• The Wall Street Journal

„Das Thema Fusionen in Europa ist definitiv erledigt"

Interview mit Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse.

Reto Francioni hat von Fusionsversuchen in Europa genug. Das sei ganz sicher kein Thema mehr, sagte er im Interview mit Wall Street Journal Deutschland. Stattdessen versucht die Deutsche Börse nun ihr Glück in Asien.

Herr Francioni, wie bewerten Sie die zunehmende Regulierung der Finanzmärkte?

Die Bedingungen werden immer schwerer, und zwar nicht nur für die Börsenorganisationen, sondern vor allem auch für unsere Kunden, die Banken. Das wirkt sich natürlich umsatzhemmend aus auf die traditionellen Märkte, in denen wir [tätig] sind.

Ist das auch einer der Gründe, warum Sie sich jetzt nach Asien orientieren?

Das ist einer der Gründe. Das Wachstum findet in Asien statt. Eine weitere Komponente ist: Die Deutsche Börse bietet Handel, Clearing und Abwicklung unter einem Dach an.

Agence France-Presse/Getty Images

Reto Francioni ist Vorstandschef der Deutschen Börse. Angesichts stetig fallender Umsätze muss er die Frage beantworten, wie der Börsenbetreiber künftig wachsen will, nachdem die große Fusion mit der Wall Street am Veto der Wettbewerbshüter gescheitert ist.

Wir werden neue Produkte zur Anwendung bringen, auch unter Ausnutzung der Verwahrung in Luxemburg. Das sind elf Billionen Euro Wertpapiere der Kunden, die im Auftrag von Banken und Versicherungen aufbewahrt werden. Wenn wir die teilweise mobilisieren, zum Beispiel für die Besicherung von Geschäften im Clearinghaus, dann haben wir Produkte und Dienstleistungen, die niemand außer uns hat.

Sie sagten, der Markt in Asien ist sehr fragmentiert. Sind Fusionen in Asien also für Sie kein Thema?

Wir haben gesagt: Organisch wachsen ist erste Priorität. Zweite Priorität sind Joint-Ventures und Kooperationen. Beides steht bei uns im Vordergrund.

Können Sie noch ein Wort zum Thema Fusionen in Europa sagen? Ist das für Sie erst einmal erledigt?

Ja, das ist definitiv erledigt. Einziger Punkt ist noch die Klage. Die bleibt anhängig. Die Marktdefinition in Brüssel, die zur Ablehnung [der Fusion] geführt hat, war: die Märkte sind börslich und europäisch. Und wir sagen, die Märkte sind außerbörslich und auch weltweit.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

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