• The Wall Street Journal

SPD stürzt in neues Umfragetief

BERLIN--Neue Hiobsbotschaft für die SPD: Nach dem neuesten Forsa-Wahltrend von RTL und der Zeitschrift Stern stürzt die SPD weiter dramatisch ab und kommt jetzt nur noch auf 23 Prozent der Wählerstimmen. Damit liegen die Sozialdemokraten auf dem gleichen Wert ihres historisch schlechtesten Wahlergebnisses von 2009. Die SPD musste damals unter Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ein Minus von 11,2 Prozentpunkten im Vergleich zu 2005 hinnehmen.

Die Union setzt hingegen zu neuen Höhenflügen an und steuert auf eine absolute Mehrheit im Bund hin. Sie konnte nach der Umfrage erneut einen Punkt hinzugewinnen und liegt jetzt bei 43 Prozent. Es ist ihr bislang bester Wert unter Kanzlerin Angela Merkel. Allein die Union ist damit sechs Prozentpunkte stärker als das rot-grüne Lager mit gemeinsam 37 Prozent.

dapd

Es sieht nicht gut aus für die SPD und ihren Chef Sigmar Gabriel: In neuesten Umfragen stürzte die Partei auf 23 Prozent ab.

Etwas erholen kann sich die FDP, die um einen Punkt auf drei Prozent steigt. Damit wäre den Liberalen aber weiterhin der Einzug in den Bundestag verwehrt. Die Grünen fallen um einen Punkt auf 14 Prozent, die Linke sackt auf acht Prozent ab. Die Piraten gewinnen einen Punkt, wären mit vier Prozent aber wie die Liberalen nicht im Bundestag vertreten.

Nach Einschätzung von Politikwissenschaftler Peter Lösche handelt es sich bei der Umfrage um eine Momentaufnahme. SPD-Chef Sigmar Gabriel habe die Partei in letzten Monaten "erstaunlich" konsolidiert. Vor den "Steinbrück-Fettnäpfchen" habe sich die SPD auf 30 Prozent der Wählerstimmen eingependelt. Bei der CDU macht Lösche den "Merkel-Effekt" für das Umfragehoch verantwortlich. "Die Kanzlerin inszeniert sich international mit Ruhe und Gelassenheit", sagt Lösche dem Wall Street Journal Deutschland. "Das wird von den Wählern honoriert."

Weniger ins Gewicht fielen deshalb die internen Streitigkeiten zum Betreuungsgeld und zur Grundrente. Der SPD rät der Göttinger Politikwissenschaftler, ihr Profil als "Partei der sozialen Gerechtigkeit" zu schärfen. Die SPD laboriere noch immer an den Folgen der Agenda 2010. "Das nehmen die Wähler übel", sagt Lösche.

Ausschlaggebend für das verheerende Umfrageergebnis sind die schlechten Sympathiewerte von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück. Der ehemalige Finanzminister verliert in der Bevölkerung weiter an Ansehen. Wenn die Deutschen ihren Regierungschef direkt wählen könnten, würden sich nach dem Wahltrend nur noch 18 Prozent für Steinbrück entscheiden. Das sind vier Prozent weniger als noch vor einer Woche. Merkel wollen 59 Prozent der Befragten als Regierungschefin behalten - ein neuer Höchstwert. Die Kanzlerin hat damit rund acht Monate vor der Bundestagswahl einen Vorsprung von 41 Prozentpunkten vor ihrem SPD-Herausforderer.

Kontakt zum Autor: susann.kreutzmann@dowjones.com

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