• The Wall Street Journal

Deutsche Bank friert Boni in Millionenhöhe ein

Associated Press

Die Deutsche Bank will im Libor-Skandal Bonuszahlungen in Millionenhöhe so lange einfrieren, bis Klarheit herrscht. Dabei geht es um hohe Summen: So hat die Bank einen verdächtiger Händler nicht nur entlassen, sondern auch Bonuszahlungen an ihn in Höhe von 40 Millionen Euro eingefroren. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Eine Gruppe um Christian Bittar war bei der Deutschen Bank nach Angaben des Insiders für Handelsgeschäfte zuständig, die sich auf die wichtigen weltweiten Zinssätze wie Libor oder Euribor bezogen. Bittar soll auch versucht haben, sich mit Händlern anderer Banken zusammenzutun, um diese Zinssätze zu beeinflussen. Die Gruppe wurde im vergangenen Jahr beim Vergleich der britischen Bank Barclays mit den Regulierern erwähnt, aber nicht namentlich identifiziert.

"Nachdem wir entdeckt haben, dass sich eine kleine Zahl an Mitarbeitern unangemessen verhalten hat, haben wir disziplinarische Maßnahmen erlassen oder die Mitarbeiter entlassen und ihre nicht ausgezahlten Löhne einbehalten. Bis zum Abschluss unserer Ermittlungen werden wir diesen Weg weitergehen", sagte Michael Golden, ein Sprecher der Deutschen Bank, auf Anfrage. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Donnerstagabend als erste über die Sanktionen berichtet.

Bittar, der für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen war, arbeitete im Eigenhandel der Deutschen Bank, wo er mit Derivaten handelte. Die meisten Händler seines Typs wurden prozentual an den Gewinnen beteiligt, die sie der Bank einbringen. Die Entlohnung wurde üblicherweise zeitlich gestreckt: Der Bonus bestand aus einem Baranteil und Aktienanteilen, die über drei Jahre ausbezahlt wurden. Die Deutsche Bank schloss den Bereich des Eigenhandels, in dem Bittar arbeitete, Ende 2008. Er war einer von zwei Händlern, die 2011 in Verbindung mit den versuchten Manipulationen entlassen wurden.

Regulierer in den USA, Großbritannien und anderen Ländern ermitteln zurzeit gegen mehr als ein Dutzend Banken, die versucht haben sollen, den Libor und andere Zinssätze zu manipuliert. Diese bilden die Grundlage für Kredite und andere Finanztransaktionen im Wert von mehreren hundert Billionen Euro. Im Rahmen der Ermittlungen wurden mit der britischen Barclays und der Schweizer UBS bereits Vergleiche im Wert von fast zwei Milliarden Dollar geschlossen.

Die Deutsche Bank hat sich bisher nicht mit den Behörden verglichen. Allerdings gehen Insider davon aus, dass sie zu den nächsten Banken gehört, die dies tun werden. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat eine Sonderprüfung eingeleitet, die den Vorwürfen der Zinsmanipulation nachgehen soll, heißt es aus dem Umfeld der Behörde.

68 Millionen Euro mit jedem Hundertstel Prozentpunkt

Darüber hinaus untersucht die Deutsche Bank intern Tausende Handelsgeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2011. Dabei will sie festgestellt haben, dass keine Führungskräfte in die fraglichen Geschäfte involviert gewesen seien.

„Libor ist ein Thema, dass uns alle krank macht." Kein Vorstandschef hätte gedacht, dass so etwas möglich ist, sagte Jain. Die Manipulation sei „der größte Missbrauch von Vertrauen", den man sich vorstellen könne. Das Wall Street Journal hatte Anfang des Monats aufgedeckt, dass die Deutsche Bank mit Handelsgeschäften, die sich auf den Libor und andere Leitzinssätze bezogen, im Jahr 2008 mindestens 500 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Das zeigen interne Dokumente.

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Laut Berechnungen in den Dokumenten, in die das Wall Street Journal Einblick hatte, konnte die Deutsche Bank zum Stichtag 30. September 2008 mit jedem Hundertstel Prozentpunkt, um den sich der Libor oder sein europäisches Pendant Euribor bewegten, etwa 68 Millionen Euro gewinnen oder verlieren. Insgesamt erzielte das Institut 2008 im Bereich „Globale Finanzierung und Devisen", in der die meisten Handelsgeschäfte liefen, einen Gewinn in Höhe von 5,9 Milliarden Euro.

Für große Banken sind derartige Handelgeschäfte generell üblich, und es gibt keine Hinweise darauf, dass die Geschäfte der Deutschen Bank im Jahr 2008 den Markt verzerrt hätten oder illegal gewesen seien.

Der Skandal dreht sich um Handelsgeschäfte, die zusätzliche Gewinne produzieren sollten, indem die Zinssätze im Zusammenspiel mit Händlern anderer Banken manipuliert werden. Wie hoch die Extra-Gewinne der Banken durch diese illegalen Taktiken waren, haben die Regulierungsbehörden noch nicht exakt festgelegt. Auch die Frage, wie viel andere Geldhäuser und die Kreditnehmer dadurch verloren haben, ist noch ungeklärt.

"Die Handelsstrategie, mit der die Bank ihre Risiken verringern wollte, und die von vielen anderen am Markt genutzt wird, basierte auf einer seriösen Markteinschätzung", sagte Deutsche-Bank-Sprecher Golden. „Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben wir damit das Risiko des Wertpapierbestands der Bank verringert." Die Ermittlungen dauerten noch an, erklärte Golden. "Bisher haben wir aber keinen Zusammenhang gefunden zwischen dem unangemessenen Verhalten einer begrenzten Zahl von Mitarbeitern und den Gewinnen, die mit diesen Handelsgeschäften gemacht wurden", fügte er hinzu.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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