• The Wall Street Journal

Dells Gewinnsturz reicht Aktionären

Reuters

Polieren nicht nötig: Selbst enttäuschende Quartalszahlen reichen einigen außenstehenden Dell-Aktionären. Sie wollen den geplanten Verkauf an Gründer Michael Dell und andere solange blockieren, bis man ihnen einen höheren Preis pro Aktie zahlt.

Der amerikanische Computerhersteller Dell hat am Dienstag einen heftigen Umsatz- und Gewinnrückgang bekanntgegeben, aber Anleger halten die Ergebnisse dennoch für gut genug. Auf ihren Rückhalt ist der Konzern angewiesen, um seinen Plan vom Rückzug von der Börse wahr machen zu können.

Im vierten Geschäftsquartal machte Dell 31 Prozent weniger Gewinn und 11 Prozent weniger Umsatz. Das lag am oberen Ende dessen, was das Unternehmen selbst vorausgesagt hatte. Nachbörslich gab es kaum Schwankungen bei der Aktie. Sie kostete auch Stunden nach Börsenschluss unverändert rund 13,80 US-Dollar.

Vor zwei Wochen hatte Dell öffentlich gemacht, dass Unternehmensgründer Michael Dell und andere Großinvestoren den Konzern kaufen und von der Börse nehmen wollten. Der Großteil der Verkaufsverhandlungen fiel in das Berichtsquartal. Nun müssen noch die Aktionäre dem Megageschäft im Wert von 24,4 Milliarden Dollar zustimmen. Sie sollen ihre Anteilsscheine für je 13,65 Dollar abtreten.

Gründer Michael Dell nahm gar nicht erst teil

Personen, die an den Verkaufsgesprächen teilgenommen haben, glauben, dass die Aktionäre das Angebot annehmen werden – auch, weil es um die weltweite PC-Industrie so schlecht bestellt ist. Leitende Manager des Konzerns wollten sich bei einem Telefongespräch mit Analysten nicht zu dem geplanten Verkauf äußern. Firmengründer Michael Dell hatte wegen seiner Rolle bei dem Geschäft gar nicht erst an der Konferenzschalte teilgenommen.

Das Weihnachtsquartal 2012, das am 1. Februar endete, zählte zu den enttäuschendsten des Konzerns überhaupt. Weltweite PC-Verkäufe sanken gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent, sagt das Marktforschungsunternehmen Gartner. Der Umsatz im PC-Geschäft sank im Vorjahresvergleich um 20 Prozent auf knapp 7 Milliarden Dollar.

Vor allem der unaufhaltsame Siegeszug von mobilen Geräten wie Smartphones und Tablet-Rechnern setzt dem PC-Hersteller zu. Die Nachfrage nach Computern schrumpft, und Dell trifft es härter als Branchenrivalen. Fast die Hälfte des Gesamtumsatzes stammt bei Dell aus PC-Verkäufen.

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen schon versucht, diese Abhängigkeit vom klassischen PC-Geschäft zu kappen und sich breiter aufzustellen - unter anderem mit Sicherheitssoftware, Datenspeichersystemen, Netzwerkausrüstung und ähnlich margenstarken Dienstleistungen für Unternehmen.

Laut Brian Gladden, Dells Finanzchef, wird der Computerhersteller diese Richtung auch weiter verfolgen.

Im Berichtsquartal kletterten die Verkäufe von Servern und Netzwerkausrüstung für Unternehmen bereits um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Dafür sanken die Umsätze im Bereich Datenspeicher um 13 Prozent auf 434 Millionen Dollar. Umsätze mit Dienstleistungen sanken um 3 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Insgesamt machte Dell in dem Quartal einen Nettogewinn von 530 Millionen Dollar oder 30 Cents je Aktie. Im Vorjahr hatte der Konzern noch 761 Millionen US-Dollar verdient. Es war der fünfte Gewinnrückgang in Folge. Der Umsatz ging auf 14,3 Milliarden Dollar von rund 16 Milliarden Dollar im Vorjahr zurück.

Nun lässt sich Dell, dessen Marktkapitalisierung von einst 100 Milliarden auf magere 19 Milliarden Dollar zusammenschrumpft ist, von seinem Gründer und Chef Michael Dell sowie der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake aufkaufen. Auch der Software-Gigant Microsoft mischt mit bei dem Geschäft und schießt einen Kredit von 2 Milliarden Dollar zu. Gründer Michael Dell, der rund 14 Prozent der Dell-Aktien besitzt, soll den Konzern auch in Zukunft führen.

Aufstieg und Fall von Dell:

Mehr als die Hälfte der unabhängigen Dell-Aktionäre müssen dem so genannten Buy-Out zustimmen. Das aber gerät zum Problem: Außenstehende Aktionäre, die rund 15 Prozent der Aktien halten – darunter auch die Vermögensverwaltung Southeastern Asset Management halten den Computerhersteller für massiv unterbewertet und wollen das Großgeschäft verhindern. Southeastern hält 24 Dollar je Aktie für angemessen - rund 10 Dollar mehr als Michael Dell und seine Partner geboten haben.

Nick Tompras, Präsident der Vermögensverwaltung Alpine Capital Research, die Ende Dezember noch rund 2,2 Millionen Dell-Aktien hielt, reagierte entsprechend freudig überrascht auf die jüngsten Quartalsergebnisse.

Auch Tompras lehnt den geplanten Verkauf des PC-Herstellers ab und findet, die Quartalszahlen gäben Aktionären ein kleines bisschen mehr Grund, einen höheren Preis zu fordern. Er glaubt, dass das Unternehmen eine rosige Zukunft vor sich habe: „Warum sollte der Unternehmensgründer das Unternehmen zurückkaufen wollen, wenn er pessimistisch in die Zukunft blicken würde?"

Kontakt zum Autor: britta.becks@dowjones.com

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