• The Wall Street Journal

General Allen nicht in Petraeus-Skandal verwickelt

Er sollte eigentlich zum Nato-Oberbefehlshaber ernannt werden, doch dann stoppte US-Präsident Barack Obama seine Beförderung: Vier-Sterne-General John Allen wurde verdächtigt, in den Skandal um die Liebesaffäre des ehemaligen CIA-Direktors David Petraeus verwickelt zu sein. Jetzt haben die Fahnder des Pentagon entschieden, dass der in Afghanistan stationierte Oberbefehlshaber der dortigen Truppen unschuldig ist. Der Vorwurf des „standeswidrigen Verhaltens" sei nicht haltbar. John Allen habe bei dem Austausch von E-Mails mit einer Mitarbeiterin eines Luftwaffenstützpunktes in Florida nichts Falsches getan, sagte ein hochrangiger US-Vertreter.

AP

General John Allen im April 2011.

Das Verteidigungsministerium hatte im Zuge der Petraeus-Affäre im vergangenen Herbst Ermittlungen aufgenommen. Der Generalinspektor wollte herausfinden, ob Allen eine "unangemessene Kommunikation" mit Jill Kelley gepflegt hatte.

Die 37-jährige Kelley organisierte als freiwillige Helferin auf dem Stützpunkt MacDill in Florida Veranstaltungen und hatte mit einer Beschwerde über belästigende E-Mails eines unbekannten Absenders die Untersuchungen angestoßen, die die außereheliche Affäre zwischen dem ehemaligen CIA-Direktor und seiner Biographin Paula Broadwell aufdeckten und letztendlich zum Rücktritt von Petraeus führten.

Im Verlauf der Untersuchung kamen auch E-Mails zwischen Kelley und General Allen ans Licht, die dem Pentagon vom FBI zur Überprüfung überlassen wurden. Es wurde befürchtet, dass geheime Informationen an die mutmaßliche Geliebte weitergegeben wurden. Auf mehr als 20.000 Seiten voller Nachrichten beliefen sich die Unterlagen. Die darin enthaltene Anzahl der Mails zwischen Allen und Kelley war jedoch um einiges geringer. Laut mit der Untersuchung vertrauter Personen haben sich die beiden ein paar hundert Nachrichten geschrieben. Zwar hätten manche der Emails einen koketten Tonfall gehabt, sagten Vertreter des Pentagon, die Einblick in die Untersuchung haben. Doch der Generalinspektor habe entschieden, dass General Allen kein Fehlverhalten vorgeworfen werden könne. Die Sprecher von General Allen reagierten nicht auf die Bitte nach einem Kommentar.

Nominierung als NATO-Oberbefehlshaber noch nicht sicher

Für Allen ist die Affäre noch nicht vorbei: Bislang sei keine Entscheidung gefallen, ob die Nominierung von Allen als NATO-Oberbefehlshaber wieder aufgenommen werde, sagten die Insider. US-Verteidigungsminister Leon Panetta, der die Ernennung von Allen im November auf Eis legte und die Untersuchung anordnete, wurde das Urteil des Generalinspektors mitgeteilt. Noch haben sich die Vertreter des Pentagon nicht komplett durch die Unterlagen gewühlt, so lange wird eine Aussage von Panetta warten müssen. Andererseits haben wichtige Abgeordnete wie der Republikaner John McCain, Senator für Arizona, bereits ihre Unterstützung für General Allen erklärt.

Auch die freiwillige Helferin Kelley hat sich erneut zu Wort gemeldet: In einem am Dienstag veröffentlichten Artikel in der Washington Post wiesen Kelley und ihr Ehemann Scott die Unterstellung, sie habe eine außereheliche Affäre mit Allen unterhalten, als „absurd" zurück.

Das Paar plädiert zudem für einen stärkeren gesetzlichen Schutz zur Wahrung der Privatsphäre von E-Mails. In dem Artikel beschreiben sie, wie sie unfreiwillige Opfer eines Medienhypes geworden sind, nachdem Kelley einen befreundeten FBI-Beamten um Hilfe bat, wie sie auf die von ihr als Drohbriefe empfundenen anonymen Emails reagieren solle. Wie sich später herausstellte, kamen diese von Paula Broadwell, die eine Affäre mit Petraeus hatte.

Noch gibt es keine Pläne, den Mailverkehr zwischen Allen und Kelley zu veröffentlichen. Doch es könnte durchaus sein, dass auf Berufung des Gesetzes für Informationsfreiheit einige der Nachrichten doch noch an die Öffentlichkeit gelangen.

"Unsere Familie hat kein Verbrechen begangen und hat nicht die Öffentlichkeit gesucht", schreibt das Paar. „Wir hatten lediglich um Hilfe gebeten."

—Mitarbeit: Julian E. Barnes

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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