• The Wall Street Journal

Millionenabfindung für Novartis-Manager empört die Schweizer

ZÜRICH--Aufregung in der Schweiz um die Millionenabfindung für Novartis -Verwaltungsratschef Daniel Vasella: Der Konzern hat dem scheidenden Manager ein Abfindungspaket in Höhe von maximal 72 Millionen Franken geschnürt. Die Summe dürfte den Unterstützern der "Abzockerinitiative" Auftrieb geben, einem Referendum, das den Aktionären eines Konzerns weitreichende Kompetenzen über die Vergütung von Vorständen einräumen soll.

Reuters

Novartis-Verwaltungsratschef Daniel Vasella könnte bis zu 72 Millionen Franken als Abfindung erhalten.

Vasella teilte in einem Statement via E-Mail mit, dass der Novartis-Verwaltungsrat eine Abfindung beschlossen hat, deren Wert sich über sechs Jahre auf maximal 72 Millionen Franken belaufen wird. Im Gegenzug darf sich Vasella nicht in den Dienst eines Novartis-Rivalen stellen.

"Für Novartis war es sehr wichtig, dass ich davon absehe, mein Wissen und mein Know-how Konkurrenten zur Verfügung zu stellen" so Vasella. Wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme, werde Novartis jährliche Zahlungen leisten. Er sagte weiter, er werde die Einkünfte an karitative Einrichtungen spenden.

Dennoch dürften die Zahlungen an Vasella eine Debatte in der Schweiz über eine Volksabstimmung befeuern, die am 3. März landesweit ansteht. Wenn das Referendum Erfolg hat, werden die Aktionäre eidgenössischer Unternehmen weitgehende Kompetenzen über die Bezahlung von Topmanagern erhalten. So soll in der Landesverfassung ein Veto-Recht für Aktionäre in Vergütungsfragen festgeschrieben werden.

Der Vorschlag, auch bekannt als Abzockerinitiative, geht zurück auf Thomas Minder, Politiker und Chef eines familiengeführten Zahnpasta-Herstellers. Außerdem steht ein Gegenvorschlag der Schweizer Regierung zur Abstimmung. Dieser geht nicht so weit wie Minders Initiative, sondern sieht für die Aktionäre ein nicht-bindendes Mitspracherecht vor.

Topmanager fürchten die Initiative

Diese Art von Mitbestimmung ist ein relativ seltenes Phänomen. In Großbritannien gab es solche Abstimmungen erstmals 2003, sie wurden nach und nach auch von den Niederlanden, Australien, Schweden und Norwegen übernommen. Die USA übernahmen das sogenannte Say-on-Pay 2010 als Teil neuer Richtlinien an der Wall Street. Unter dem "Dodd-Frank-Act" sind Unternehmen verpflichtet, eine nicht-bindende Abstimmung über die Vorstandsvergütung mindestens alle drei Jahre durchzuführen.

Der Vorschlag von Minder hat bei den wirtschaftsfreundlichen Parteien und bei Topmanagern heftigen Widerstand hervorgerufen. Sie fürchten, dass die Schweiz ihren Rang als eine der wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsstandorte einbüßt, wenn die Initiative so durchgeht. Sie argumentieren, dass das Land in dem Fall nicht mehr in der Lage wäre, Topmanager anzulocken.

Die Schweizer Wirtschaft gilt laut Weltwirtschaftsforum als die wettbewerbsfähigste der Welt, das International Institute for Management Development in Lausanne stuft sie auf Platz drei hinter Honkong und den USA ein.

Nachdem der goldene Fallschirm für Vasella bekanntgeworden ist, hat die Minder-Initiative an Zuspruch gewonnen. Der Tagesanzeiger zitiert eine Umfrage des der Zeitung SonntagsBlick, wonach 57 Prozent der Stimmberechtigten die Initiative unterstützen - mehr noch als vor Vasellas Abfindung.

Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im schweizerischen Fernsehen, sie sei "sprachlos" angesichts des Vasella-Abfindungspakets. Regionalpolitiker This Jenny der konservativen SVP sagte, dieses Paket würde die Zustimmung zur Minder-Initiative noch steigern.

Vasella hatte im Januar verkündet, als Verwaltungsratschef von Novartis zurückzutreten und das Unternehmen im Februar zu verlassen. Er hatte Novartis über lange Jahre mit aufgebaut und entscheidend geprägt. Der Konzern teilte mit, Vasella werden Novartis auch weiterhin beratend unterstützen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Diese Villa ist die teuerste Immobilie der USA

    20 Hektar Fläche, dazu ein kilometerlanger eigener Strand und zwei Inseln obendrauf: Dieses opulente Anwesen in Connecticut ist die derzeit teuerste Immobilie in den USA, die zum Verkauf steht. Und das hat seine Gründe.

  • [image]

    Das sind die beliebtesten Länder der Welt

    Deutschland ist nach einer Umfrage des britischen Senders BBC das beliebteste Land der Welt. Allerdings geht es nicht darum, wo es sich am besten leben lässt, sondern welche Nation den besten Einfluss hat.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 23. Mai

    Haben Sie das Wetter gerade satt? Menschen weltweit geht es genauso: In England hagelt es, in Nepal und Norwegen gießt es in Strömen, in den USA stürmt und blitzt es und in Indien schwitzen sogar die Gänse. Schauen Sie nach in unseren Fotos des Tages!

  • [image]

    Tornados hinterlassen einen Pfad der Zerstörung

    Mit enormer Wucht haben Tornados in der Nacht zu Dienstag Städte und Dörfer im US-Bundesstaat Oklahoma getroffen, darunter auch eine Grundschule. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. Dabei wird das enorme Ausmaß der Naturkatastrophe deutlich.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

Erwähnte Unternehmen