• The Wall Street Journal

EU-Datenschützer planen Schlag gegen Google

PARIS—Europäische Datenschützer planen einen koordinierten Schlag gegen den Internetriesen Google . Damit wollen die Behörden unter der Führung Frankreichs ein Exempel statuieren gegen den freimütigen Umgang globaler Konzerne mit persönlichen Daten.

Associated Press

Frankreichs Datenschützer finden, Googles Umgang mit privaten Daten gehe zu weit. Sie planen strafrechtliche Maßnahmen.

Wie Frankreichs Datenschutzkontrolleure der Commission Nationale de l'Information et des Libertés (CNIL) am Montag mitteilten, wollen sie noch vor dem Sommer gemeinsam mit anderen europäischen Aufsichtsbehörden „repressiv" gegen Google vorgehen, weil der Konzern einen Warnbrief aller 27 nationalen Datenschutzämter der EU nicht „genau und effektiv" beantwortet hatte. Die anderen europäischen Datenschützer sollen bis Ende Februar über Frankreichs Vorschlag abstimmen.

Im Oktober hatten die Franzosen bereits Alarm geschlagen, dass Googles Umgang mit Nutzerdaten gegen europäisches Recht verstoße. Das Internetunternehmen hatte Anfang 2012 seine Datenschutzrichtlinien überarbeitet, damit seine verschiedenen Dienste wie Email und Youtube auf gemeinsame Daten zurückgreifen konnten. Frankreich hatte das Ganze untersucht und befunden, dass die Änderungen zu weit gingen.

Die Datenschützer schickten Google eine Forderungsliste und verlangten unter anderem, dass sich Nutzer einfacher aus dem Dunstkreis von Zielgruppenwerbung befreien können. Google bekam drei bis vier Monate Reaktionszeit und antwortete im Januar. In seinem Schreiben sei der Konzern aber nicht konkret genug auf die unternommenen Änderungen eingegangen, moniert Isabelle Falque-Pierrotin, die Leiterin der Behörde CNIL.

Deshalb würden jetzt alle EU-Aufsichtsbehörden zusammem über das weitere Vorgehen beratschlagen, sagt sie. „Wir sind schlagkräftiger, wenn wir mit einer Stimme sprechen, als wenn jedes Land einzeln Schritte unternimmt", sagt Falque-Pierrotin. Noch steht nicht fest, welche strafrechtlichen Konsequenzen Google drohen. Laut Falque-Pierrotin seien CNIL und die anderen Datenschützer aber bereit, Sanktionen zu verhängen.

Strafen für die Verletzung von Datenschutzrichtlinien variieren von Land zu Land. In Frankreich belaufen sich Strafen für wiederholte Gesetzesbrüche auf bis zu 300.000 Euro.

Nationale Datenschutzkommissionen haben gesagt, sie hofften, ein weltweites Beispiel zum Umgang mit persönlichen Daten aufzustellen. Sie untersuchen neben Google unter anderem auch das soziale Netzwerk Facebook .

Google erklärte am Montag, dass seine Datenschutzpolitik mit den europäischen Gesetzen übereinstimme. Wie ein Konzernsprecher mitteilte, habe man in dem Antwortschreiben an die Behörden im Januar schon einige Änderungen in der konzerneigenen Datenpolitik aufgelistet sowie um ein Treffen gebeten, um weitere Aspekte einer Reaktion zu besprechen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 17. Mai

    Diesmal in den Bildern des Tages: Verhüllte Künstler in Hongkong, Vögel zählende Ranger in England, glückliche Studenten aus Maryland und mehr.

  • [image]

    Die neue S-Klasse

    Vor 62 Jahren fing alles mit dem Mercedes 220 an, dem Urahnen der heutigen S-Klasse. Daimler hat in Hamburg die zehnte Generation seiner Oberklasselimousine vorgestellt und sie soll Mercedes wieder auf den Thron der Luxusfahrzeuge bringen - unter anderem mit Parfum und Hot-Stone-Massageeffekt.

  • [image]

    Wie Weltraumbarde Chris Hadfield die Erde sieht

    150 Tage verbrachte der kanadische Astronaut Chris Hadfield auf der Internationalen Raumstation ISS. Wir zeigen wunderschöne Fotos aus dem All, die der Kanadier mit liebevollen Kommentaren getwittert hat.

  • [image]

    Argentiniens versunkene Stadt taucht wieder auf

    Eine kleine Stadt in der Nähe von Buenos Aires versank nach einem Dammbruch vor 27 Jahren im Meer. Mehr als ein Vierteljahrhundert später erblickt die argentinische Geisterstadt Epecuén wieder das Licht.

Erwähnte Unternehmen