• The Wall Street Journal

Steuerfahnder durchsuchen Nokia-Werk in Indien

Der Handyhersteller Nokia hat Probleme mit den Steuerbehörden in Indien. Die Steuerfahndung hat das Werk in Chennai durchsucht, eine der größten Fabriken von Nokia weltweit. Einen Grund konnte ein Nokia-Sprecher nicht nennen, auch die Behörden hätten dem Unternehmen keinen genannt. Er sagte aber, man werde vollständig kooperieren, um sicherzustellen, dass die Fahnder alles bekämen, was sie bräuchten.

Eine mit dem Unternehmen vertraute Person geht davon aus, dass die Razzia mit der Verteilung der Steuern zwischen Indien und Finnland zusammenhängt, wo der Handykonzern beheimatet ist. Die indischen Steuerbehörden waren für einen Kommentar unmittelbar nicht zu erreichen.

Die Durchsuchung ist ein weiterer Hinweis für die bürokratischen Schwierigkeiten, mit denen westliche Unternehmen auf dem Subkontinent zu kämpfen haben. Am Samstag hatte der britische Telekommunikationskonzern Vodafone eine behördliche Mitteilung erhalten, nach der das Unternehmen der indischen Regierung mehr als 2 Milliarden US-Dollar an Steuern schulde. Diese Vorgänge hängen mit der Mehrheitsübernahme des Indien-Geschäfts von Hutchison Whampoa für 11,2 Milliarden Dollar im Jahr 2007 zusammen. Vodafone soll sich damals geweigert haben, für den Deal Steuern zu zahlen.

dapd

Probleme in Indien - hier ein Nokia-Verkäufer in Neu-Delhi.

Die Behörden hatten zuvor gesagt, dass Vodafone rund 3,75 Milliarden Dollar an Steuern, Zinsen und Strafen zahlen müsste. Der Fall Vodafone hat bei ausländischen Investoren Befürchtungen geweckt. Diese wurden noch dadurch verstärkt, dass Indien im vergangenen Jahr per Gesetz die nachträgliche Besteuerung von Transaktionen ermöglicht hat, bei denen ausländische Unternehmen indische Vermögensgegenstände übernehmen.

In der Nokia-Fabrik in Chennai werden über 20 unterschiedliche Geräte produziert, darunter auch die Baureihe "Asha". Diese Mobiltelefone mit smartphone-ähnlichen Funktionen richten sich an die weniger flüssigen Kunden in Schwellenländern.

Nokia hat seit 1995 eine Präsenz in Indien. Das Werk in Chennai, das 2006 seine Pforten geöffnet hat, hat sich zu einer der größten Telefon-Fabriken der Welt entwickelt. Der Nokia-Sprecher betonte, dass die Razzia keine Auswirkungen auf das Indien-Geschäft des Konzerns habe. An der Börse kamen die Nachrichten über die Visite der Behörden nicht gut an. Am frühen Nachmittag gibt die Nokia-Aktie in Helsinki 3,6 Prozent nach.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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