Von DANIEL MICHAELS
dapd
Öfter bestellt als der A380: 89 Prozent der Bestellungen bei Airbus bis November 2012 waren für den A320.
Der europäische Flugzeugbauer Airbus gerät erstmals seit mehreren Jahren gegenüber dem Erzrivalen Boeing
ins Hintertreffen. Bei Bestellungen und Flugzeugübergaben dürfte die EADS-Tochter im abgelaufenen Jahr hinter Boeing rangiert haben. Die aktuelle Pannenserie beim Boeing-Prestigeprojekt Dreamliner schlägt sich in den Zahlen noch nicht nieder. Auch bei Airbus läuft mit dem Großraumflugzeug A380 bei weitem nicht alles nach Plan. Trotzdem erzielten die Europäer offenbar ein Rekordjahr.
Airbus berichtete nach Stornierungen über Aufträge in Höhe von 800 Maschinen, darunter 9 Bestellungen des Superjumbos A380. Das ergibt sich aus Unternehmensdaten bis November und anschließenden Ankündigungen. Das sind mehr, als die Europäer erwartet hatten: Airbus hat mit Auftragseingängen von 650 Flugzeugen gerechnet.
Der Flugzeugkonzern werde mehr als 580 Flieger übergeben, sagten Vertreter von Airbus, auch das wäre ein neuer Rekord. Bislang lag dieser bei 534 Maschinen im Jahr 2011.
Boeing hat trotzdem die Nase vorn
Gegen die Konkurrenz aus Chicago dürfte Airbus trotzdem nicht ankommen. Boeing verbuchte im abgelaufenen Jahr 1.203 Nettoaufträge und lieferte rund 600 Modelle aus. Sollte Boeing auch nach endgültigen Zahlen die Nase vorn haben, wäre es das erste Mal seit fünf Jahren, dass der US-Konzern Airbus bei den Verkäufen überflügelt. Gleichzeitig wäre es das erste Jahr in einer gesamten Dekade, dass Boeing mehr Flugzeuge übergibt als die Konkurrenz aus Toulouse.
Bei beiden Kontrahenten dominierten Bestellungen von kleineren Modellen. Boeing etwa verkaufte zu 93 Prozent sein Standardrumpfflugzeug 737. Das gleiche Bild bei Airbus: Hier stand die konkurrierende A320-Produktpalette bis November für 89 Prozent der Aufträge. Gefragt waren auch mittelgroße Modelle wie die Boeing 777 und der A330. In dieser Sparte landeten beide Hersteller rund 100 Aufträge.
Großflugzeuge wie der A380, jüngstes Modell von Airbus, waren hingegen nicht so gefragt. Das zweistöckige Flugzeug bietet als Standardmodell Platz für rund 525 Passagiere, die Kapazität kann aber für bis zu 853 Fluggästen ausgedehnt werden. Offiziell kostet der Flieger 390 Millionen US-Dollar, obwohl Airbus Rabatte von bis zu 50 Prozent einräume, sagen Branchenvertreter.
Großflugzeuge nicht gefragt bei Fluggesellschaften
Wie beim Dreamliner ist auch beim A380 nicht alles eitel Sonnenschein. Zwar bleibt dem größten Verkehrsflugzeug der Welt eine Pannenserie vergleichbar mit der von Boeings Superjumbo derzeit erspart. Doch Airbus hatte mit Produktionsproblemen zu kämpfen, die Kosten liefen um mehrere Milliarden Dollar aus dem Ruder. Gleichzeitig hinkt Airbus dem eigenen Zeitplan um einige Jahre hinterher. Dennoch pries die EADS-Tochter den A380 erfolgreich bei den Fluglinien an. Insgesamt 262 Modelle haben verschiedene Fluggesellschaften bis einschließlich November 2012 bestellt, 92 Maschinen übergab Airbus seit 2007, dem Jahr, in dem der A380 zum ersten Mal seinen Dienst aufnahm.
Die Jumbo-Deals der Flugzeugbauer
Boeing
Airbus
Boeing
Ed Turner
Boeing
Airbus
Airbus
Ed Turner
Boeing
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Boeing
Auf der Flugzeugshow in Farnborough machten die Flugzeugbauer einige schwere Deals öffentlich: So wird Boeing jeweils 75 Stück seines Modells 737 Max an die Flugzeug-Leaser Gecas und Air Lease los, auch Rivale Airbus hat Käufer für seine Maschinen gefunden. In die Top Ten der…
Auf der Flugzeugshow in Farnborough machten die Flugzeugbauer einige schwere Deals öffentlich: So wird Boeing jeweils 75 Stück seines Modells 737 Max an die Flugzeug-Leaser Gecas und Air Lease los, auch Rivale Airbus hat Käufer für seine Maschinen gefunden. In die Top Ten der teuersten Bestellungen – nach Listenpreis – schaffen es die neuen Deals aber nicht.
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Das A320 ist der Top-Seller von Airbus. Der australische Billigflieger Jetstar bestellte im vergangenen Herbst 78 Exemplare der Neo-Version des Flugzeugs mit überarbeiteten Triebwerken. Bei knapp 97 Millionen Euro pro Stück kommt man auf einen Listenpreis von 7,8 Milliarden…
Das A320 ist der Top-Seller von Airbus. Der australische Billigflieger Jetstar bestellte im vergangenen Herbst 78 Exemplare der Neo-Version des Flugzeugs mit überarbeiteten Triebwerken. Bei knapp 97 Millionen Euro pro Stück kommt man auf einen Listenpreis von 7,8 Milliarden US-Dollar…
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…der allerdings mit Vorsicht zu genießen ist. Den Listenpreis bezahlen die Airlines nie, weder bei der EADS-Tochter Airbus, noch beim amerikanischen Marktführer Boeing. Von denen kommt die Nummer 9 der größten Deals seit 2011: Von ihrem Dauerbrenner 737 haben sie im vergangenen…
…der allerdings mit Vorsicht zu genießen ist. Den Listenpreis bezahlen die Airlines nie, weder bei der EADS-Tochter Airbus, noch beim amerikanischen Marktführer Boeing. Von denen kommt die Nummer 9 der größten Deals seit 2011: Von ihrem Dauerbrenner 737 haben sie im vergangenen Sommer 100 Stück an American Airlines verkauft. Laut Listenpreis wären so 8,4 Milliarden US-Dollar zusammengekommen.
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Die achtgrößte Lieferung nach Listenpreis kommt wieder von Boeing: Im August 2011 hat der Goliath der Lüfte 100 Stück ihres 737er-Modells an die amerikanische Fluglinie Delta abgesetzt. Laut Liste hätte die Airline aus Atlanta dafür 8,5 Milliarden US-Dollar bezahlt – im Schnitt kann…
Die achtgrößte Lieferung nach Listenpreis kommt wieder von Boeing: Im August 2011 hat der Goliath der Lüfte 100 Stück ihres 737er-Modells an die amerikanische Fluglinie Delta abgesetzt. Laut Liste hätte die Airline aus Atlanta dafür 8,5 Milliarden US-Dollar bezahlt – im Schnitt kann man aber die Hälfte vom offiziellen Preis abziehen. Ähnlichkeiten mit einem türkischen Bazar sind rein zufällig.
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Deal Nummer Sieben, wieder von Boeing: Im Januar hat die norwegische Billig-Airline Norwegian 100 Maschinen der großen Version des Bestsellers, 737 Max, geordert – laut Listenpreis kommen so 9,5 Milliarden US-Dollar zusammen. Bis die Flugzeuge geliefert sind, können 10 Jahre ins Land…
Deal Nummer Sieben, wieder von Boeing: Im Januar hat die norwegische Billig-Airline Norwegian 100 Maschinen der großen Version des Bestsellers, 737 Max, geordert – laut Listenpreis kommen so 9,5 Milliarden US-Dollar zusammen. Bis die Flugzeuge geliefert sind, können 10 Jahre ins Land streichen. Auch bezahlt werden sie nach und nach: Bei Vertragsabschluss wird nur ein Bruchteil der Summe fällig. Zwei bis drei Jahre vor Lieferung des jeweiligen Flugzeugs kommt der erste größere Batzen…
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…und bei Lieferung der Rest. Die sechstgrößte Bestellung seit 2011 kommt wieder von Norwegian, es sind wieder hundert Stück. Aber im vergangenen Juni wurde nicht bei Boeing geordert, sondern bei Airbus. Laut Listenpreis haben die norwegischen Discounter 9,7 Milliarden US-Dollar…
…und bei Lieferung der Rest. Die sechstgrößte Bestellung seit 2011 kommt wieder von Norwegian, es sind wieder hundert Stück. Aber im vergangenen Juni wurde nicht bei Boeing geordert, sondern bei Airbus. Laut Listenpreis haben die norwegischen Discounter 9,7 Milliarden US-Dollar bezahlt – es ist aber davon auszugehen, dass die Skandinavier bei einer derartig großen Bestellung saftige Rabatte bekamen.
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Im Juni 2011 machten Airbus und die junge Indische Discounter-Linie Indigo den ersten Schritt. 150 Stück vom A320 kaufen die Inlandsflieger aus Neu-Delhi, für einen Listenpreis von zusammen 14,5 Milliarden Dollar – Platz fünf. Kleine und wachsende Fluglinien ordern häufig in großen…
Im Juni 2011 machten Airbus und die junge Indische Discounter-Linie Indigo den ersten Schritt. 150 Stück vom A320 kaufen die Inlandsflieger aus Neu-Delhi, für einen Listenpreis von zusammen 14,5 Milliarden Dollar – Platz fünf. Kleine und wachsende Fluglinien ordern häufig in großen Stückzahlen: „Für einen größeren Rabatt nehmen sie das Risiko in Kauf, dass der Preis sich enorm verteuert", sagt Rob Morris, Analyst bei Ascend – eine Beraterfirma, die sich auf die Flugbranche spezialisiert hat.
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In der so genannten „Escalation Clause" werden die zulässigen Preisanstiege festgelegt. Bei fünf Prozent pro Jahr – eine übliche Rate – können die Kosten für die Airline über einen Zeitraum von zehn Jahren durch die Wolken gehen. Im Bild Deal Nummer vier: Die arabische Fluglinie…
In der so genannten „Escalation Clause" werden die zulässigen Preisanstiege festgelegt. Bei fünf Prozent pro Jahr – eine übliche Rate – können die Kosten für die Airline über einen Zeitraum von zehn Jahren durch die Wolken gehen. Im Bild Deal Nummer vier: Die arabische Fluglinie Emirates hat bei Boeing mal nicht den Klassiker 737, sondern den größeren 777 bestellt. 50 Stück von dem knapp 300 Millionen Dollar teuren Großflugzeug wollen sie – macht knapp 15 Milliarden US-Dollar.
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Southwest Airlines, ein Billigflieger aus Dallas, hat sich kurz vor dem vergangenen Weihnachten 150 von Boeings 737 Max gegönnt. Offizieller Preis sind knapp 19 Milliarden Dollar – aber gerade bei derartigen Rekordbestellungen liegt der Rabatt besonders hoch. Platz drei.
Southwest Airlines, ein Billigflieger aus Dallas, hat sich kurz vor dem vergangenen Weihnachten 150 von Boeings 737 Max gegönnt. Offizieller Preis sind knapp 19 Milliarden Dollar – aber gerade bei derartigen Rekordbestellungen liegt der Rabatt besonders hoch. Platz drei.
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Im vergangenen Sommer schlug Asiens Billigflieger AirAsia zu: 200 Mal den Airbus-Klassiker A320 für 19,3 Milliarden Dollar Listenpreis. Der größte Auftrag in der Geschichte des A320 und Platz zwei.
Im vergangenen Sommer schlug Asiens Billigflieger AirAsia zu: 200 Mal den Airbus-Klassiker A320 für 19,3 Milliarden Dollar Listenpreis. Der größte Auftrag in der Geschichte des A320 und Platz zwei.
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Der schwerste Verkaufswert nach Listenpreis kommt von einer Order der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air. Sie darf nicht auf EU-Airports landen, aber sie kann 201 Boeing-Maschinen kaufen. Listenpreis unserer Nummer eins: 22,4 Milliarden Dollar.
Der schwerste Verkaufswert nach Listenpreis kommt von einer Order der indonesischen Fluggesellschaft Lion Air. Sie darf nicht auf EU-Airports landen, aber sie kann 201 Boeing-Maschinen kaufen. Listenpreis unserer Nummer eins: 22,4 Milliarden Dollar.
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Boeing
2012 lieferte Airbus bis November 25 Modelle des A380 aus. Laut Daten des französischen Unternehmens AeroTransport Data Bank gingen im Dezember fünf weitere Modelle an die Airlines. Im Gesamtjahr 2011 betrug die Zahl der ausgelieferten Maschinen 26. Auffällig ist, dass die Lücke zwischen jährlichen Aufträgen und Übergaben im vergangenen Jahr so groß war wie noch nie seit der Einführung des Superjumbos. Hält der Trend an, riskiert Airbus, in künftigen Jahren sein Auftragspolster einzubüßen.
Ein hausgemachtes Problem waren Haarrisse in den Tragflächen von A380-Modellen. Airbus hat das Problem in den Griff bekommen und installiert seine Lösung bei Flugzeugen bereits in der Montage oder während sie in Betrieb sind. Der oberste Airbus-Vertriebschef John Leahy macht für Rückschläge beim Verkauf der A380 Wirtschaftsflaute und Tragflächenproblematik verantwortlich. Der Absatz von Großraumflugzeugen reagiere empfindlicher auf wirtschaftliche Eintrübungen als der von kleineren Modellen, fügt er hinzu. Langstreckenflüge schwankten stärker je nach Wirtschaftslage.
"Es war ein ziemlich schwaches Jahr für Großflugzeuge", sagt Leahy. Er verweist auf die Konkurrenz: Boeing habe im Vergleich lediglich einen Nettoauftrag für seinen größten Flieger, die 747-8, gewonnen. Das Modell sei eine überarbeitete Version des Jumbojets, der bereits im Jahr 1969 das erste Mal abgehoben war. "Die Nachfrage nach großen Modellen war nicht so stark, wie wir erwartet hatten", räumt auch Boeings Vizechef für Marketing, Randy Tinseth, ein.
Er erwarte in dem Segment eine baldige Erholung, da sich die Gesamtwirtschaft erhole. Gleichzeitig warnt der Boeing-Manager: "Insgesamt gibt es nicht allzuviele Fluggesellschaften und Strecken, bei denen wirklich große Maschinen Sinn ergeben."
Fluglinien verschieben Kauf des A380
Das Verhalten der Fluggesellschaften bestätigt diese Einschätzung: Die australische Qantas
etwa schob den Kauf von zwei A380 um bis zu vier Jahre auf, die eigentlich bereits 2013 übergeben werden sollten. Ein Auftrag von fünf Superjumbos für die angeschlagene indische Kingfisher Airlines scheint äußerst wackelig, nachdem die Flugaufsichtsbehörde im Oktober die Betriebslizenz suspendierte. Der Präsident von Hong Kong Airlines will für den Ableger HNA Group eine Order von zehn A380 lieber in kleinere Airbus-Modelle umwandeln.
Mehr zu Airbus und Boeing:
Immerhin gibt es auch Lichtblicke. Die Virgin Atlantic Airways will offenbar sechs Superjumbos jetzt doch endgültig bestellen, nachdem der Auftrag zunächst verschoben wurde. Die Delta Airlines
hatte 49 Prozent an dem britischen Carrier von Singapore Airlines
übernommen. Delta will jetzt US-Passagiere auf internationalen Flügen zunehmend auf Virgin-Flüge nach dem Londoner Flughafen Heathrow umleiten. Regierungsvertreter in der Türkei und in Vietnam haben zudem angekündigt, ihre nationalen Fluggesellschaften könnten A380-Modelle ordern.
Ein wichtiges Verkaufsargument für Airbus ist die Effizienz des A380. Der Superjumbo sei auf vielgenutzten Routen sparsamer im Betrieb als kleinere Modelle. Gleichzeitig lockten Bordkomfort und Modernität Passagiere weg von den älteren Flugzeugen.
Laut Analysten bleiben die kurzfristigen Aussichten für den A380 unklar. Die Verkäufe könnten aber anziehen, sofern der Flugverkehr weiter deutlich zulege. Großflieger befördern mehr Passagiere auf begrenzter Start- und Landebahnkapazität. "Die lange Sicht sieht für die A380 sicher besser aus als die direkte Zukunft", sagt Chefökonom Peter Morris von der Luftfahrtberatungsgesellschaft Ascend in London. Die Effizienz des Superjumbos sei noch nicht vollständig erwiesen und die Passagiere buchten derzeit nicht scharenweise Flüge mit dem Superjumbo. Ab wann das Großraumflugzeug von Airbus in die Gewinnzone fliegt, zeichne sich derzeit nicht klar ab, erklärten Analysten.
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