Von KIRSTEN BIENK
Mitarbeiter der angeschlagenen Fluggesellschaft Air Berlin müssen sich auf harte Einschnitte gefasst machen. Bei dem neuen Sparprogramm könnten betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden, sagte Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn jüngst Arbeitnehmervertretern des Konzerns. Wie viele Mitarbeiter ihren Hut nehmen müssen, sagte Mehdorn nicht. Die neuen Einschnitte sollen Air Berlin dabei helfen, endlich wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.
"Ziel ist es, das Ergebnis innerhalb der nächsten zwei Jahre um 10 Prozent zu verbessern", sagte Philip Küpper, Tarifsekretär der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Weitere Kostensenkungen sollen zeitlich befristete Gehaltseinbußen bringen. Außerdem soll künftig nur noch Weihnachtsgeld gezahlt werden, wenn ein Gewinn erwirtschaftet wurde. Air Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, erstmals seit längerer Zeit im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben.
Die wichtigste Frage, wie viel Mitarbeiter bei der Airline ihren Job verlieren werden, ist weiterhin unbeantwortet. Auch am Dienstagabend wollte sich Air Berlin dazu nicht äußern. In Medien wurde in den vergangenen Wochen darüber spekuliert, dass Air Berlin jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen will. Bei gegenwärtig etwa 9.300 Beschäftigten würde das 930 Menschen treffen.
Bisher hatte Mehdorn betont, zeitlich befristete Verträge, wie sie bei Air Berlin durchaus üblich sind, auslaufen und die frei werdenden Stellen nicht nachbesetzen zu lassen. Außerdem setzt er darauf, dass einige Mitarbeiter aus eigenem Antrieb heraus kündigen. Das dürfte aber alleine nicht reichen.
Den weiteren Angaben der Pilotengewerkschaft zufolge setzt Air Berlin bei dem Sparprogramm nicht alleine auf Jobkürzungen. Die Mitarbeiter, die mit dem Erwerb der Fluggesellschaft LTU zu dem Konzern gestoßen sind, müssen finanziell Abstriche machen. Sie sollen die gleichen Beschäftigungsbedingungen haben wir ihre schlechter bezahlten Kollegen von Air Berlin.
Mehdorn will der Pilotengewerkschaft zufolge den Verwaltungsrat der Airline am 21. Dezember über das Ausmaß der Stellenstreichungen informieren. Nickt das Gremium diesen Plan und alle weiteren Details des neuen Sparprogramms "Turbine 2013" ab, sollen erst Anfang und Mitte Januar die Hiobsbotschaften überbracht werden.
Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft geht es sehr schlecht. Sie leidet immer noch unter dem Wachstumswahn ihres ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Joachim Hunold. Er belastete Air Berlin durch den Kauf von Fluggesellschaften und neuen Maschinen. Der harte Wettbewerb um Marktanteile, der steigende Kerosinpreis, hohe Zinsen und Steuern zehren seit Jahren an der Substanz des Unternehmens. Das Eigenkapital ist fast aufgebraucht. Die Airline hält sich nur dank Geldspritzen ihrer Großaktionärin Etihad am Himmel.
Nachdem Hunold das Handtuch geworfen hatte, trat sein Nachfolger Mehdorn auf die Bremse. Allerdings so schwach, dass die Airline immer noch hoch verschuldet ist. Nun soll das Tafelsilber retten. Air Berlin will ihr Vielfliegerprogramm "topbonus" verkaufen und verspricht sich davon einen hohen Gewinn. Die Veräußerung von Flugschule und Techniksparte könnten folgen.
Mehdorn hat den Markt von seinen Plänen bisher aber nicht überzeugt. Analysten bezweifeln, dass der Verkauf des Vielfliegerprogramm viel Geld bringt. Außerdem rechnen sie damit, dass die Umsetzung des neuen Sparprogramms so viel Geld verschlingt, dass am Ende kommenden Jahres kein Gewinn übrig bleibt.
Im internationalen Flugverkehr geht es aber auch anderen Airlines schlecht. Alle stöhnen über die hohen Treibstoffkosten und den harten Wettbewerb. Deutschlands Marktführerin Lufthansa hat bereits vor vielen Monaten einen harten Sparkurs eingeleitet und dreht einen Stein nach dem anderen um. Auch sie trennt sich von Mitarbeitern, vor allem in der Verwaltung.
Kontakt zum Autor: kirsten.bienk@dowjones.com


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