• The Wall Street Journal

Dreamliner-Pannen lassen Boeing-Aktie abstürzen

Die jüngsten Zwischenfälle mit dem Boeing -Hoffnungsträger 787 Dreamliner lassen die Aktie des US-Flugzeugbauers an der Wall Street in den Sinkflug übergehen. "Was als eine Reihe von relativ kleinen und isolierten Störungen begonnen hat, könnte sich nun zu einem echten Problem für Boeing entwickeln", so die Analysten von RBC. Es gelte daher für das Unternehmen schnellstmöglich wieder Vertrauen herzustellen, was angesichts der medialen Präsenz der immer neuen Vorfälle aber nicht einfach werden dürfte.

dapd

Macht Probleme: Die Boeing 787 Dreamliner.

Ein erster Versuch in diese Richtung waren die Aussagen von Mike Sinnett, dem Chefdesigner des Dreamliner-Programms. Er verteidigte Sicherheit und Zuverlässigkeit des Fliegers. Auch das viel kritisierte innovative Elektriksystem nahm er in Schutz. Dieses war mit dem Feuer in einem Dreamliner der Japan Airlines am Montag in die Schlagzeilen geraten. Doch gerade das ausgeklügelte elektrische System ist eine der größten Innovationen des neuen Jets. Es beschert dem Dreamliner weniger Gewicht und damit einen geringeren Kerosinverbrauch. Außerdem sinken die Wartungskosten, da besonders schwer zu pflegende Teile wegfallen.

Die von den Pannen betroffenen Airlines Japan Airlines und All Nippon Airways werden ihre Dreamliner jedenfalls bis auf weiteres erst einmal am Boden lassen. Die jüngsten Vorfälle beeinträchtigten die anstehende Übergabe von mehreren 787 aber wahrscheinlich nicht, sagte der Chef der norwegischen ASA. Der europäische Billigflieger rechnet weiterhin mit der Lieferung des ersten von acht Dreamlinern im April.

Doch nicht nur die Störfälle alleine sind eine Sorge für den Airbus-Konkurrenten. Eine mögliche Untersuchung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA dürfte sich über mehrere Monate hinziehen und damit das Problem weiter in den Medien halten. Die FAA zeigt sich zunehmend besorgt über die Flut an elektrischen Problemen. Die Aufseher könnten unter anderem eine Überprüfung von Design- und Fertigungsfragen hinsichtlich der elektrischen Systeme der 787 vornehmen.

Ein Blick in die Vergangenheit gibt Boeing allerdings Anlass zur Hoffnung. Auch die 777 war ein vollkommen neuer Jet und tat sich bei ihrer Einführung im Jahr 1995 schwer. Im März 1996, weniger als ein Jahr nach der ersten Übergabe, nannte United Airlines die Zuverlässigkeit der 777 eine "große Enttäuschung". Heute ist die 777 von Boeing eine der angesehensten Maschinen im Dienst der Fluggesellschaften.

Und auch die Analysten von Bernstein sehen die aktuellen Probleme nicht ganz so dramatisch. Sie erinnern ihre Investoren daran, dass in der Vergangenheit Störfälle bei neuen Flugzeugtypen nur kurzfristig die Aktien belastet hätten. Schon schnell folgte eine Erholungsbewegung. Die Analysten stufen die Probleme beim Dreamliner als weniger heftig ein als explodierende Triebwerke oder die Haarrisse in den Flügeln des A380 von Wettbewerber Airbus. Die Airbus-Aktien benötigten zwei Wochen um sich von der 5-Prozent-Abwärtsbewegung zu erholen. Die Aktien des Triebwerkherstellers Rolls-Royce erholten sich von dem 10-Prozent Kursabsturz innerhalb eines Monats. So könnte aus dem aktuellen Sinkflug der Boeing-Aktie am Ende doch noch ein Steigflug werden.

Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@dowjones.com

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