• The Wall Street Journal

US-Banken machen wieder gute Geschäfte

Für Amerikas Großbanken stehen die Zeichen trotz eines weiter schwierigen Umfelds auf Erholung. Nicht nur im zuletzt viel geschmähten Investmentbanking läuft es wieder rund, auch bei der Begleitung von Anleihen- und Aktienemissionen machten die Geldhäuser im Schlussquartal 2012 wieder gute Geschäfte. Die Investmentbank Morgan Stanley, die am Freitag als letztes der großen Institute Zahlen vorlegte, erzielte nach einem Verlust im Vorjahreszeitraum wieder einen deutlichen Gewinn.

Die Skyline von Manhattan: Die amerikanischen Großbanken machen wieder gute Geschäfte.

Auch Goldman Sachs und J.P. Morgan überraschten bereits früher in dieser Woche den Markt mit satten Gewinnsprüngen. Bank of America und Citigroup litten zwar unter Altlasten, die auf die Bilanzen drückten. Das operative Geschäft lief aber auch bei diesen zwei Instituten solide.

Am Aktienmarkt reagierten Investoren, die am Vortag noch Bank of America und Citigroup wegen enttäuschender Zahlen abgestraft hatten, geradezu euphorisch auf den Geschäftsbericht von Morgan Stanley. Die Aktie legte im frühen US-Handel gut 7 Prozent zu.

Morgan Stanley verdiente von Oktober bis Dezember 507 Millionen US-Dollar nach einem Verlust von 250 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Je Aktie lag der Gewinn bei 25 Cent. Auf die Bilanz drückte jedoch unter anderem ein negativer Bilanzierungseffekt aus der Neubewertung von eigenen Schulden. Rechnet man diesen Effekt heraus, erreichte der Gewinn 28 Cent je Aktie und damit einen Cent mehr als Analysten erwartet hatten.

Die Bank profitierte vor allem von dem starken Wachstum ihrer Sparte Institutional Securities, zu der das Investmentbanking und das Emissions- und Handelsgeschäft gehört. Hier stiegen die Erlöse um 43 Prozent auf 2,95 Milliarden Dollar.

An die Gewinne der Konkurrenten reicht Morgan Stanley damit aber noch lange nicht heran. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs verdiente von Oktober bis Dezember mit 2,89 Milliarden dreimal soviel wie im Jahr zuvor. Goldman profitierte von der wieder wachsenden Bereitschaft der Unternehmen zu Fusionen und Akquisitionen. Dabei werden die Investmentbanker gebraucht, die sich ihre Dienste bei der Beratung der Unternehmen gut bezahlen lassen. J.P. Morgan Chase, die größte Bank der USA, steigerte den Nettogewinn um mehr als die Hälfte.

Nicht ganz so glanzvoll waren die Bilanzen von Bank of America und Citigroup. Die Bank of America musste eingestehen, im vierten Quartal erneut nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt zu sein. Sinkende Einnahmen und milliardenschwere Kosten für jüngst erzielte Vergleiche in langen Rechtsstreiten ließen den Gewinn um zwei Drittel einbrechen. Der Citigroup machten unter anderem hohe Restrukturierungsaufwendungen für den angekündigten Konzernumbau zu schaffen. Sie konnte ihren Gewinn zwar kräftig steigern, Beobachter an Wall Street hatten der Bank aber deutlich mehr zugetraut.

Die Investmentbanken litten lange Zeit unter den Spätfolgen der Finanzkrise, der europäischen Schuldenkrise und den grassierenden Sorgen um die Weltwirtschaft, doch schon im dritten Quartal hat sich das Bild für die Branche aufgehellt. Doch auch wenn die schwierigen Zeiten für die Banken vorerst vorbei sind, ganz vergessen sind die Probleme der Vergangenheit noch nicht: Auf einigen der Quartalsberichte lastete ein Vergleich der Institute mit der amerikanischen Notenbank Fed wegen missbräuchlicher Zwangsräumungen während der Finanzkrise. Die Banken sollen - überlastet von der großen Zahl von Zwangsräumungen im kollabierenden Immobilienmarkt - während der Finanzkrise tausende von Fällen automatisch abgezeichnet haben. Dabei hatten sie behauptet, jeden Fall einzeln detailliert geprüft zu haben. Hausbesitzer wurden im Schnellverfahren aus ihren Häusern geklagt, dies hatte in den USA weithin für Empörung gesorgt.

Fed schloss milliardenschwere Vergleiche mit Banken

Vergangene Woche hatte die Fed in diesem Skandal bereits milliardenschwere Vergleiche mit zehn amerikanischen Banken geschlossen - darunter J.P. Morgen, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo. Am Mittwoch einigte sich die Notenbank auch mit Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die beiden Institute müssen zusammen 557 Millionen Dollar zahlen. Damit werden unter anderem 220.000 ehemalige Kreditnehmer, die in den Jahren 2009 und 2010 ihre Häuser verloren, entschädigt.

Die Bank of Amerika, als einzige Großbank nicht in New York sondern in North Carolina ansässig, hat sich zudem mit der US-Regierung in einem jahrelangen Streit um Hypothekenpapiere geeinigt. Die Regierung hatte auf Schadensersatz geklagt, weil die Bank und ihre Tochter Countrywide Immobilienkredite an die beiden - damals halbstaatlichen - Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac weitergereicht und dabei deren mangelhafte Qualität verschwiegen haben sollen. Insgesamt muss die Bank of America dafür 11,6 Milliarden Dollar berappen.

Der Erholung der Bankenbranche vorausgegangen war sowohl bei Morgan Stanley als auch bei Wettbewerbern wie Bank of America und Goldman Sachs ein umfangreicher Stellenabbau. Der sei nun aber abgeschlossen, erklärte Morgan-Stanley-CEO James Gorman am Freitag in einem Interview mit dem Fernsehsender CNBC.

Morgan Stanley hat ihre Lektion aus der Finanzkrise gelernt. Ähnlich wie Goldman Sachs will sie keine reine Investmentbank sein, die ungebremst dem Gegenwind globaler Finanzkrisen ausgesetzt ist, sondern sich stärker in der Vermögensverwaltung engagieren. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg war Ende September die Vereinbarung über die Komplettübernahme des Joint Ventures Morgan Stanley Smith Barney, an dem die Bank bislang 51 Prozent hielt.

Kontakt zum Autor: stefanie.haxel@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 23. Mai

    Haben Sie das Wetter gerade satt? Menschen weltweit geht es genauso: Es hagelt in England, in Nepal und Norwegen gießt es in Strömen, in den USA stürmt und blitzt es und in Indien schwitzen sogar die Gänse. Schauen Sie nach in unseren Fotos des Tages!

  • [image]

    Diese Villa ist die teuerste Immobilie der USA

    20 Hektar Fläche, dazu ein kilometerlanger eigener Strand und zwei Inseln obendrauf: Dieses opulente Anwesen in Connecticut ist die derzeit teuerste Immobilie in den USA, die zum Verkauf steht. Und das hat seine Gründe.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 22. Mai

    In Serbien steht ein Haus mitten in einem Fluss, im Senegal hangelt sich ein Mann am Bungeeseil in einen tiefen Brunnenschacht und in den USA hebt ein Schweizer mit einem Solarflugzeug ab. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Tornados hinterlassen einen Pfad der Zerstörung

    Mit enormer Wucht haben Tornados in der Nacht zu Dienstag Städte und Dörfer im US-Bundesstaat Oklahoma getroffen, darunter auch eine Grundschule. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. Dabei wird das enorme Ausmaß der Naturkatastrophe deutlich.

  • [image]

    Im Luxusreich der Teenager

    Damit sich ihre Kinder gern zu Hause aufhalten, lassen wohlhabende Eltern für sie luxuriöse Wohnbereiche mit Karaokeanlagen, Billardtischen und riesigen Computern gestalten. Einige treiben es dabei auf die Spitze.

  • [image]

    Die Krise erreicht die Stierkampf-Arena

    Die Jahrhunderte alte spanische Stierkampf-Tradition steht vor dem Aus. Regionaler Nationalismus und Tierschützer setzen ihr schon seit Jahren zu. Die Rezession droht dem blutigen Spektakel aber den Gnadenstoß zu versetzen.