• The Wall Street Journal

Lässt Peking seine Währung steigen?

Viele Anleger setzen darauf, dass das stärkere Wirtschaftswachstum in China die Regierung dazu veranlasst, dem Renminbi wieder mehr Luft nach oben zu gewähren – auch um die Inflation im Land zu bekämpfen.

Die chinesische Währung hat das Jahr mit einer Serie von Rekorden begonnen. Am Montag hat sie im Tagesverlauf den höchsten Stand seit der Einführung des modernen Devisenhandelssystems im Jahr 1994 erreicht.

Die chinesische Notenbank reguliert den Renminbi stark – der gehandelte Kurs darf sich nur wenig vom offiziellen Wechselkurs wegbewegen. Doch jetzt hat die People's Bank of China ihre Strategie geändert: Sie gibt dem Renminbi Luft nach oben, indem sie ihn zum Dollar immer höher ansetzt. So ist die Währung in diesem Jahr schon um 0,2 Prozent gestiegen – verglichen mit 1 Prozent im gesamten Vorjahr.

Reuters

Analysten glauben, dass die chinesische Regierung einen weiteren Anstieg des Yuans erlaubt, um die Inflation zu bekämpfen - im Bild ist ein Markt in Peking.

Investoren und Analysten vermuten, dass China im Laufe des Jahres die Stärke des Renminbi stützen wird. Peking will damit die Preise von Importen drücken und Inflationssorgen im Keim ersticken – denn mit einer starken Währung können chinesische Käufer höhere Kosten ausgleichen.

Die Regierung steht unter Zugzwang: Die Verbraucherpreise sind im Dezember zum Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent gestiegen, vor allem durch teurer werdende Lebensmittel. So hoch war der Anstieg seit sieben Monaten nicht mehr.

Mit steigendem Inflationsdruck „dürften die Politiker einen stärkeren Renminbi gutheißen", sagt Brian Coulton, Stratege für Schwellenmärkte beim englischen Vermögensverwalter Legal & General, der insgesamt mehr als 458 Milliarden Euro verwaltet. Coulton empfiehlt Anlegern, Yuan zu kaufen.

Eine stärkere Währung könnte China dabei helfen, weitere Investments ins Land zu locken, was die Preise für Wertpapieranlagen stützen dürfte. Sie könnte auch die Beziehungen zu den USA und zu Europa verbessern – denn viele westliche Politiker werfen den Chinesen vor, den Renminbi künstlich schwach zu halten, um den eigenen Exporteuren einen Vorteil zu verschaffen.

Allerdings glauben viele Investoren und Analysten, dass der Renminbi im Vergleich mit dem kräftigen Plus vergangener Jahre nur moderat aufwerten wird – im Jahr 2010 ging es um 3,6 Prozent nach oben, 2011 waren es 4,7 Prozent. Inzwischen sinkt Chinas einst enormer Handelsüberschuss. Dadurch spürt Peking weniger politischen Druck von Handelspartnern für seine schwache Währung, die den Importeuren aus dem Ausland zum Nachteil gereichen. Daher steht auch die Zentralbank nicht so stark unter Druck wie in früheren Jahren, den Renminbi aufzuwerten.

Dabei ist es gar nicht sicher, ob der Renminbi überhaupt steigen wird. Jede Delle im Wachstum Chinas könnte eine neue Welle der Kapitalflucht auslösen. Dann könnte auch die chinesische Zentralbank eingreifen, um mit einer schwächeren Währung den heimischen Exporteuren zu helfen. Auch ein neuerliches Aufflackern der europäischen Schuldenkrise könnte Anleger dazu bringen, Yuan zu verkaufen und in sicherere Anlageklassen zu flüchten.

Christy Tan, Währungsstrategin bei der Bank of America, warnt, dass der Renminbi im ersten Quartal dieses Jahres sogar abwerten könnte. Der Grund ist in ihren Augen die Unsicherheit über den US-Haushaltsstreit – die könnte paradoxerweise die Anleger in den Dollar treiben, weil er als sicherer Hafen betrachtet wird. Das würde den Renminbi schwächen.

Zunächst scheinen die Anleger aber auf einen stärkeren Renminbi zu setzen. Das lässt sich daran erkennen, wie die Währung in der Sonderverwaltungszone Hongkong gehandelt wird. Dort gibt es keine Kursbeschränkungen der Regierung in Peking. Seit Jahresbeginn hat der Renminbi in Hongkong um 0,6 Prozent zugelegt, also dreimal so stark wie auf dem regulierten Festland. Seit November ist die Kurslücke zwischen dem Yuan in der Sonderverwaltungszone und dem auf dem Festland immer größer geworden. Das deutet darauf hin, dass die Investoren beim Renminbi noch Luft nach oben sehen.

Auch Geoffrey Barker, Manager beim Hongkonger Hedgefonds Ballingal Investment Advisors. ist für die nächsten drei bis sechs Monate zuversichtlich, dass der Renminbi aufwertet. Er begründet dies mit der Erwartung einer wirtschaftlichen Erholung und geringerer Kapitalabflüsse. Für den 150 Millionen US-Dollar starken Fonds von Ballingal hat Barker börsengehandelte Fonds gekauft, die chinesische Aktien abbilden – so will er vom erstarkenden Renminbi profitieren.

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