des Fußballsports in ganz Europa dienen wird, wenn er in das Exekutivkomitee der Uefa gewählt wird", sagte Uniteds Co-Chairman Joel Glazer.

Seinen ersten Kontakt mit Trainer und Teammanager Alex Ferguson und der Mannschaft hatte Gill als Finanzchef bei den Vertragsabschlüssen mit den Spielern. Nachdem Gill CEO geworden war, stellten er und Ferguson Teams zusammen, die vier englische Meistertitel in der Premier League, einen englischen Pokalsieg und einmal die Champions-League-Trophäe gewannen - auch wenn, wie Ferguson anmerkt, es auf dem Weg dorthin „eine Million Streitereien" gab.

Der Club führt derzeit mit zwölf Punkten Vorsprung die britische Premier League an und ist damit auf dem Weg, zum zwanzigsten Mal in der Vereinsgeschichte die Meisterschaft zu holen. „Dass er zurücktritt, ist ein großer Verlust für mich", sagte Ferguson. „Wenn ich einen Weg gefunden hätte, ihn zum Bleiben überreden zu können, hätte ich das liebend gern getan. Aber er hat seine Entscheidung getroffen, und das respektiere ich."

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