• The Wall Street Journal

Wetten gegen Yen und auf Nikkei laufen heiß

Die Börsenmusik spielt derzeit in Asien, genauer gesagt in Japan. In nur zwei Monaten hat der Nikkei-Index um 26 Prozent zugelegt. Das entspricht fast dem gesamten Anstieg des Dax im vergangenen Jahr. Am Dienstag fehlten dem Nikkei nur rund 50 Punkte, um erstmals seit fast drei Jahren wieder über 11.000 Punkte zu steigen. Die Erwartung einer immer lockereren Geldpolitik der Bank of Japan schwächt den Yen enorm. Das aber verbessert die Position der exportorientierten japanischen Wirtschaft erheblich.

Der Druck der neuen Regierung unter Premier Shinzo Abe auf die Bank of Japan ist groß. Um die Konjunktur endlich in Schwung zu bringen, soll diese die Geldpresse beschleunigen. Am Dienstag treffen sich die Notenbanker um ihren Chef Masaaki Shirakawa, um über die Geldpolitik zu beraten. Medien berichten, die Notenbanker könnten erstmals seit neun Jahren an zwei aufeinanderfolgenden Treffen die Geldmenge ausweiten. Spekuliert wird über umgerechnet 110 Milliarden Dollar.

AP/dapd

Der Nikkei steht kurz vor der Marke von 11.000 Punkten. Zuletzt hatte der japanische Leitindex vor fast drei Jahren darüber notiert.

Die Aussicht auf eine Yen-Schwemme lastet schwer auf der Währung. Seit Mitte November hat der US-Dollar zum Yen um 10 auf 90 Yen aufgewertet. Der Euro ist in diesem Zeitraum zur japanischen Devise sogar um fast 20 Yen gestiegen. Daten einer US-Behörde zufolge hat der Yen mittlerweile den Euro als diejenige Währung abgelöst, bei der Investoren am stärksten auf fallende Kurse wetten. Von einem regelrechten "Yen-Bashing" spricht Carolin Hecht von der Commerzbank.

Der Einbruch des Yen befeuert die Rally an der Börse in Tokio fast täglich aufs Neue. Am Donnerstag riet Credit Suisse, japanische Aktien überzugewichten. Diese seien im Schnitt 40 Prozent unterbewertet, argumentiert der Chefanalyst Andrew Garthwaite. Er räumt dem Nikkei weitere 1.000 Punkte Aufwärtspotenzial ein. Automobilaktien wie Honda, Toyota oder Suzuki sind seit Jahresbeginn zwei- bis dreimal so stark gestiegen wie BMW, Daimler oder VW.

Japan hat eine Menge aufzuholen

Die Renaissance des japanischen Aktienmarktes ist insofern erwähnenswert, als der Nikkei seit Jahren als der kranke Mann unter den weltweiten Börsenindizes gilt. Es lohnt einen Blick zurück: Bis zum August 2004 bewegten sich der Dax, der S&P-500 und der Nikkei etwa im Gleichklang miteinander. Doch dann trennten sich die Wege der großen drei. Der Dax ist seitdem ohne Unterbrechung der Outperformer, hat sich mehr als verdoppelt. Der S&P-500 konnte den Nikkei erst im Sommer 2010 abschütteln und ist seitdem um knapp 50 Prozent gestiegen.

Was nächste Woche die Märkte bewegt

Highlights kommender Woche werden die Leitzinsentscheidung der Bank of Japan und die Quartalszahlen von Apple sein.

Der Nikkei-Index hat dagegen seit 2004 per Saldo stagniert. Vom Kurseinbruch der Jahre 2007 und 2008 hat sich Japans Börse im Gegensatz zu ihren Pendants in den USA und Europa nicht mehr erholen können. Die notorisch rezessionsgeplagte Wirtschaft des Landes hat tiefe Spuren am Aktienmarkt hinterlassen. Vor allem ausländische Investoren sind laut Garthwaite in japanischen Aktien nach wie vor stark unterinvestiert.

Seit zwei Monaten setzen sie aber wieder auf die japanische Karte. "Fragt sich nur, ob die Bank of Japan bei ihrer Sitzung kommende Woche die extremen Markterwartungen nicht doch mit Füßen tritt", warnt Commerzbank-Analystin Hecht. Stiegen die Wetten auf die Notenbank ins Unermessliche, dann drohten Anleger sich mit ihren Währungspositionen die Finger zu verbrennen. Die Nervosität nehme zu: In nur wenigen Wochen sei die Volatilität des Dollar/Yen auf neue Höchststände gestiegen.

Sollte die Bank of Japan den Spekulationen auf immer neues Notenbankgeld tatsächlich die Stirn bieten, dann dürften die Marktakteure die Reißleine ziehen. Ein nach oben schießender Yen und ein einbrechender Nikkei wären wohl die Folge. Zumindest kurzfristig könnten sich die Anleger wieder von Japan abwenden. Und vielleicht wieder auf den Dax setzen. Denn der stagniert schon seit Wochen unter 7.700 Punkten.

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com

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