• The Wall Street Journal

Klimawandel: Doha und der Minimalkonsens

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In der Silvesternacht ist die erste Verpflichtungsperiode des beim weltweiten Klimaschutz maßgeblichen Kyoto-Protokolls ausgelaufen. Kurz vorher, quasi um fünf vor zwölf, haben sich die fast 200 Teilnehmerstaaten des Welt-Klimagipfels in Doha doch noch auf einen kleinen Kompromiss geeinigt: Die in Kyoto gefundene Vereinbarung soll bis 2020 verlängert werden.

Abgesehen von dieser „Verlängerungsvereinbarung" ist in Doha nicht viel passiert. Nur 37 Staaten, die gemeinsam für etwa 15 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind, verpflichteten sich, ihre Treibhausgase bis 2020 weiter zu reduzieren. Die beiden Staaten mit dem größten CO2-Ausstoß, die USA und China, sind dem Kyoto-Protokoll auch dieses Mal nicht beigetreten. Japan und Kanada sind bei der Verlängerung nicht mehr dabei. Darüber hinaus ist offen, wie hoch die geplante Minderung von Treibhausgasen sein wird.

Angesichts der begrenzten Tragweite der Beschlüsse von Doha verwundert es nicht, dass Naturschutzverbände und Umweltorganisationen darin kaum mehr als einen faulen Kompromiss sehen, der den Klimawandel und die damit verbundenen Konsequenzen letztlich nicht aufhalten wird. Neben aufstrebenden Schwellenländern wie Indien, China und Brasilien gilt nun auch so manche europäische Nation als Klimasünder, die, wie die USA schon vor 20 Jahren, den Schutz des Klimas scheinbar links liegen lässt.

Klimawandel: Vom Menschen gemacht?

Trotz aller Diskussionen und Schuldzuweisungen gibt es aber auch Stimmen, die vor übertriebener Panikmache warnen und den Wandel des Klimas als ganz natürliches Phänomen sehen und sagen, dass der CO2-Gehalt seit der Eiszeit ohnehin ansteige und in Wasserdampf und Sonne seine Hauptverursacher sehen. Folgt man dieser Argumentation wäre der Mensch aus seiner Verantwortung entlassen.

Bevor wir das allerdings tun, sollten wir das aufschlussreiche Whitepaper der Deutschen Bank „Climate Change: Adressing the major sceptic arguments" zur Kenntnis nehmen, das einen eindeutigen Zusammenhang zwischen menschlichem Verhalten und dem Wandel des Klimas sieht.

Damit liegt auch nahe, dass wir uns hin und wieder darauf besinnen sollten, dass sich das Weltklima um unsere Diskussionen kaum schert. Während wir diskutieren, erwärmt sich die Erde bereits um zwei bis drei Grad Celsius, der kritischen Hürde, ab der Naturkatastrophen sich nicht nur häufen, sondern auch immer schwerer zu beherrschen sind.

Umso wichtiger ist es, die in Doha bekundete Absichtserklärung, in den kommenden drei Jahren ein weltweites Klimaschutzabkommen auszuarbeiten, in die Tat umzusetzen. Der von der Bundesregierung eingeschlagene Weg in Richtung einer emissionsarmen und Klima schonenden Zukunft scheint schon heute viel versprechend. Immerhin ist es Deutschland gelungen, den CO2-Ausstoß um 26 Prozent zu reduzieren und damit das im Rahmen der EU-internen Lastenteilung zugesagte Ziel von 21 Prozent zu übertreffen.

In seinem Zehn-Punkte-Plan macht der Bundesumweltminister die Energiewende zu seinem persönlichen Projekt. Hoffen wir, dass den Worten auch entsprechende Taten folgen.

Altmaier erklärt den Atomausstieg für „entschieden" und „unumkehrbar" und bekundet seine feste Absicht, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis 2020 auf 40 Prozent zu erhöhen. Wenngleich der weltweite Klimaschutz sicherlich nicht über Nacht zu haben sein wird, könnte Deutschland als Vorreiter der international notwendigen Klimaschutzdiskussion möglicherweise neuen Schwung verleihen.

Dazu wird vor allem ein langer Atem notwendig sein. Die richtige Antwort kann nur lauten, den bereits eingeschlagenen Weg auch im neuen Jahr konsequent weiter zu verfolgen, also massiv in „grüne Technologien" zu investieren und diese weiter auszubauen.

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Lothar Lochmaier arbeitet als freier Fach- und Wirtschaftsjournalist in Berlin. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Energie, Informationstechnologie und Banken. Er betreibt zudem das Experten-Weblog „Social Banking 2.0 – der Kunde übernimmt die Regie".

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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