• The Wall Street Journal

Börse gibt EADS schon lange den Vorzug vor Boeing

Mit skandalträchtigen Schlagzeilen über Pannenserien steht Boeing derzeit im Fokus. Doch Börsianer brauchen dieses Signal nicht – mit EADS haben sie rechtzeitig auf die richtige Aktie der beiden Flugzeugbauer gesetzt. Schließlich sind die Befreiung von staatlicher Bevormundung, Dividendenverdoppelung und Rekordaufträge die besten Argumente.

Dem Kurs von Boeing geht es wie dem Hoffnungsträger 787 Dreamliner: Von Höhenflügen ist er weit entfernt. Ganz im Gegenteil: In den vergangenen zwölf Monaten hat die Boeing-Aktie auf Euro-Basis fast sieben Prozent an Wert verloren. Der Kurs des Erzrivalen und Airbus-Produzenten EADS hob dagegen im gleichen Zeitraum um fast 30 Prozent ab. Allein in den vergangenen zwei Wochen, in denen eine Dreamliner-Panne der anderen folgte, hat die Boeing-Aktie gut neun Prozent verloren, während EADS um neun Prozent gestiegen ist.

Reuters

Die EADS-Aktie ist schon seit einigen Monaten ein Favorit an den Börsen. Die Konkurrenz von Boeing hat sie hier locker abgehängt.

Immer neue Meldungen über positive Auftragseingänge bei EADS haben dafür den Grundstein gelegt. Das Jahr 2012 erwies sich als Rekordjahr für die Flugzeugtochter Airbus, wie der Konzern gerade erst bekanntgegeben hat. Noch nie zuvor wurden soviele Maschinen produziert und dem Kunden übergeben.

Auch die Auftragslage sieht rosig aus: Während sich Airbus 650 Aufträge für das Jahr erhofft hatte, gingen tatsächlich über 830 ein. Der Auftragsbestand stieg damit auf fast 4.700 Maschinen mit einem Wert von über 600 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwas der Wirtschaftsleistung der Schweiz. Die Produktion bei Airbus wäre damit für acht Jahre ausgelastet.

"In hohem Maße gewinnsteigernden Maßnahmen"

Das spiegelt sich auch deutlich in den Aktienkursen: Während die Boeing-Aktie im Jahresverlauf nur vor sich hindümpelte, gab es bei EADS zwei kräftige Kursschübe. Den ersten Satz nach oben machte die EADS-Aktie Anfang März 2012, als es innerhalb kurzer Zeit um rund zwölf Prozent nach oben ging. Auslöser waren die Geschäftszahlen des europäischen Flugzeugbauers und Rüstungskonzerns, der zudem eine Verdopplung der Dividende ankündigte.

Die zweite Kursrakete zündete Anfang Dezember dank der Spekulationen über eine Neuordnung der Aktionärsstruktur, die sich dann auch bewahrheitete. EADS teilte damals mit, sich etwas von der politischen Umklammerung durch die Großaktionäre Frankreich und Deutschland zu lösen, die ihre Beteiligungen reduzierten. Und auch Daimler und Lagardere kündigten an, ihre Beteiligungen zu verkaufen. Damit erhöhte sich der Streubesitz von 49 auf 70 Prozent. Außerdem kündigte EADS einen Aktienrückkauf im Volumen von 15 Prozent an.

Die Börse feierte die neu gewonnene Freiheit des Konzerns und sprach von "in hohem Maße gewinnsteigernden Maßnahmen". Der EADS-Kurs schoss um über 20 Prozent nach oben, verharrte dann auf dem erreichten Niveau und befindet sich seit Ende Dezember wieder auf einem steilen Weg nach oben. Um gut 13 Prozent ist die Aktie seitdem wieder gestiegen.

Analysten sehen weiteres Kurspotenzial für EADS

Damit zeigt sich, dass eigene und positive Fundamentaldaten wichtiger sind, als das Leid des Konkurrenten. Die Schlagzeilen um den Dreamliner seien zwar gut für die Stimmung um die EADS-Aktie, allerdings "fundamental eher irrelevant", heißt es dazu nüchtern an der Börse. "Die heutigen Projekte sind derart komplex, mit Millionen von Bauteilen, dass allein die Statistik den einen oder anderen Ausfall verlangt", nimmt ein Teilnehmer Boeing in Schutz.

Es werde gerne vergessen, dass der A380 von Airbus in der Konstruktionsphase ähnliche Probleme mit der Systemkomplexität hatte - beispielsweise mit falschen Kabeln. "Das einzig relevante Kriterium für Boeing ist, ob es zu Auftragsstornierungen kommen wird oder nicht". Dafür gebe es bislang keine Anzeichen. Davon unabhängig sehe die EADS-Aktie aber weiter nach einem klaren Kauf aus, nachdem die Aktie seit Jahresbeginn nach oben ausgebrochen sei.

Zuletzt hatten die Analysten der LBBW für das Papier ein Ziel von 40 Euro ausgegeben, die Experten der UBS trauen der Aktie sogar einen Höhenflug bis auf 46 Euro zu. Aktuell kostet die EADS-Aktie 33,41 Euro, das sind drei Prozent mehr als zum Mittwochschluss. Die Boeing-Aktie verliert dagegen im Frankfurter Handel 3,6 Prozent auf 53,75 Euro und ist damit nicht mehr weit vom Tiefststand 2012 von 53,56 Euro entfernt.

Kontakt zum Autor: steffen.gosenheimer@dowjones.com und michael.denzin@dowjones.com

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