• The Wall Street Journal

Geiseldrama in Algerien noch nicht beendet

Das Geiseldrama in der algerischen Wüste ist nach Informationen des britischen Außenministeriums noch nicht beendet. In einer Mitteilung warnte das Ministerium am Freitagmorgen, Großbritannien müsse sich auf mögliche schlechte Nachrichten vorbereiten. Weitere Angaben konnte das Ministerium zunächst nicht machen.

Die Geiselnahme auf einem Gasfeld im Süden des Landes war am Donnerstag eskaliert. Regierungstruppen, die das Gelände eingekreist hatten, eröffneten das Feuer auf die Entführer. Dabei wurden mehrere Geiseln und zahlreiche Islamisten getötet. Angaben über die genaue Opferzahl lagen zunächst nicht vor, algerische Medien berichteten von mindestens vier getöteten Geiseln.

dapd

Satellitenbild des Erdgasfeldes.

Bevor das britische Außenministerium seine Mitteilung veröffentlichte, hatte das algerische Staatsfernsehen bereits das Ende des Geiseldramas verkündet. Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland große Bestürzung und scharfe Kritik hervor.

Für die Geiselnahme sei eine "multinationale Terrorgruppe" verantwortlich, die "Algerien destabilisieren, in den malischen Konflikt hineinziehen und die Infrastruktur für Erdgas zerstören" wolle, sagte der algerische Kommunikationsminister Mohand Said Oubelaid am Donnerstagabend im Radio. "Zahlreiche Geiseln sind befreit und viele Terroristen getötet worden."

Die Entführer hatten über die mauretanische Nachrichtenagentur NIA zuvor erklärt, 35 Geiseln und 15 Entführer seien bei dem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden. Sieben Geiseln hätten den Befreiungsversuch überlebt. Aus Sicherheitskreisen verlautete, mindestens 20 der ausländischen Geiseln sei die Flucht gelungen.

Der algerische Alleingang beim Militäreinsatz stieß im Ausland auf Skepsis und Kritik. Der Angriff habe das Leben der Geiseln gefährdet, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Sprecher der Weißen Hauses, Jay Carney, erklärte, die US-Regierung "ist besorgt angesichts der Meldungen über Tote und verlangt Klarheit von der algerischen Regierung". Zuvor hatten US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron in einem Telefonat ihre beiderseitige Verwirrung über den Vorfall ausgedrückt.

Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertretern überflog eine unbemannte US-Überwachungsdrohne das unweit der libyschen Grenze gelegene Areal, als es die algerischen Streitkräfte stürmten. Einigen festgehaltenen Amerikanern sei die Flucht gelungen.

Zuvor habe Washington der Regierung in Algier militärische Hilfe zur Geiselbefreiung angeboten, hieß es weiter. Algerien habe die Offerte jedoch abgelehnt.

US-Anti-Terrorspezialisten stünden derzeit in Kontakt mit ihren algerischen Kollegen, teilte US-Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington mit. Zudem wolle sie ein weiteres Mal mit dem algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal telefonieren. Weitere Details nannte Clinton jedoch nicht.

Derweil wurden allerdings Einzelheiten über die dramatischen Erlebnisse einiger entkommener Geiseln publik. Dem irischen Elektriker Stephen McFaul gelang nach Angaben seiner Familie die Flucht. Die Extremisten zwangen die Geiseln demnach, bei ihren Angehörigen anzurufen und deren Forderungen mitzuteilen.

"Er (Stephen) rief mich um neun Uhr morgens an und sagte mir, dass ihn die Al-Kaida entführt hat", sagte seine Mutter Marie. "Ich sollte die irische Regierung kontaktieren, weil sie Aufmerksamkeit wollten. Das war der Albtraum. Das mache ich nicht noch einmal mit. Er geht nicht zurück."

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